WDR öffnet virtuelles Bergwerk im Netz

Screenshot: Bergmann unter Tage

WDR öffnet virtuelles Bergwerk im Netz

  • WDR lädt zu Projekt "Bergwerk 360 Grad"
  • Interaktive 3-D-Tour unter Tage
  • Mit VR-Brille und Laptop einfahren
  • In 4-D Kohle aus dem Flöz hauen

Das Virtual-Reality-Projekt "Bergwerk 360 Grad" versetzt den User direkt in einen Stollen, 1.000 Meter unter der Erde. Es besteht aus drei Teilen, die technisch unterschiedlich konzipiert sind.

Virtueller Trip in den Bottroper Stollen

Betrachter können ein Bergwerk in Rundumsicht interaktiv erleben. Mit der VR-Brille hat man das Gefühl mittendrin zu sein - in Waschkaue, Förderkorb oder Streb. Aber auch ohne Brille können User sich durch das Abbaugebiet unter Tage navigieren. Übrigens: Dieses Bergwerk und seine Protagonisten gibt es wirklich. Gedreht wurden die 360-Grad-Ansichten alle im Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop.

"Hau die Kohle aus dem Flöz"

Mann mit VR-Brille

Spielansicht: Begegnung mit virtuellem Kumpel

Ebenfalls zum Bergwerk-Projekt gehört eine interaktive 3-D-Tour durch Prosper Haniel. Auch hier geht es um räumliches Erleben durch die VR-Brille. Richtig ins Schwitzen kommen Nutzer schließlich bei der 4-D-Experience. Dabei schlüpft man in die Haut eines Kumpels und reist zurück in das Jahr 1920, als die Kohle noch in unsicheren Stollen mit der Spitzhacke aus dem Flöz geschlagen wurde. Dramatisches Ende inklusive.

Hitze, Wind und Vibrationen

Mann mit VR-Brille

Proband bei Bergmann-Spiel

Mit VR-Brille und Controllern an den Händen wird hier richtig angepackt. Eine Rüttelplatte sorgt für Vibration, ein Heizgerät simuliert die Hitze unter Tage und ein rauchiger Wind bläst dem "Bergmann" dabei ins Gesicht. Diese 4-D-Erfahrung kann man nicht am eigenen Rechner erfahren. Sie ist als Spiel konzipiert. Zu erleben aber auf der nächsten Gamescom in Köln oder am NRW-Tag in Essen.

Grubenwehr und maximale Frischluft

"Bergwerk 360 Grad" ist das bislang aufwendigste VR-Projekt des WDR. Das liegt auch an der Entstehungsgeschichte. Der Einsatz von elektronisch betriebenen Kameras ist unter Tage normalerweise völlig ausgeschlossen. Schon ein einziger Funke, der zum Beispiel beim Akkuwechsel entsteht, könnte ein Schlagwetter - eine Methangas-Explosion unter Tage - auslösen.

Zwei Männer mit Kamera in einer Bergwerks-Waschkaue

Making of: Dreharbeiten in der Waschkaue

Dass am Ende dann doch in über 1.000 Meter Tiefe gedreht werden durfte, ist einer behördlichen Ausnahmegenehmigung mit diversen Auflagen zu verdanken. Für jeden Drehtag wurde die Frischluftzufuhr maximiert. Stets begleitete die Grubenwehr das Team und Spezialisten kontrollierten ständig den Gasgehalt der Luft.

Steinkohle-Ära endet bald

Zeche Prosper Haniel, Bottrop

Blick auf den Förderturm der Zeche Prosper Haniel

Übrigens wird dieses Projekt wohl auf ewig das einzige 360°-Projekt bleiben, das in einem deutschen Steinkohlebergwerk produziert wurde. Im Dezember 2018 schließt mit Prosper Haniel das letzte Steinkohle-Bergwerk in NRW. Als „Digitales Kulturerbe“ kann das Virtuelle Bergwerk dauerhaft an diese Ära erinnern.

Stand: 07.08.2018, 12:00