Jubiläumsinterview: Bärbel Höhn schaut auf 40 Jahre Grüne

Bärbel Höhn im Bundestag am 20.10.2016

Jubiläumsinterview: Bärbel Höhn schaut auf 40 Jahre Grüne

  • Jubiläum: Grüne Bundespartei wird 40 Jahre alt
  • Interview mit Bärbel Höhn, Ex-NRW-Umweltministerin
  • Kanzlerkandidatur, Koalitionen und Knackpunkte

Ex-NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn spricht im WDR-Interview zum 40. Grünen-Geburtstag am Freitag (10.01.2020) über die Zukunft: Wird das Kanzleramt grün? Wie sinnvoll sind Knackpunkte bei Koalitionen? Sind die Grünen eine Volkspartei?

Das ist Grünen-Politikerin Bärbel Höhn

Bärbel Höhn (Jahrgang 1952) studierte Mathematik und Volkswirtschaft. Seit 1985 ist sie Mitglied der Grünen. Sie gehörte zu den ersten Abgeordneten der Grünen in NRW, die 1990 in den Landtag einzogen. Bei vier NRW-Landtagswahlen war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei.

Von 1995 bis 2005 war sie Umweltministerin in einer rot-grünen Koalition. 2005 zog sie in den Deutschen Bundestag, dem sie bis 2017 angehörte. Danach wurde sie ehrenamtliche Energiebeauftragte für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Afrika. Seit 1978 lebt die gebürtige Flensburgerin in Oberhausen im Ruhrgebiet.

WDR: Pünktlich zum 40. Geburtstag baden die Grünen im Umfragehoch. Es ist nicht das erste Mal.

Bärbel Höhn: Wir freuen uns immer, wenn wir hohe Zustimmungswerte haben, aber wir kennen auch niedrige Werte. Ich glaube, dass die Werte diesmal langfristig hoch bleiben werden. Denn die Klimafrage wird wichtig bleiben und an Bedeutung gewinnen.

WDR: Werden Sie diesmal die Werte in Wählerstimmen übersetzen können? Nach dem Super-GAU in Fukushima ist Ihnen das nicht gelungen.

Atomkraftwerk in Fukushima

Atomausstieg folgte auf Fukushima-Katastrophe

Höhn: Bei Fukushima hat die Bundesregierung sehr schnell gehandelt: Die Laufzeiten für Atomkraftwerke, die sie wenige Wochen vor der Reaktorkatastrophe in Japan verlängert hatte, hat sie schnell wieder zurückgenommen und den zweiten Atomausstieg beschlossen. Da dachten viele in der Bevölkerung: Jetzt sind alle dafür. Bei der Klimakrise ist es anders, das wird uns weiter begleiten.

WDR: Sind die Grünen reif fürs Kanzleramt?

Höhn: Grüne sind dazu in der Lage. Aber es ist auch nicht so, dass sich Grüne danach drängeln.

WDR: Legendär sind die Grabenkämpfe zwischen den beiden Flügeln Ihrer Partei, den Realos und den Fundis. Spielt das überhaupt noch eine Rolle?

Höhn: Wir haben mit der aktuellen Parteispitze ein Duo, das sehr pragmatisch handelt. Annalena Baerbock und Robert Habeck sind für beide Flügel eine gute Konstellation. Deshalb spielen Flügelkämpfe, die früher ja oft auch destruktiv waren, de facto keine Rolle mehr. Das ist auch ein Grund für die hohen Umfragewerte. Wenn wir uns heute derart hart streiten würden, wie wir es vor langer Zeit mal gemacht haben, dann hätten wir nicht so hohe Umfragewerte.

Stand: 10.01.2020, 06:00

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