40 Jahre Grüne - Rückblick in Bildern

Petra Kelly auf einer Demo

40 Jahre Grüne - Rückblick in Bildern

Ein Minister in Turnschuhen, ein Farbbeutelwurf der Basis, bittere Niederlagen und große Erfolge - wir blicken auf die wichtigsten Stationen der Grünen-Parteigeschichte.

Nach der Gründung mehrerer Landesverbände 1979 wurde am 13.01.1980 die Bundespartei der Grünen aus der Taufe gehoben. Sie wollten alles anders machen und wurden doch im Verlauf ihrer Geschichte immer mehr wie die anderen Parteien.

Wir blicken anlässlich des Jubiläums in einer Fotostrecke zurück auf die bewegte Parteiengeschichte.

Bildergalerie: Rückblick auf 40 Jahre Grüne

Von Sabine Tenta

Die Grünen feiern ihren 40. Geburtstag - und wir blicken zurück auf grüne Höhepunkte und Niederlagen. Mit dem Turnschuh-Minister, alten Wahlplakaten und Transparenten.

Gründungsparteitag der Grünen in Karlsruhe am13.01.1980

Als "Antiparteien-Partei" traten die Grünen an. Nachdem sich 1979 etliche Landesverbände gegründet hatten, wurde am 13.01.1980 die Bundespartei in Karlsruhe geboren. Es war eine Sammlung unterschiedlicher außerparlamentarischer Bewegungen: Frauen, Pazifisten, Anti-Atomkraft-Aktivisten, Lesben und Schwule, Wertkonservative und Kommunisten.

Als "Antiparteien-Partei" traten die Grünen an. Nachdem sich 1979 etliche Landesverbände gegründet hatten, wurde am 13.01.1980 die Bundespartei in Karlsruhe geboren. Es war eine Sammlung unterschiedlicher außerparlamentarischer Bewegungen: Frauen, Pazifisten, Anti-Atomkraft-Aktivisten, Lesben und Schwule, Wertkonservative und Kommunisten.

Der kleinste gemeinsame Nenner dieser verschiedenen Strömungen war das, was heute, zum Jubiläumstag am Montag (13.01.2020), noch den Markenkern der Grünen ausmacht: der Umweltschutz. Über alles andere wurde leidenschaftlich und laut gestritten.

1983 zogen die Grünen mit ihrem Veränderungsdrang in den Bundestag ein. Sie wollten neue Inhalte und neue Strukturen. Die Programmatik stand im Mittelpunkt, Personenkult war verpönt. Damit sich keine Berufspolitiker etablieren konnten, galt eine strenge Trennung von Amt und Mandat. Und die Mandate waren befristet. Bereits nach einer halben Legislaturperiode sollten die Abgeordneten ihre Sessel räumen. Die Bundestagsabgeordneten Petra Kelly und Gert Bastian verweigerten das Rotationsprinzip. Eine Sitzblockade der anderen Art.

Die Rotation war hochumstritten. In Baden-Württemberg verzichetet der grüne Fraktionsvorsitzende Wolf-Dieter Hasenclever (rechts im Bild) aus Protest auf eine erneute Kandidatur. Beerbt wurde er in diesem Amt von Winfried Kretschmann (links im Bild). Er ist heute der erste und bislang einzige grüne Ministerpräsident: Kretschmann regiert seit 2011. Die Rotation grüner Mandatsträger wurde übrigens 1991 abgeschafft. Und die einstige "Antiparteien-Partei" wurde immer mehr wie die anderen.

Die Grünen merkten, dass sie neben dem Programm auch profilierte Köpfe brauchten. Einen wie Joschka Fischer zum Beispiel: intelligent, redegewandt, unangepasst, streitbar. In Turnschuhen ließ er sich 1985 als Umweltminister in Hessen vereidigen – ein Tabubruch in der damaligen parlamentarischen Welt.

Nach und nach wurden immer mehr Regierungen mit grüner Beteiligung gebildet, in Kommunen und Bundesländern. Natürlich mit der SPD, denn die stand ihnen programmatisch am nächsten. Schwarz-Grün? Eine Provokation! Bis zur ersten Zusammenarbeit mit der CDU war ein weiter Weg, sie fand zunächst auf kommunaler Ebene statt. In Köln zum Beispiel besiegelten Barbara Moritz (Grüne) und Rolf Bietmann (CDU) 2003 das erste schwarz-grüne Bündnis in einer Millionenstadt.

Grün-Schwarz ist heute sogar die Reihenfolge in Baden-Württemberg: Nach seiner Wiederwahl 2016 entschied sich Winfried Kretschmann gegen ein Dreierbündnis mit SPD und FDP und regiert seitdem mit der CDU.

Die schmerzhafteste parlamentarische Niederlage erlebten die Grünen in der Wendezeit: Als im November 1989 die Mauer fiel, plädierten die Grünen für zwei deutsche Staaten. Mit dieser Absage an die Wiedervereinigung schwammen sie gegen den Strom des Zeitgeistes - und gingen mit 4,8 Prozent bei der Bundestagswahl 1990 baden. Ein weiterer Wahlkampfslogan war übrigens: "Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter" – gemeint waren der saure Regen und der Klimawandel.

Aus ihren Abgeordnetenbüros in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn verabschiedeten sich die Grünen mit dem Versprechen "Wir kommen wieder". Nun blieb Zeit für eine Fusion mit dem ostdeutschen Bündnis 90, das mit acht Abgeordneten den Sprung in den Bundestag geschafft hatte. 1993 wurde die Vereinigung besiegelt. Ein Jahr später zog "Bündnis 90/Die Grünen", wie die Partei nun offiziell heißt, mit 7,3 Prozent in den Bundestag ein. Trotz der Fusion mit Bündnis 90 sind die Grünen in Ostdeutschland bis heute deutlich schwächer aufgestellt als im Westen.

Zu den größten Erfolgen der Grünen gehört, dass sie es 1998 mit der SPD schafften, nach 16 Jahren Helmut Kohl (CDU) als Kanzler abzuwählen. Joschka Fischer wurde Vizekanzler und Außenminister. Jürgen Trittin verhandelte als Umweltminister den ersten Atomausstieg der Republik. Und zwar im Konsens mit der Energiewirtschaft.

Als Bundesaußenminister schien Joschka Fischer der US-Außenministerin Madeleine Albright und der NATO näher zu sein als der Parteibasis: Die deutsche Beteiligung am Kosovo-Einsatz war eine Zerreißprobe für die Grünen: Ohne UN-Mandat griffen deutsche Soldaten in den Bürgerkrieg auf dem Balkan ein. "Raus aus der NATO" – das war über viele Jahre ein Grundkonsens grüner Programmatik.

Auf einem Sonderparteitag in Bielefeld spürte Fischer schmerzhaft den Protest der Basis: Ein Farbbeutelwurf verletzte sein Trommelfell. Dennoch hielt er seine Rede und überzeugte eine knappe Mehrheit der Delegierten von seinem Kurs. Frustriert traten viele Mitglieder aus der Partei aus. Die Ur-Grüne Jutta Ditfurth gründete die Partei "Ökologische Linke". Die Grünen gewannen aber auch neue Mitglieder hinzu.

Bei der Bundestagswahl 2005 werden SPD und Grüne abgewählt. Es beginnt die Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die bis heute andauert. Die Grünen waren 2017 nah dran, Geschichte zu schreiben mit dem ersten Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP auf Bundesebene. Doch die Liberalen ließen die Dreierkonstellation platzen. Stattdessen ging eine deutlich geschwächte SPD mit der CDU eine Koalition ein.

Die Parteienlandschaft ist zu Beginn der 2020er Jahre kräftig in Bewegung: Die alten Volksparteien CDU und SPD verlieren so stark, dass es für keine Zweier-Koalition mehr reicht. Die AfD überholt die SPD - und die Grünen sind im konstanten Aufwind. Der Deutschlandtrend vom Januar 2020 sieht die Grünen bei 23 Prozent. Ein Grund ist die sich immer weiter zuspitzenden Klimakrise. Nun haben die Grünen das Kanzleramt im Blick. Und für die Kommunalwahlen in NRW im September 2020 gibt es immer mehr grüne OB-Kandidaten, denen gute Chancen eingeräumt werden.

Stand: 10.01.2020, 06:00

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