Trotz Ausbildungsplatz in Mönchengladbach: Azubi muss nach Guinea ausreisen

Mönchengladbacher Azubi Daouda Guilavogui am Flughafen kurz vor seiner Ausreise nach Guinea

Trotz Ausbildungsplatz in Mönchengladbach: Azubi muss nach Guinea ausreisen

Sein Chef schwärmt von ihm und er fühlt sich in Deutschland zu Hause. Doch die Ausländerbehörde Viersen hat Zweifel an seiner Identität – deshalb musste Daouda Guilavogui Deutschland am Mittwochnachmittag verlassen.

Schwermütig hat Guilavogui seine Koffer gepackt. Vor lauter Aufregung habe er seit Tagen nicht mehr schlafen können, berichtet er. Seit sieben Jahren ist Guilavogui in Deutschland, er spricht deutsch, lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Viersen und macht im Mönchengladbacher Sanitärunternehmen Ludwig Steup eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Nach sieben Jahren in Deutschland muss er nun mitten in seiner Ausbildung abreisen.

Gericht erkennt Geburtsurkunde nicht an

Das Problem, das die Behörden bei Guilavogui sehen: Seine Identität sei nicht geklärt. 2013 macht er sich von Guinea aus auf den Weg nach Deutschland: Als er ankommt, hat er keine Papiere dabei. Die reicht er nach. Die Prüfung seiner Geburtsurkunde dauert. Und schließlich wird sie nicht als Nachweis seiner Identität anerkannt. Das hat das Oberverwaltungsgericht NRW entschieden. Die Stadt beruft sich darauf.

Trotz Einsatz des Mönchengladbacher Oberbürgermeisters Felix Heinrichs und der Hilfe von Politikern blieb die Viersener Ausländerbehörde bei ihrer Entscheidung. "Ich hoffe, wieder zurückzukommen", erklärt Guilavogui. Bisher hätten all seine Verfahren Monate bis Jahre gedauert. "Dagegen kann man nichts tun", so der junge Azubi.

Hoffnung auf Rückkehr bleibt

Seine letzte Hoffnung: das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz. Das soll den legalen Zuzug von Azubis wie Guilavogui regeln. Er hofft, in Guinea ein Facharbeiter-Visum zu bekommen, um seine Ausbildung als Anlagenmechaniker in Mönchengladbach doch noch abzuschließen zu können.

Die nötigen Unterlagen haben Guilavogui und sein Ausbildungsbetrieb bereits zusammen – es fehlt nur noch der Reisepass. Den versucht der Auszubildende jetzt in seinem Heimatland zu beantragen. Ob und wie schnell Guilavogui den Pass bekommt und ob die deutschen Behörden dem Antrag zustimmen, ist ungewiss.

Fristverlängerung für Zwischenprüfung

Eigentlich sollte der junge Guineer schon Mitte Juni abgeschoben werden. Die Stadt Viersen hatte ihm aber angeboten, dass er bis Ende des Monats bleiben darf, um noch die Zwischenprüfung seiner Ausbildung zu absolvieren. Mehr Ermessensspielraum gebe es aber nicht, so die Stadt Viersen. Die Prüfung hat Guilavogui vor ein paar Tagen abgelegt. Auf seine Ergebnisse wartet er noch „Ich habe aber ein gutes Gefühl“, erzählt der Auszubildende.

Ausbilder: Guilavogui ist "bestens integriert"

Auch Guilavoguis Chef Holger Steup ist zum Flughafen gekommen, um sich von seinem Azubi zu verabschieden. Er habe selten einen so engagierten Lehrling wie Guilavogui erlebt, erzählt der Mönchengladbacher. Er packe an, er denke mit, sei "bestens integriert". Umso bitterer, dass er jetzt gehen müsse.

Ausbilder Steup will ihn unbedingt bis zum Ende der Ausbildung behalten. Man könne es lösen, ohne dass dem Staat Kosten entstehen, sagt er. Sein Vorschlag: Guilavogui macht seine Ausbildung fertig und geht danach als Handwerker zurück nach Guinea. Somit könne er sogar einen Beitrag zur Entwicklungshilfe leisten.

Am späten Abend soll Guilavogui in Guinea ankommen. Alle hoffen, dass es kein Abschied für immer sein wird.

Stand: 30.06.2021, 17:46

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