Vier-Tage-Woche in Island: Auch ein Modell für uns?

Vier-Tage-Woche in Island: Auch ein Modell für uns?

In einer großen isländischen Studie wurde die Vier-Tage-Woche getestet - bei vollem Lohn. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Aber auch für Deutschland?

Nur vier Tage in der Woche arbeiten und für fünf bezahlt werden - wohl für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine Traumvorstellung. In Island wurde sie für eine Zeit lang wahr. Für eine Studie im Auftrag der Regierung wechselten 2.500 Menschen fünf Jahre lang ohne Lohnabzug in die Vier-Tage-Woche.

Studie aus Island: Glücklichere Arbeitnehmer

Das Ergebnis: Dieses Arbeitsmodell sei ein "überwältigender Erfolg", so Will Stronge gegenüber der BBC, die an der Studie mitgewirkt hat. Den Arbeitenden geht es besser, sie haben mehr Zeit, fühlen sich grundsätzlich glücklicher und leiden weniger unter Burnout und Stress.

Das wiederum wirkte sich positiv auf die Arbeit aus, die trotz der verkürzten Arbeitszeit laut Studie genauso gut erledigt wurde - teilweise wurde in kürzerer Zeit sogar mehr gearbeitet. "Die Produktivität und die erbrachte Leistung blieben gleich oder verbesserten sich sogar bei den meisten Versuchsarbeitsplätzen", heißt es in dem Bericht.

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Um das Produktivitätsniveau zu halten, wurden auch Arbeitsabläufe optimiert: So fanden weniger und kürzere Meetings statt, anderes wurde komplett gestrichen.

Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn: Ein Vorbild?

Könnten deutsche Unternehmen dieses Modell übernehmen? Andrea Hammermann vom Institut der Deutschen Wirtschaft zeigt sich skeptisch. Denn es gebe hier bereits viel Flexibilität mit Teilzeitmodellen, sagte sie dem WDR. Außerdem glaubt sie nicht, dass sich dieselbe Arbeit in weniger Zeit erledigen lasse. Die Folge: Mehr Personal müsste her.

Prof. Michael Kastner im WDR-Interview

Psychologe Michael Kastner

Auch Arbeitspsychologe Michael Kastner ist skeptisch, dass bei weniger Zeit mehr geleistet werden könne. Das könne sogar kontraproduktiv sein, sagte er dem WDR. Der Grund: Die Anforderungen an die Arbeitnehmer, die nur noch vier Tage in der Woche arbeiten, würden höher werden, wie er glaubt. "Und das kann den Druck erhöhen."

Trotzdem zeigt sich Kastner erfreut über die Studie, weil sie zeige, wie wichtig die Work-Life-Balance ist.

Hohe Wochenarbeitszeit in Island

In Island sind auf Grundlage der Studienerkenntnisse die Gewerkschaften bereits in Verhandlungen mit den Arbeitgebern getreten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftige betrug in dem Inselstaat 2019 - so die neuesten Zahlen - 39,2 Stunden. In Deutschland waren es 34,8 Stunden.

Stand: 06.07.2021, 20:42

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Basti 08.07.2021, 14:39 Uhr

    Erstmal sollte das Schulsystem reformiert werden, bevor wir anfangen am Arbeitsalltag etwas zu ändern. Eine 4 Tage Woche wäre möglich, wenn in den Führungsetagen die "alten" weg sind. Denn die Generation "das machen wir schon immer so" muss endlich weg! Dann könnte auch in DE etwas voran gehen.

  • 5 K. 08.07.2021, 07:44 Uhr

    Als ich gehört habe, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 34,8h liegt, ist mir die Kinnlade fast runtergefallen. Ist das eine wirklich erwiesene Zeit? Wurden auch nur die Vollzeitbeschäftigten mit eingerechnet - weil um die geht es im Endeffekt? Ich habe eher das Gefühl, dass viele AGs mehr als nur 5TW von den Angestellten abverlangen - dass kann man grundsätzlich nicht pauschalisieren, ich weiß. Aber gerade in der Dienstleistungsbranche wo es auch möglich ist Sa. & So. zu arbeiten, wird dies gern gesehen und teilweise auch erarbeitet. Work-Life-Balance, Arbeitsschutz und -Zeitgesetz sind ein Witz. Es gibt viele Fälle in Deutschland, wo Menschen wirklich Stunden um Stunden ackern und dies in keinster Weise abgegolten wird. Natürlich wird das nicht gemeldet, zu groß ist die Angst dass es auffliegen könnte - und für den AN hängt an dem Job natürlich auch eine Existenz. 4-Tage-Woche? Das würde in DE nicht klappen, man muss mehr arbeiten - 6-Tage-Woche!

  • 4 Sandra12 07.07.2021, 13:15 Uhr

    Ähm, wo kommt die Zahl her, das in D im Schnitt 34,8 Std gearbeitet wurde?????????? Da wurden aber nicht die Arbeitnehmer gefragt. Oder nur die Teilzeitarbeiter. Oder wurde überhaupt gefragt? Ansonsten ganz klar würde sich so ein Modell hier in D bei den Arbeitgebern ganz und gar nicht ergeben.... Hier würde man am liebsten, wie schon erwähnt, 6 - 7 Tage die Woche bei unter Mindestlohn einführen....

  • 3 Tom 07.07.2021, 12:40 Uhr

    Sorry, aber ist die Durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit mit Vollzeit gleichzusetzen? Ich denke, hier liegt wohl ein Missverständnis in Ihrem Artikel vor oder?

  • 2 Sarki 07.07.2021, 11:52 Uhr

    Auf keinen Fall! So ein innovatives Modell lässt sich im Land der Arbeitsmärtyrer nicht etablieren. Am besten wieder die 6 Tage Woche einführen und das bis 70! Danach folgt dann bitte gleich das sozialverträgliche Ableben. Die meisten Menschen mit Vollzeitjob, Familie und den ganzen anderen Belastungen wie den überdemensionalen Behördenkram in Deutschland, kommen doch gut zurecht und haben immer noch viel zu viel Zeit!

    Antworten (1)
    • U. P. aus W. 07.07.2021, 13:11 Uhr

      Dem ist nichts hinzuzufügen; so sehe ich das auch. Vielleicht auch noch bis 75, je nach Gesundheitszustand ;-)

  • 1 Jörg H. 07.07.2021, 11:30 Uhr

    Um die Überschrift zu beantworten: Nein, dies ist kein Modell für DE. Dann können Unternehmen in DE keine Mitarbeiter weiter ausschröpfen. Weniger Stunden zum gleichen Lohn?! Lach, dass werden Unternehmen hier in DE eh nie machen. Das ist Traumdenken, aber in Realität sieht das Arbeitsleben anders aus.

    Antworten (1)
    • Birgit J 07.07.2021, 14:16 Uhr

      Nicht die Hoffnung verlieren! Homeoffice hätten viele Betriebe ohne Corona nicht begonnen. -- Zu kurzsichtig und unflexibel. Es wird viel zu selten gemessen, wie ineffizient derzeitige die Arbeit in vielen Betrieben gemacht wird! z.B.: Wir schreiben im Krankenhaus 3 Stunden /Tag digitale Daten ab, um die Informationen für 1 Std. Antibiotika-Visite zur Verfügung zu haben!!! Seit 6 Jahren liegt der IT-Antrag auf Halde! Was das kostet! Wir könnten mind. doppelt so viele Patienten sehen mit etwas Softwareentwicklung! Wenn die Zahlen in Island vertrauenswürdig erhoben wurden, vertraut diesen doch mal, lasst es uns volkswirtschaftlich sehen und den Menschen zugestehen, dass sie gute Arbeit abliefern wollen und gleichzeitig ernst genommen werden möchten, dh. ihnen sollte zugehört und auf Vorschläge eingegangen werden.

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