Eine Viagra-Tablette liegt auf einem Tisch.

Viagra bleibt verschreibungspflichtig

Stand: 25.01.2022, 15:35 Uhr

Die Entscheidung ist gefallen: Viagra gibt es auch künftig nur mit Rezept. Fragen und Antworten.

Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil bleibt weiterhin verschreibungspflichtig. Ein Sachverständigenausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn lehnte am Dienstag einen Antrag auf Aufhebung der Verschreibungspflicht einstimmig ab. Damit ist ein Rezept vom Arzt auch künftig zwingend nötig.

Was ist Sildenafil?

Sildenafil ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der sogenannten Phosphodiesterasehemmer, auch PDE-5-Hemmer genannt. Sie sind die am meisten eingesetzten Medikamente bei Erektionsstörungen. Die Entscheidung des Ausschusses betrifft nicht nur die bekannte Potenzpille Viagra, sondern auch sogenannte Nachahmerpräparate mit dem Wirkstoff Sildenafil. 

Was hätte für eine Aufhebung der Rezeptpflicht gesprochen?

Prof. Dr. Frank Sommer, Inhaber des Lehrstuhls für Männergesundheit.

Frank Sommer, Professor für Männergesundheit, UKE Hamburg

Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit, sähe als größten Vorteil, dass dem Schwarzmarkt im Internet somit der Boden entzogen werden würde. Die Medikamente vom Schwarzmarkt seien oft falsch dosiert, was Herzschädigungen zur Folge haben könne. Auch enthielten sie oft nicht deklarierte Inhaltsstoffe oder sogar giftige Schwermetalle.

Hinzu kommt: Die Verkaufspreise auf dem Schwarzmarkt sind um ein Vielfaches höher als in der Apotheke. Gleichzeitig gehen den Arzneimittelfirmen Einnahmen verloren - und dem Staat Steuergeld. Für den illegalen Handel ist das Geschäft lukrativ: Der Kilopreis für Viagra ist laut Bundeskriminalamt deutlich höher als für Kokain.

Wie sieht es in Sachen Viagra in anderen Ländern aus?

In einigen Ländern, wie in Großbritannien, der Schweiz und Norwegen, ist Sildenafil nicht mehr verschreibungspflichtig. Allerdings ist zum Teil eine Beratung durch den Apotheker Voraussetzung für die Abgabe.

In Deutschland könnte ein Wegfall der Verschreibungspflicht für Pillen wie Viagra Männer davon abhalten, zum Arzt zu gehen, befürchtet Sommer. Mit gravierenden Folgen: "Eine Erektionsstörung ist, wenn sie gefäßbedingt ist, Vorbote eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls."

Werde die Grunderkrankung nicht behandelt, verschlimmere sich die Erektionsschwäche immer weiter. Gehe man zu spät zum Arzt, "ist es für eine Heilung oft zu spät".

Ein weiteres Risiko: Es gibt Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten, zum Beispiel mit Nitraten. Das könne sogar zu einem Schock mit Todesfolge führen, so Sommer.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen