Flächenverbrauch in NRW gefährdet Grundwasser

Flächenversiegelung und Grundwasser

Flächenverbrauch in NRW gefährdet Grundwasser

Von Lars Faulenbach

  • Grundwasserpegel in NRW sinken
  • Flächenversiegelung ist eine Ursache
  • Umweltschützer fordern ein Umdenken in der Politik

Landwirt Robert Schulze-Kalthoff blickt zufrieden über seine Äcker, auf denen Roggen, Gerste und Tricitale für seine 1.900 Schweine wachsen. Die Pflanzen sind saftig grün, der Boden ist schön feucht und auch der Grundwasserspiegel erholt sich durch den leichten Dauerregen langsam von den Dürre-Sommern.

Flächenversiegelung und Grundwasser

Aktuell haben die Felder genügend Wasser

Langfristig aber macht sich Schulze-Kalthoff Sorgen um die Wasserversorgung für seinen Schweinemastbetrieb: "In Werne ist viel versiegelt worden in den vergangenen Jahren. Und das Wasser, das da direkt in die Lippe abgeleitet wird, steht für das Grundwasser nicht mehr zur Verfügung." Der Landwirt fürchtet, dass seine Brunnen trocken fallen könnten und er Wasser dann teuer vom Wasserversorger zukaufen muss.

Grundwasserpegel sinken seit langem

In der Tat beobachten das LANUV und Wasserwirtschaftsverbände seit langem sinkende Grundwasserspiegel. So lag der Pegel an der Mess-Station zum Beispiel in Hamminkeln im Jahr 2018 um 80 Zentimeter niedriger als 1951. Das hat mit dem Klimawandel zu tun.

Regenwasser fließt in einen Gully

Viel Regenwasser fließ in die Kanalisation und Fehlt dem Grundwasser

An vielen Orten in NRW, gerade in den Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, trägt aber auch die Versiegelung ihren Teil dazu bei, sagt Brigitte Spengler von der Emschergenossenschaft: "Durch den hohen Anteil an versiegelter Fläche wird viel Regenwasser in die Kanalisation eingeleitet und dann über die Kläranlage in die Gewässer. Es ist also damit für die Grundwasserneubildung verloren."

Uweltschützer fordern Umdenken in der Politik

10 ha, also etwa zehn Fußballfelder freie Fläche gehen jeden Tag nach Berechnungen des LANUV in Nordrhein-Westfalen verloren, werden zu Gewerbegebieten, mit Wohnhäusern bebaut oder für den Straßenbau asphaltiert. Etwa auf der Hälfte dieser Fläche wird Wasser in die Kanalisation geleitet. Damit fehlen für die Grundwasserneubildung 15 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr, das ist fünfmal das Volumen des Harkortsees.

Flächenversiegelung und Grundwasser

Äcker und Wiesen sollen in Datteln zum Gewerbegebiet Newpark werden

Der BUND in NRW prüft aktuell eine Klage gegen den neuen Landesentwicklungsplan. Er fordert, dass der Flächenverbrauch deutlich zurück geht und kritisiert, dass sich die Landesregierung vom Ziel verabschiedet hat, den Flächenverbrauch auf 5 ha am Tag zu senken. Für den BUND ein vollkommen falsches Signal etwa an die Kommunalpolitik.

Von der Grünen Wiese zurück in die Stadt

Dort fänden Neuansiedlingen von Firmen viel zu häufig auf der Grünen Wiese statt, kritisiert BUND-Vorstand Thomas Krämerkämper. Beispiel Datteln: Die Stadt am Nordrand des Ruhrgebiets plant mit dem Newpark ein Industriegebiet, auf einem 156 ha großen Gelände, das aktuell noch aus Äckern und Wiesen besteht. "Dabei hat die Stadt viele Industriebrachen, die verfügbar sind, etwa von einer Zinkhütte, einer alten Zeche oder den alten Kraftwerken," so Krämperkämper. Hier müsse ein Umdenken stattfinden.

Flächenversiegelung: Was setzt die Landesregierung aufs Spiel?

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 06.03.2020 03:41 Min. Verfügbar bis 06.03.2021 WDR 5 Von WDR 5

Download

Stand: 06.03.2020, 21:50

Aktuelle TV-Sendungen