Wenn Kinder spurlos verschwinden

Die verschwundenen Debbie Sassen

Wenn Kinder spurlos verschwinden

Von Nina Magoley

  • Tausende Kinder und Jugendliche jedes Jahr in NRW vermisst
  • Die Meisten tauchen wohlbehalten wieder auf
  • Vermisste Kinder lösen bei der Polizei meist direkt Alarm aus

Das Verschwinden der kleinen Deborah Sassen aus Düsseldorf ist vielen gut in Erinnerung: 1996 hatte die damals Achtjährige die Schule verlassen, seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Sämtliche Fahndungen blieben erfolglos.

23.836 Vermisstenmeldungen zählte das Landeskriminalamt (LKA) im Jahr 2017. Der überwiegende Teil - mehr als 19.500 - waren Kinder und Jugendliche. 411 Minderjährige galten noch Ende des Jahres als verschwunden. Personen, die seit mehr als sechs Wochen spurlos verschwunden sind, führt die Polizei als Langzeitvermisste.

Auf Internetseiten wie "die-vermisstensuche.com" suchen Angehörige teils seit vielen Jahren nach verschwundenen Kindern oder Erwachsenen.

Strategie von Fall zu Fall unterschiedlich

Geht bei der Polizei eine Vermisstenanzeige ein, komme es ganz drauf an, wie sich der Fall darstellt, sagt Lothar Zuch, der bei der Polizei in Dortmund seit 20 Jahren Vermisstenfälle bearbeitet. "Es gibt keine Schablone für das richtige Vorgehen."

Spurlos verschwunden - wie kann das sein?

WDR 5 Westblick - aktuell 25.05.2018 05:15 Min. WDR 5

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Verschwindet ein Kind oder Jugendlicher, startet die Suche sofort. Dann durchkämmen, je nach Fall, Hundertschaften ein Waldgebiet oder es kann auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommen. Und das "Klinkenputzen", wie Zuch das nennt, beginnt: Die Eltern befragen – was könnte hinter dem Verschwinden stecken? In der Schule fragen – gab es Probleme mit Klausuren, was sagen die Mitschüler? "Manchmal hören wir erst in der Schule, dass das Kind seit Tagen nicht mehr da war."

Erwachsene dürfen verschwinden

Ein erwachsener Mensch dagegen habe grundsätzlich das Recht, zu verschwinden, sagt Zuch. 2015 entdeckte die Düsseldorfer Polizei durch Zufall eine aus Braunschweig stammende Frau, die dort seit 31 Jahren als ermordet galt. Sie lebte seit Jahrzehnten unter falschem Namen in Düsseldorf.

DLRG-Mitglieder stehen an einem Boot

Taucher suchten nach vermisstem Kind

Dennoch werde geprüft, ob der oder die Vermisste gesund ist oder selbstmordgefährdet. Erst, wenn ein freiwilliges Verschwinden unwahrscheinlich wird, intensiviere sich die Suche.

Dann können sogenannte Mantrailer, ausgebildete Suchhunde, zum Einsatz kommen, Taucher oder Hubschrauberflüge mit Wärmebildkamera. Bankkonten werden überprüft. Oft würden Familienangehörige erst nach und nach wichtige Infos offenbaren, die ihnen zunächst unangenehm erschienen. Neuerdings werden zunehmend ältere, demenzkranke Menschen als vermisst gemeldet. "Das ist ein wachsendes Problem", so Zuch.

Die gefundenen Puzzleteilchen richtig einzuschätzen, erfordere ein "Feeling", sagt der Polizist: hohes Einfühlungsvermögen, große Sozialkompetenz. "Dazu braucht man vor allem eins: Lebenserfahrung."

Stand: 25.05.2018, 06:00

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