Gefährlicher Trend: Rechte, Rocker und "Wutbürger" vernetzen sich

Gefährlicher Trend: Rechte, Rocker und "Wutbürger" vernetzen sich

Von Christian Wolf

  • Verfassungsschutz warnt vor neuer Szene im Rechtsextremismus
  • Hooligans, Rechte und "Wutbürger" machen gemeinsame Sache
  • Rechtsextreme können ihre Positionen verbreiten

Früher erschien die extremistische Szene relativ übersichtlich: Es gab Rechtsextremisten, Linksextremisten und irgendwann kamen noch Islamisten hinzu. Doch mittlerweile wird die Gruppe der Verfassungsfeinde immer vielschichtiger. Neue Strömungen gewinnen an Bedeutung, was die Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen stellt.

Der Verfassungsschutz hat am Donnerstag (09.07.2020) in Berlin seinen Jahresbericht vorgestellt. Dabei beschäftigen sich die Geheimdienstler auch mit einer relativ neuen Entwicklung: der Vernetzung vollkommen unterschiedlicher Gruppen unter dem Dach der Rechten. Experten sprechen von einer "Mischszene".

Was genau ist das?

Gleich mehrere Gruppierungen versammeln sich laut Verfassungsschutz in dieser neuen Szene und treten gemeinsam auf: Hooligans, Rocker, offenkundige Rechtsextremisten und mutmaßliche "Wutbürger". Zwar kommen sie aus ganz verschiedenen Richtungen, doch es gibt etwas, das sie vereint: "Das verbindende Element bilden Fremden- und Islamfeindlichkeit sowie das behauptete Versagen des Staates gegenüber der vermeintlichen Kriminalität von Migranten", heißt es im NRW-Verfassungsschutzbericht von Anfang Juni.

Beim Aufmarsch der "Hooligans gegen Salafisten" (Hogesa) am 26.10.2015 in Köln kippen Demonstranten einen Polizeiwagen um

In Köln kam es 2015 bei einem "HoGeSa"-Aufmarsch zu Krawallen

Erstmals groß in Erscheinung getreten ist diese vernetzte Szene 2014 bei den gewalttätigen Demonstrationen von "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) und ein Jahr später bei den Pegida-Veranstaltungen. Seit 2017 tritt die "Mischszene" laut Verfassungsschutz "vermehrt" in NRW auf, teilweise als selbst ernannte "Bürgerwehren".

Wo genau gibt es diese neue Szene?

Die Verfassungsschützer erkennen gleich mehrere Gruppierungen im Land, in denen sich die unterschiedlichen Strömungen vereinen. Besonders hervorgehoben werden:

  • "First Class Crew - Steeler Jungs" (Essen)
  • "Bruderschaft Deutschland" (Düsseldorf)
  • "Mönchengladbach steht auf"
  • "Begleitschutz Köln eV." (auch "Internationale Kölsche Mitte")
  • "Besorgte Bürger Herne" (auch "Bruderschaft Herne", "Bruderschaft Ruhrpott" oder "Stark für Herne")

Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft präsentieren sich Rechte, Hooligans und Rocker in diesen Gruppierungen als Einheit - zum Beispiel durch gleiche Outfits. Auch sind die einzelnen Gruppen nach Einschätzung der Nachrichtendienste miteinander vernetzt und unterstützen sich gegenseitig bei Versammlungen.

Genau das will NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verhindern. Einzeln betrachtet handele es sich um eine kleine Gruppe. "Das Gefährliche ist die Ansteckungsgefahr, dass daraus Bewegungen werden", sagte er dem WDR.

Was macht die neue Szene so gefährlich?

Wenn vermeintlich unverdächtige "Wutbürger" gemeinsame Sache mit Rechtsextremisten machen, ist das für Verfassungsschützer ein alarmierendes Signal. "Rechtsextremisten wird durch die Veranstaltungen die Gelegenheit geboten, ihre demokratie- und fremdenfeindlichen Positionen außerhalb der eigenen Szene zu verbreiten", heißt es im NRW-Bericht. Zudem zeigten Hooligans, Rocker und "Wutbürger", dass sie eine Abgrenzung von Rechten als "irrelevant oder gar als falsch" ansähen.

Die Vernetzung dieser neuen Szene sehen die Verfassungsschützer deshalb als Zeichen für die "Entgrenzung des Rechtsextremismus" in den vergangenen Jahren.

Wer stoppt die rechte Bürgerwehr? Unterwegs im Westen 09.06.2020 29:44 Min. Verfügbar bis 09.06.2021 WDR

Stand: 09.07.2020, 12:08

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