Ganztägiger Warnstreik legt NRW-Nahverkehr lahm

Köln: Plakate mit der Aufschrift "Heute Warnstreik" hängen an einem Ticketschalter.

Ganztägiger Warnstreik legt NRW-Nahverkehr lahm

Wegen eines flächendeckenden Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr standen am Donnerstag viele Busse und Bahnen in NRW still. Der Streik dauerte noch bis in die Nacht an.

Wegen eines Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen sind am Donnerstag viele Busse und Bahnen ausgefallen. Nicht betroffen von dem Streik waren Regionalbahnen, S-Bahnen sowie Züge von Privatunternehmen. Der Streik dauert bis 3 Uhr nachts an.

"Wir haben eine gute Streikbeteiligung", betonte Peter Büddicker, Fachbereichsleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in NRW. Insgesamt hätten sich bis zu 13.000 Kollegen am Streik beteiligt.

Viele Ausfälle in Dortmund und Köln

"In Dortmund steht alles still", sagte Kirsten Rupiper von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon am frühen Morgen. Seit Betriebsbeginn gegen 3 Uhr fahre für 24 Stunden kein Bus und keine Bahn. Die Verkehrsabteilung der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) sei komplett im Streik gewesen, so Rupiper.

Auch die Kölner Verkehrs-Betriebe seien komplett dicht gewesen, teilte Verdi mit. Zudem sei die Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft zum ersten Mal dabei gewesen. In Siegen war der Busverkehr betroffen. Dort fielen am Donnerstag insgesamt 300 Fahrten aus. In vielen Städten bildeten sich Fahrgemeinschaften, viele Taxis waren im Einsatz. In Münster fuhr nur knapp die Hälfte der Busse, in den umliegenden Kreisen Coesfeld, Steinfurt und Warendorf fiel jeder dritte aus. Auch die Müllabfuhr streikte in vielen Kommunen und leerte keine Tonnen.

Viele Pendler steigen auf das Auto um

Wegen der Streiks stiegen viele Pendler auf das Auto um. Auf den Straßen war deutlich mehr los als an einem normalen Donnerstag.

In einer WDR-Umfrage am Morgen gingen die Meinungen der betroffenen Pendler auseinander: "Ich kann es verstehen, aber es ist auch egoistisch", sagten Befragte. Oder: "Streik ist solidarisch gut, aber wenn die Fahrgäste darunter leiden müssen, ist das schade". Andere zeigten mehr Verständnis: "Eigentlich müssten wir alle auf die Straße gehen, das ist absolut wichtig, egal in welcher Branche."

Arbeitgeber sind gegen bundesweiten Tarifvertrag

Bereits am Dienstag vor einer Woche hatte der ÖPNV im Westen brach gelegen. Nur die S-Bahnen und Regionalbahnen waren regulär gefahren, 12.000 Beschäftigte im ÖPNV hatten laut Verdi die Arbeit niedergelegt. Die Arbeitgeber waren nach dem Streik dennoch nicht bereit, über einen bundesweiten Tarifvertrag zu verhandeln.

Die Gewerkschaft verlangt für seine 87.000 Beschäftigten deutschlandweit einheitliche Regelungen beim Ausgleich von Überstunden, den Zulagen für Schichtdienste sowie der Nachwuchsförderung. Deshalb hatte Verdi erneut zum Streik aufgerufen.

Flugausfälle und Verspätungen in den Herbstferien?

An den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn drohen in den Herbstferien Arbeitsniederlegungen in der Passagierabfertigung. Verdi kündigte an, man werde die Beschäftigten des Passagierabfertigers Aviation Handling Services (AHS) kurzfristig zu Warnstreiks aufrufen. "Flugausfälle und Verspätungen sind wahrscheinlich", warnte die Gewerkschaft. Das Unternehmen sprach von einem "rechtswidrigen Warnstreik".

Stand: 08.10.2020, 20:13

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