Veranstaltung abgesagt: Gutschein statt Geld zurück 

Veranstaltung abgesagt: Gutschein statt Geld zurück 

Von Markus Meyer-Gehlen

  • Kein Anspruch mehr auf "Geld zurück" bei Corona-bedingten Absagen 
  • Stattdessen wird ein Gutschein ausgestellt 
  • Verbraucherschützer sind skeptisch 

''Unser Schwerpunkt im Moment: Alles in Sicherheit bringen für den Herbst“, sagt Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL. Das kleine Unternehmen organisiert Comedy- und Kabarettveranstaltungen in Ostwestfalen.

Im Moment dürfen die nicht stattfinden. ''Inzwischen weiß ich, dass der Plan B wahrscheinlich nicht ausreicht, sondern ein Plan C angebracht ist. Wenn der worst case eintritt, das heißt, man kann keine Ausweichtermine mehr anbieten, dann ist das unser Ende.“ 

Gesetzlicher Anspruch

So wie Hormes geht es vielen Veranstaltern momentan. Denn die Einnahmen bleiben aus, viele Kosten laufen weiter. Und nicht alle Kunden tragen es mit, wenn ihre Events immer wieder verschoben werden.

Manche fordern ihr Geld zurück – darauf gibt es schließlich einen gesetzlichen Anspruch. Den will die Bundesregierung jetzt aufheben, um Künstler und Veranstalter finanziell etwas zu entlasten. 

Gutschein statt Geld 

''Der privatwirtschaftliche Veranstalter hat keine Chance“, sagt Hormes. ''Deswegen würde mich freuen, wenn es eine Gutscheinregelung gibt.“

Die Regelung, die der Bundestag am Donnerstag (14.05.2020) beschlossen hat, sieht vor: Statt den Ticketpreis zu erstatten, richt es aus, wenn der Veranstalter Kunden einen Gutschein ausstellt. Einzige Ausnahme: Wer finanziell auf die Rückerstattung angewiesen ist, soll den Anspruch behalten. 

Diese "Härtefallregelung" ist der Grund, warum das Gesetz nicht schon vergangene Woche beschlossen wurde. Die SPD wollte sie für mehr Menschen öffnen, die Union warnt: Das wäre der Ruin für viele Kulturschaffende.

Und auch Verbraucherschützer sind skeptisch: Sie sehen die Rechte der Kunden verletzt. 

Verbraucherschützer sehen Verfassungsbruch 

''Die Krise bringt auch Verbraucher in finanzielle Schwierigkeiten“, sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale NRW, "daher sollten sie selber entscheiden, ob sie Unternehmen unterstützen." Viele würden das bereits freiwillig tun, sagt Bradler – eben diejenigen, die es sich leisten können.

Die Härtefallregelung geht ihm dabei nicht weit genug: ''Man wird sich am Ende darüber streiten, wann diese Ausnahmen gelten und wann nicht. Und es ist schwierig für Verbraucher zu beweisen, dass sie genauso auf das Geld angewiesen sind wie das Unternehmen.''

Dazu komme, dass das Gesetz rückwirkend für bereits gekaufte Tickets gelten soll. Darin sieht die Verbraucherzentrale einen Verstoß gegen die Verfassung. Die Kunden würden quasi dazu verpflichtet, den Veranstaltern einen Zwangskredit zu gewähren.  

Gutscheine sollen vor der Pleite retten 

Neben der Härtefallregel gibt es noch einen zweiten Weg, wie Verbraucher den Ticketpreis erstattet bekommen können: Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gelten – wer seinen bis dahin nicht abruft, darf das Geld vom Veranstalter zurückfordern. Doch das geht natürlich nur, wenn der nicht inzwischen pleite gegangen ist.  

Die Angst vor der Pleite -  sie beschäftigt auch Kulturveranstalter Hormes. Er hofft auf das Verständnis seiner Kunden. "Das ist ein völlig vernichtender Rundumschlag, für den ich leider nichts kann. Und deswegen ist eine Gutscheinregelung und eine Hoffnung auf auf einen Impfstoff, auf Normalität irgendwann, meine letzte Chance."

Stand: 14.05.2020, 19:04

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