Kein Segen für die Liebe? Pfarrer sammelt Unterschriften

Porträt von Pfarrer Bernd Mönkebüscher

Kein Segen für die Liebe? Pfarrer sammelt Unterschriften

Ein Pfarrer aus Hamm stellt sich gegen das Segnungsverbot des Vatikans für homosexuelle Paare. Vor gut zwei Jahren hat sich Bernd Mönkebüscher selbst geoutet. Er lebt im Zölibat.

WDR: Warum stellen Sie sich gegen das Verbot des Vatikans, homosexuelle Paare zu segnen?

Mönkebüscher: Wir segnen Autos, Kläranlagen, Fahrstühle - aber die Liebe von zwei Menschen nicht? Das kann nicht passen! Es ist ja nicht so, dass hier jeden Tag ein schwules Paar auf der Matte steht. Das ist selten und dann kann man davon ausgehen, dass die, die darum bitten, auch etwas damit verbinden, und auch aus gläubiger Überzeugung tun. Ausgerechnet denen haut man jetzt einen rein und sagt, ihr lebt etwas, was wir nicht gut finden. Schlimmer noch: Man projiziert es in den lieben Gott hinein. Als hätte der liebe Gott etwas dagegen!

Kritik an Vatikan: "Alte Lehre, keine Entwicklung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.03.2021 06:35 Min. Verfügbar bis 17.03.2022 WDR 5


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WDR: Sie sammeln Unterschriften bei anderen katholischen Seelsorgern (#wirsegnen) – mehr als 1.000 sind schon zusammengekommen. Was wollen Sie erreichen?

Mönkebüscher: Wir übergeben die Unterschriften dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und dem synodalen Weg. Das Argument aus Rom ist: Wir können nicht etwas erlauben, was wir für Sünde halten. Wir sagen natürlich: Was soll daran Sünde sein? Aber es ist eben noch so im Katechismus. Das muss geändert werden, und das geht! Der Papst hat vor zwei Jahren die Legitimation von Todesstrafen rausgenommen. Der Katechismus ist immer verändert worden. Man muss es wollen!

WDR: Hat der Vatikan aus Ihrer Sicht den Bezug zur Kirchenbasis verloren?

Mönkebüscher: Ich habe manchmal den Eindruck, je höher jemand auf der kirchlichen Karriereleiter ist, desto weniger Bodenhaftung ist da. Das führt dann eben zu Äußerungen, die sich nicht mehr am Menschen orientieren. Es ist ja oft der Vorwurf, dass man zu zeitgeistig wäre. Andererseits: Wo drückt sich Gott aus, wenn nicht in der Gegenwart?

WDR: Sie haben sich vor zwei Jahren als schwul geoutet. Welche Folgen hatte das?

Mönkebüscher: Es war für mich schon ein persönlicher Befreiungsschlag und ich habe es keineswegs bereut. Es spielt allerdings im Gemeindealltag auch keine Rolle. Viele wissen das gar nicht, warum auch? Ich laufe ja nicht jeden Tag mit einer Regenbogenfahne herum. Ich kann es aber sagen, das ist entscheidend. Ich muss nicht etwas Wesentliches verschweigen. Der Raum ist geöffnet. Und das finde ich schon sehr wichtig für mich persönlich.

WDR: Warum bleiben Sie der katholischen Kirche treu?

Mönkebüscher: Mein persönlicher Glaube ist: Gott hat sich etwas dabei gedacht, dass die Schöpfung vielfältig ist. Wenn die Kirche das an dieser Stelle anders sieht und es lieber schwarz-weiß haben möchte, sprich: Frau/Mann, finde ich das nicht richtig. Ich setze mich dafür ein, dass die vielen Farben der Schöpfung leuchten dürfen. Wie die Regenbogenfahne.

Das Gespräch führte Alexa Schulz

Stand: 20.03.2021, 12:36

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