"Trump wollte dieses TV-Duell zerstören"

"Trump wollte dieses TV-Duell zerstören"

Im TV-Duell sind US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden zum ersten Mal aufeinandergetroffen. Beide seien darin nicht gut weggekommen, sagt der Kölner Politikwissenschaftler Thomas Jäger.

WDR: Wie geht es Ihnen nach diesem TV-Duell?

Thomas Jäger: Fürchterlich! Das war eine schreckliche Debatte.

WDR: Es heißt immer, die unentschlossenen Wähler seien so umkämpft. Wie werden sie dieses TV-Duell wahrgenommen haben?

Thomas Jäger bei der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow Markus Lanz im Studio Stahltwiete.

Politikwissenschaftler und USA-Experte Thomas Jäger von Uni Köln

Jäger: Die werden alle erschrocken sein und sagen: Damit wollen wir nichts mehr zu tun haben. Denn wer sich heute in den Wahlkampf hineinbegeben hat und wissen wollte, was die beiden die nächsten vier Jahre vor haben, der weiß nichts. Es ging überhaupt nicht um Inhalte.

WDR: Von Trump sind wir sprachliche Entgleisungen gewohnt. Aber Joe Biden sagte 'Halte den Mund' und nannte Trump einen Clown. Hatten Sie eine solche Wortwahl von Biden erwartet?

Jäger: Nein, und die wollte er unbedingt vermeiden. Biden wollte als der Anti-Trump auftreten und als derjenige, der der wirkliche Präsident ist und dem Amt wieder seine Würde gibt. Doch Trump hat ihn provoziert und ein ums andere mal dazu gebracht, dass Biden die Hutschnur geplatzt ist. Das kommt natürlich bei denjenigen nicht gut an, die wirklich einen Anti-Trump im Amt sehen wollen. Da ist Biden also aus seiner Selbstbeherrschung rausgegangen.

Das TV-Duell in voller Länge und mit deutscher Übersetzung:

US TV-Duell: "Halt den Mund, Mann!" phoenix vor ort 30.09.2020 01:35:02 Std. Verfügbar bis 30.09.2025 Phoenix

WDR: Gab es für Sie denn auch inhaltliche Überraschungen?

Jäger: Ja, es gab zwei Momente, die mit Joe Biden zu tun haben. Der eine ist, dass er sich von den linken Demokraten so strikt abgegrenzt hat. Das habe ich nicht erwartet. Er hat gesagt 'Ich bin die demokratische Partei‘, um zu verhindern, dass Trump ihn als einen Sozialisten darstellt. Und dann hat er gesagt, alles was Black Lives Matter fordert - dass man der Polizei das Geld wegnimmt - und alles was die linken Demokraten wollen - den Green New Deal - damit habe ich nichts zu tun und das ist nicht mein Programm. Das habe ich so nicht erwartet.

Einen starken Moment hat Biden gehabt, als er in die Kamera sagen konnte 'Liebe Landsleute, ihr habt alle Menschen verloren in dieser so schlecht gemanagten Pandemie'. Da hat selbst Trump gemerkt, da kann ich ihn jetzt nicht unterbrechen. Das ist ein ganz ernster Moment. Den hat Biden mit nach Hause genommen.

WDR: Gab es Überraschungen bei Trump?

Jäger: Nein, Trump hat sein Programm durchgesetzt. Er wollte nicht, dass es zu einer Diskussion kommt. Er hat ja sogar den Moderator unterbrochen. Trump wollte diese Veranstaltung zerstören. Das hat er gemacht. Er hat seine zwei, drei Punkte machen können - dass er Richter ernannt hat, dass er Deregulierung vorgenommen hat. Ihm ging es darum, seine Basis zu mobilisieren. Trump überzeugt niemanden mehr. Niemand in den Vereinigten Staaten weiß nicht, ob er für oder gegen Trump ist. Die Menschen wissen das. Sie wissen nur noch nicht, ob sie wirklich zur Wahl gehen. Und dazu wollte er sie ermutigen.

Das Gespräch führte Christian Wolf

Stand: 30.09.2020, 20:19

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