Mutter ließ Sohn sterben - viereinhalb Jahre Haft

Mutter und Vater des 5-jährigen Jungen sitzen im Gerichtssaal, umringt von Anwälten und einem Kameramann

Mutter ließ Sohn sterben - viereinhalb Jahre Haft

  • Körperverletzung mit Todesfolge
  • Kind hatte qualvolle Schmerzen
  • Ehemann freigesprochen
  • Mutter rief keinen Arzt

Mehr als ein Jahr nach dem Tod des kleinen Nico in Eschweiler ist seine Mutter am Dienstag (30.04.2019) vom Aachener Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie sei der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, so das Gericht. Sie habe es im November 2017 unterlassen, ihr erkennbar schwer krankes Kind zu einem Arzt zu bringen. Der 5-Jährige starb an den Folgen eines Darmverschlusses.

Freispruch für mitangeklagten Ehemann

Frontalansicht der Richterbank während des Prozesses

Die Richterbank vor Verkündigung des Urteils

Während des Prozesses hatte die Mutter keine Regung gezeigt, nach ihrer Verurteilung flossen Tränen. Ihr mitangeklagter Mann wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ob der 35 Jahre alte Installateur etwas vom dramatischen Zustand des Kindes mitbekommen habe, lasse sich nicht klären. Nur seine Frau habe sich um die Kinder gekümmert.

Kind litt an unerträglichen Schmerzen

Nico war am 7. November 2017 qualvoll an den Folgen eines Darmverschlusses gestorben, nachdem er rund zehn Tage lang keinen Stuhlgang mehr gehabt hatte. Viele Stunden vor seinem Tod muss der 5-Jährige unter unerträglichen Schmerzen gelitten haben, hatte der Rechtsmediziner im Prozess ausgeführt. Nico habe einen aufgeblähten, durch Bakterien bereits grünverfärbten Bauch gehabt und Hechelatmung. Seine Mutter hätte den dramatischen Zustand des Sohnes erkennen müssen, sagten die Richter.

Mutter rief keinen Arzt

Statt zum Arzt zu gehen, habe die 34-Jährige ihm ein starkes Schmerzmittel für Erwachsene verabreicht. Sie habe offenbar gehofft, dass sich der Zustand des Kindes bessern würde, hieß es im Urteil. Erst als Nico leblos auf dem Sofa lag, habe die Angeklagte ihren Mann und den Notarzt gerufen.

Urteil gegen Eltern nach Tod des Kindes

00:26 Min. Verfügbar bis 30.04.2020

Mutter sei überfordert gewesen

Die Mutter sei mit der Versorgung der Kinder und des Haushalts überfordert gewesen, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer gesagt. Nico, der bereits seit Jahren immer wieder unter starken Verstopfungen gelitten habe, sei unterernährt und verwahrlost gewesen, die Zähne verfault, die Fingernägel lang wie Krallen. Im Prozess hatten die angeklagten Eltern, die mittlerweile getrennt leben, geschwiegen.

Der Verteidiger der verurteilten Mutter wird voraussichtlich in Revision gehen. Er hatte einen Freispruch für seine Mandantin gefordert.

Stand: 30.04.2019, 14:29

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