Urlaub in Zeiten von Delta: Darauf muss man achten

Karges Hotelzimmer mit Blick aufs Meer

Urlaub in Zeiten von Delta: Darauf muss man achten

Die Urlaubslaune steigt - doch Vorsicht ist immer noch geboten. Vor allem wegen der Ausbreitung der Delta-Variante. Was muss man bei der Urlaubsplanung derzeit beachten?

Wenn am Freitag in NRW die Schulferien beginnen, wird an den Flughäfen erstmals wieder ein Hauch von Sommerurlaubsstimmung aufkommen. Reisen geht wieder, und schon jetzt sieht man am Himmel Urlaubsflieger ihre Bahnen gen Süden ziehen.

Doch die Pandemie ist noch nicht vorüber, und steigende Infektionszahlen in Ländern wie Großbritannien, Russland und vor allem Portugal zeigen, dass Vorsicht nach wie vor geboten ist. Besonders die sich gerade schnell ausbreitende Delta-Variante des Virus birgt Unwägbarkeiten. Auch bei der Urlaubsplanung sollte man das im Hinterkopf behalten.

Portugalreisende kalt erwischt

So hat es Portugalreisende gerade kalt erwischt: Weil sich dort die Delta-Variante des Coronavirus unerwartet schnell verbreitet, hatte das RKI Portugal am Freitagabend zum Virusvariantengebiet mit Wirkung ab Dienstag erklärt. Dann gilt eine 14-tägige Quarantäne nach Rückkehr aus Portugal gilt - auch für Geimpfte.

Nach Angaben des deutschen Reiseanbieters Olimar haben bereits Hunderte Deutsche ihren Portugal-Urlaub vorzeitig beendet. Allein am Sonntag seien rund 270 Touristen vorzeitig in den Flieger Richtung Heimat gestiegen, sagte ein Sprecher. Etwa 20 Prozent der Gäste aber wollten in Portugal bleiben. Nach Schätzungen des Deutschen Reiseverbandes DRV machen zurzeit etwa 1.000 Deutsche in Portugal Urlaub.

Was gilt derzeit?

In jedem Fall sollten sich alle, die Urlaub im Ausland planen, mindestens auf zusätzlichen Aufwand gefasst machen. So muss sich, wer die letzten zehn Tage in einem Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet oder Virusvariantengebiet verbracht hat, vor der Rückkehr nach Deutschland auf www.einreiseanmeldung.de digital registrieren.

Hinweisschild auf Coronatest fuer Reiserückkehrer am Flughafen

Vorher gut informieren!

Wer mit dem Flugzeug zurückkommt - egal, aus welchem Land -, für den ist ein negatives Testergebnis, das vor dem Rückflug gemacht wurde, Pflicht, alternativ ein Impf- oder Genesenennachweis. Im Detail gelten diese Regeln:

  • Wer aus einem Risikogebiet zurück kommt, braucht ein negatives Covid-19-Testergebnis bis spätestens 48 Stunden nach der Ankunft oder einen Nachweis über Impfung oder Genesung. Ohne diese Nachweise gilt zehn Tage Quarantänepflicht.
  • Bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet ist ein negatives Testergebnis notwendig, alternativ der Nachweis über eine vollständige Covid-19-Impfung oder Genesung. Alle drei Möglichkeiten müssen vor dem Rückflug vorgelegt werden. Auch hier gilt ohne diese Nachweise zehn Tage Quarantänepflicht.
  • Wer aus einem Virusvariantengebiet wie Portugal kommt, muss ebenfalls vor der Abreise aus dem Urlaubsland einen negativen Covid-19-Test vorlegen. Bei der Rückkehr ist dann trotzdem eine 14-tägige Quarantäne Pflicht - auch für Geimpfte und Genesene.

Diese Vorschriften gelten nicht für Kinder unter sechs Jahren.

Für Reisende, die mit dem eigenen Wagen, mit Bussen oder Bahnen unterwegs sind, gelten teilweise andere Vorschriften. Zuverlässige und stets aktuelle Informationen bieten die Seiten des Auswärtigen Amts.

Unerwarteter Ausbruch

So weit die aktuellen Regeln für Urlauber. Fakt ist aber auch: Da sich die aggressive Delta-Variante überall dort, wo sie registriert wurde, schnell ausbreitet, muss man damit rechnen, dass noch weitere Länder kurzfristig als Virusvariantengebiete deklariert werden. Ist das der Fall, müssen Touristen, die bereits dort sind, Hals über Kopf ihre Rückreise antreten - mit zusätzlichen Kosten.

Was können betroffene Urlauber tun?

Viele Reiseveranstalter reagieren prompt auf die Lage zumindest in Portugal. So entschied zum Beispiel der Anbieter TUI, dass sich bereits in Portugal weilende Kunden selber aussuchen können, ob sie ihren Urlaub dort vorzeitig abbrechen wollen. Wer bleiben will, könne auch später mit TUI zurück fliegen, versicherte das Unternehmen am Montag. Für alle, die zurück wollen, leite TUI leere Flüge von den Kapverdischen Inseln über Madeira nach Deutschland, hieß es.

Alle noch anstehenden Portugal-Reisen hat TUI bis Ende Juli allerdings abgesagt. Kunden, die schon gebucht hatten, können kostenlos umbuchen. Auch der Reiseveranstalter DerTour hat bis 13. Juli sämtliche Portugal-Reisen gecancelt.

Sicherheit für Verbraucher

Bei Reisewarnungen für Risikogebiete mit einer Corona-Inzidenz bis 200 will TUI künftig eine Garantie dafür geben, dass die Reise stattfindet. Müssen Kunden dennoch wegen eines Covid-19-Verdachts oder einer Infektion kurzfristig Absagen, will das Unternehmen Stornokosten bis zu 1.500 Euro übernehmen. Müssen Kunden am Urlaubsort in Quarantäne, dann springe TUI künftig mit bis zu 5.000 Euro ein, etwa für zusätzliche Unterbringungskosten am Urlaubsort und Rückflugkosten.

Auch der Anbieter DerTour kündigt Unterstützung für den Fall einer Coronainfektion im Urlaubsland an: Bis zu 3.500 Euro zahle man für Quarantänemaßnahmen, Rückflug und Betreuung vor Ort.

Portugal-Spezialist Olimar bietet allen, die einen gebuchten Urlaub nun nicht mehr antreten wollten, andere Urlaubsorte oder eine Verschiebung der Reise an. Die Lufthansa hatte zuletzt erklärt, dass vorerst keine Änderungen bei Flügen von und nach Portugal geplant seien.

Was, wenn ich wegen Quarantäne nicht rechtzeitig zur Arbeit zurückkehren kann?

Grundsätzlich sollte man die Risiken einer unerwarteten Pandemieentwicklung bei der Urlaubsplanung weiterhin im Auge behalten. Auf der Homepage des Auswärtigen Amts kann man aktuell nachlesen, für welche Länder Reisewarnungen auch wegen der Pandemielage bestehen. Nach wie vor gelten Beschränkungen bei der Einreise aus vielen Ländern.

Eine Frau nimmt wegen des Coronavirus aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil

Zumutbar: Homeoffice trotz Quarantäne

Ob der Arbeitgeber während einer unvorhergesehenen Quarantäne weiter Lohn zahlen muss, sei nicht ganz geklärt, sagt die IG Metall in einem Infoblatt. Umstritten ist demnach, ob der Arbeitnehmer mit Schuld an dem Ausfall trägt, weil er ihn durch eine Urlaubsreise verursacht hat. Wer ohnehin im Homeoffice arbeitet, der könne das in der Regel auch in der Quarantänezeit tun.

Kommt es doch zum Verdienstausfall, hätte ein Arbeitnehmer nach dem Infektionsschutzgesetz theoretisch Anspruch auf Entschädigung. Der besteht allerdings dann nicht, wenn die Quarantäne durch "Nichtantritt einer vermeidbaren Reise" in ein Risikogebiet hätte vermieden werden können.

Eine Abmahnung durch den Arbeitgeber sei eigentlich nicht rechtens, meint die IG Metall, denn sie setze voraus, dass eine Pflicht aus dem Arbeitsvertrag verletzt wurde. Wenn ein Arbeitnehmer aber nicht zwingend davon ausgehen musste, dass sein Urlaub in einer Quarantäne enden würde, sei das nicht gegeben.

In diesen Urlaubsländern ist die Delta-Variante derzeit auf dem Vormarsch (Stand 28.06.2021):

In Großbritannien macht die Mutation mittlerweile fast 90 Prozent der Infektionen aus. Dort sind derzeit etwas mehr als 60.000 Fälle bekannt.

In Portugal steht fast die Hälfte der aktuellen Corona-Fälle im Zusammenhang mit der Delta-Variante. Portugal steht damit auf Platz sieben der weltweiten Liste betroffener Länder. Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert allerdings die Einstufung ganz Portugals als Virusvariantengebiet und verweist auf Gebiete wie Madeira, die bislang eine sehr geringe Inzidenz haben.

In Österreich sind mittlerweile ein Viertel der Fälle die Variante.

In Spanien stellt die Delta-Variante derzeit rund 18 Prozent der Corona-Fälle, allein auf den Balearen wurden bislang 36 Fälle gezählt. Die Corona-Inzidenz insgesamt ist in den letzten Tagen wieder angestiegen und liegt nun ungefähr bei 50.

In Italien machte die Delta-Variante zuletzt etwa elf Prozent aus. Die Gesamt-Inzidenz ist mit einem Wert von etwa 12 noch sehr niedrig. Seit Montag gilt in Italien im Freien keine Maskenpflicht mehr.

In Frankreich liegt die Quote der Delta-Variante bei knapp sieben Prozent - bei einer Gesamtinzidenz von 25.

In Holland betrifft die Variante erst knapp fünf Prozent der Infizierten.

Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil der Delta-Variante an allen aktuellen Corona-Infektionen derzeit bei etwas mehr als elf Prozent.

Auf der Seite des Europäischen Zentrums für Prävention ECDC kann man sehen, wie sich die Delta-Variante verbreitet und welche Länder in Europa besonders betroffen sind.

Wird es strengere Grenzkontrollen für Reiserückkehrer geben?

Darüber diskutieren Bund und Länder am Montag. Die Meinungen gehen stark auseinander. Mehrere Ministerpräsidenten verlangen, dass die Einreiseverordnung des Bundes verschärft wird.

Nach Meinung von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sollten alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test aufgehoben werden kann.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach plädieren für eine zweifache Testpflicht für alle Rückkehrenden, die nicht vollständig geimpft sind.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dagegen ließ noch am Montag verkünden, er sehe "momentan keine Veranlassung für stationäre Grenzkontrollen". Auch das Bundesgesundheitsministerium erklärte, es sei "zur Zeit keine Änderung der Einreiseverordnung" geplant. Es gebe bereits ein "recht striktes Einreiseregime", sagte ein Sprecher.

Stand: 29.06.2021, 09:30

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