Wetterlage in NRW beruhigt sich - Schwere Schäden durch Starkregen

Wetterlage in NRW beruhigt sich - Schwere Schäden durch Starkregen

Das Gewittertief über NRW ist endgültig abgezogen. Starkregen, Blitzeinschläge und stürmische Böen hatten schwere Schäden verursacht.

An der Unwetterfront zeichnet sich Entspannung ab. Das Gewittertief über NRW ist endgültig abgezogen, übrig bleibt ein Sonntag, den WDR-Wetterfrau Milena Furman so beschreibt: "Eine Mischung aus grau und grau." Wenn überhaupt gebe es maximal ein bis drei Sonnenstunden im Land. "Das sind aber eher Wolkenlücken, durch die kurz mal die Sonne blinzelt."

Die gute Nachricht: Ab Mitte der nächsten Woche wird es in NRW immer freundlicher. Bis Mittwoch ist es noch wechselhaft, dann ziehen die Schauer endgültig ab und am Donnerstag werden schon wieder 27 Grad erwartet.

Letzte Gewitterfront traf Ostwestfalen-Lippe

Nach den starken Unwettern am Freitag hatte sich im Laufe des Samstags die Lage in den meisten Teilen des Landes beruhigt. Nur in Ostwestfalen-Lippe kam es noch immer zu schweren Gewittern mit Starkregen. Betroffen waren besonders die Städte Bünde, Enger und die Gemeinde Hiddenhausen.

Die Feuerwehr meldete hier bereits kurze Zeit nach Beginn der Gewitter am Samstag mehrere Hundert Einsätze. Zahlreiche Keller laufen voll, "wir saufen regelrecht ab", erklärte ein Einsatzsprecher. Autos steckten in Unterführungen fest. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr gab es bis zum frühen Abend keine Verletzten.

Hühnerrettung in letzter Sekunde

Mehrere Hühner für die ein Badezimmer zum Stall umfunktioniert wurde

Hühner fanden Zuflucht im Badezimmer

Und nicht nur die menschlichen Bewohner von Bünde wurden vom Unwetter überrascht: Eine Hühnerschar konnte in letzter Sekunde aus ihrem überfluteten Stall gerettet werden. Die Tiere wurden für die Nacht in einem improvisierten Übergangs-Zuhause untergebracht - im Badezimmer. Am späten Abend zog das Unwetter dann in Richtung Süden ab - der Einsatz für die Rettungskräfte im Kreis Herford dauerte noch die ganze Nacht an.

Bangen um ein altes Haus

Der starke Regen hatte in Widdeshoven im Rhein-Kreis Neuss für einen großen Feuerwehreinsatz gesorgt. Dort war ein Bach über die Ufer getreten und es bestand die Gefahr, dass ein altes Haus, das nicht unterkellert ist, einstürzen könnte. Entwarnung gab es erst, als ein Statiker vom Technischen Hilfswerk das Haus untersucht hat. Inzwischen ist das meiste Wasser abgepumpt. Der Einsatz geht aber weiter. Die Feuerwehr will verhindern, dass noch mehr Wasser in den Ort fließt.

Blitzschlag: Zwölfjährige lebensgefährlich verletzt

Ein Fahhrad liegt neben einem Auto

Tragischer Unfall nach Blitzeinschlag

In Düsseldorf war bei dem Unwetter ein zwölfjähriges Mädchen am Freitag bei einem Blitzschlag mit dem Rad auf der Straße gestürzt und dort von einem Auto erfasst worden. Das Mädchen, das laut Feuerwehr vermutlich einen Stromschlag erlitt, kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. Auch ihre Mutter musste im Krankenhaus behandelt werden. Das Kind habe die Nacht überstanden, sagte ein Polizeisprecher Samstagmorgen dem WDR. Über ihren Zustand konnte die Polizei nichts weiter sagen.

Rund zehn Menschen hatten laut Feuerwehr den Vorfall aus nächster Nähe mitbekommen und waren danach offensichtlich traumatisiert. Sie wurden von Psychologen betreut.

Starkregen überflutet Straßen, Keller und Geschäfte in NRW

Sturmböen und heftige Regenfälle haben in Teilen von NRW ganze Hundertschaften von Rettungskräften in Atem gehalten. Besonders hart traf es das Rheinland.

Eine Menschengruppe baut eine Barrikade aus Türen

In Remscheid strömte das Wasser am Freitag wie ein reißender Fluss durch die Straßen.

In Remscheid strömte das Wasser am Freitag wie ein reißender Fluss durch die Straßen.

Mit Türen versuchen die Einsatzkräfte hier Barrikaden zu bauen, um die Fluten aufzuhalten.

So sah die Radaranalyse von NRW in der Nacht zu Samstag aus. Die kleinen Gewitterzellen trafen nicht jeden Ort im Land. Aber da, wo sie auftauchten, richteten sie erheblichen Schaden an.

Konkret sah das dann so aus, wie hier im Siegerland.

Im Rhein-Sieg-Kreis rückten hunderte Einsatzkräfte wegen der Unwetter aus. Ein Großteil der rund 430 Einsätze habe sich im Stadtgebiet Hennef ereignet, so ein Feuerwehrsprecher. In der Bahnhofsunterführung dort stand das Wasser mehrere Meter hoch.

Unheimliche Szenerie in Keppeln in der Gemeinde Uedem im Kreis Kleve: Hier bildete das Wasser eine Seenlandschaft mitten im Ort.

Die Feuerwehr musste etliche Hauskeller leerpumpen.

In Bergisch Gladbach wurden die Einsatzkräfte allein bis Mitternacht zu 60 Einsatzstellen gerufen.

Besonders starke Regenfälle gab in den Höhenlagen des Siebengebirges. Bei der Feuerwehr und den Einsatzzentralen der Rettungsdienste gab es keine Auskunft zu einzelnen Einsätzen, weil die Telefone überlastet waren mit Anrufen. Auch diese Straße im Siebengebirge wurde nahezu geflutet.

Dieses Geschäft im Siebengebirge stand nach dem Unwetter komplett unter Wasser. Als das Wasser abgeflossen war, hinterließ es überall eine dicke Schicht aus feinstem Schlamm. Wenn man den nicht sofort wegspült und sogar trocknen lässt, hat man später ein echtes Problem. "Das Zeug wird hart wie Beton", sagen die leidgeprüften Bachanwohner.

Nach einem Blitzeinschlag in eine Radfahrergruppe ist ein zwölfjähriges Mädchen in Düsseldorf mit seinem Fahrrad gestürzt und von einem Auto angefahren worden. Sie kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

Tausende Hilferufe

Das Unwetter hatte vor allem das Rheinland getroffen. Vom Rhein-Sieg-Kreis über Köln und Remscheid bis zum Niederrhein gingen zig tausende Hilferufe bei den Feuerwehren ein. Im Kreis Kleve waren einige Straßen so stark geflutet, dass selbst ein Feuerwehrauto nicht weiter kam. Bei den Einsätzen selbst ging es meist um vollgelaufene Keller, Erdgeschosswohnungen und Geschäfte.

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Im Rhein-Sieg-Kreis rückten Hunderte Einsatzkräfte wegen der Unwetter aus. Ein Großteil der rund 490 Einsätze habe sich im Stadtgebiet Hennef ereignet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Keller seien vollgelaufen und Hänge abgerutscht. In einer Bahnhofsunterführung stand das Wasser meterhoch.

In Neuss und Dormagen fielen mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde. Hagelkörner waren bis zwei Zentimeter groß, Sturmböen bis 75 Kilometer pro Stunde schnell. In der Ortschaft Widdeshoven (Rhein-Kreis Neuss) waren am Samstag noch etwa 70 Rettungskräfte im Einsatz - auch aus Köln und Düsseldorf. Ein Bach, der durch den Ortskern führt, war über die Ufer getreten. Ein unterspültes Haus musste von Statikern überprüft werden.

Volle Keller in Pulheim

Im Rhein-Erft-Kreis sorgte das Wetter am Freitagabend für zahlreiche Einsätze der Feuerwehr. Besonders betroffen war Pulheim, so eine Sprecherin der kreisweiten Leitstelle. Im gesamten Pulheimer Stadtgebiet waren Keller vollgelaufen. Straßen standen unter Wasser

Strom abgeschaltet

In Wenden-Ottfingen stand das Wasser stellenweise bis zu einem Meter hoch in den Gärten. Bei zehn Häusern schaltete der Energieversorger den Strom ab, da die Keller komplett unter Wasser standen. Mehr als 160 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und DRK waren im Einsatz.

Hilfsbereite Landwirte

Doch es gab auch Hilfsbereitschaft und Solidarität: So halfen zum Beispiel Landwirte mit ihren Güllewagen, das Wasser abzupumpen:

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Begonnen hatte das Unwetter am Freitag gegen 16.30 Uhr. Kurz danach kam auch der erste Einsatz für die Feuerwehr. Mehre Straßen mussten gesperrt werden, weil diese komplett überflutet waren. Mit Sandsäcken wurde versucht, Garagen und Keller zu schützen.

Überflutungen bereits am Donnerstag

Eine überflutete Straße

Überflutete Straße in Laer

Bereits am Donnerstag hatten die Regenfälle einige Orte besonders schwer getroffen - zum Beispiel Laer im Kreis Steinfurt. Nach drei Stunden Dauerregen war der kleine Ewaldibach über die Ufer gelaufen. 40 Keller liefen voll, zwei Wohnungen wurden zerstört. Ein Anwohner berichtete dem WDR, so etwas habe er in seinem Wohnort in 50 Jahren noch nicht erlebt.

Stand: 06.06.2021, 10:00

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