Kaputte Verkehrswege, kein Trinkwasser - massive Schäden nach Unwetter-Katastrophe

Kaputte Verkehrswege, kein Trinkwasser - massive Schäden nach Unwetter-Katastrophe

Von Christian Zelle

Nach der Unwetter-Katastrophe in NRW: Mit dem Abfließen des Wassers wird die Zerstörung der Infrastruktur deutlich - die Schäden sind dramatisch. Besondere Vorsicht ist bei der Wiederinbetriebnahme von Strom geboten.

Was Reparaturen am Verkehrsnetz betrifft, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Dienstagmorgen im Gespräch mit WDR 5, dass es Monate dauern werde, "alles zu reparieren, was kaputtgegangen ist". Noch sei man bei der Schadensaufnahme, aber es sei bereits klar, dass eine "nationale Kraftanstrengung" nötig werde: "Am Geld wird es nicht mangeln. Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist das Relevante."

Wüst nach Flut: "An Geld wird es nicht mangeln"

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.07.2021 06:25 Min. Verfügbar bis 20.07.2022 WDR 5


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Bund gibt 200 Millionen Euro Soforthilfe

Zu finanziellen Schäden gibt es aber erste Schätzungen. Bei der Deutschen Bahn sind Schäden in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro verursacht. "Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt", sagte der Vorstand Anlagen- und Instandhaltungsmanagement der DB Netz AG, Volker Hentschel, am Freitag. "In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört."

Besonders gravierend seien die Schäden an über 50 Brücken. Die Fluten hätten auch Stationen und Haltepunkte sowie die Technik stark in Mitleidenschaft gezogen. 180 Bahnübergänge, knapp 40 Stellwerke, mehr als 1.000 Oberleitungs- und Signalmasten, Energieanlagen sowie Aufzüge und Beleuchtungsanlagen in den Bahnhöfen seien betroffen. "Unser Ziel ist es, dass wir etwa 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur bis Jahresende wieder auf Vordermann bringen können", sagte er.

Die Bundesregierung stellt Betroffenen 200 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung, wenn nötig auch mehr. Weitere 200 Millionen Euro sollen wie üblich von den betroffenen Bundesländern kommen. Für den Wiederaufbau rechnet die Bundesregierung mit etwa sechs Milliarden Euro.

Trinkwasser: THW Versorgung nicht schnell wiederhergestellt

Schwer getroffen ist auch die Trinkwasserversorgung. Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) verteilen derzeit Trinkwasser in den am schlimmsten betroffenen Gebieten. Dazu zählt etwa das gesamte Stadtgebiet Eschweiler, wo durch den Bruch einer Hauptwasserleitung die Wasserversorgung zusammengebrochen ist.

Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Schuld stellen THW-Kräfte die Versorgung mit Trinkwasser sicher. Das THW geht davon aus, in den Gebieten noch die ganze Woche im Einsatz zu sein, weil es nicht damit rechnet, dass die Trinkwasser-Versorgung schnell wiederhergestellt werden kann.

Strominstallation: Westnetz warnt vor Eigeninitiative

Unterdessen hat der Energieversorger "Westnetz" davor gewarnt, Hausinstallationen nicht ohne Überprüfung durch eine Elektrofachkraft wieder in Betrieb zu nehmen: "Wenn Hausanschlusskästen beschädigt wurden oder noch nicht komplett getrocknet sind, besteht Gefahr für Leib und Leben durch einen elektrischen Schlag oder einen Brand."

Für jedes Haus muss geprüft werden, ob Keller und Hausinstallationen frei von Wasser und einschaltbereit sind. Mitarbeiter von Westnetz seien in den betroffenen Kommunen unterwegs und gingen in jeder Straße Haus für Haus ab. Westnetz-Ansprechpartner sind ebenfalls in den Kommunen ansprechbar und koordinieren die Einsätze von Installateuren.

Laut "Westnetz" waren am Mittwoch immer noch schätzungsweise 20.000 von ursprünglich 200.000 betroffenen Menschen im Gebiet des NRW-Energieversorgers ohne Strom.

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Der Versorger "Energienetze Mittelrhein" hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass im Kreis Ahrweiler Gasleitungen "zerstört" seien und die Wiederherstellung der Versorgung "Wochen oder Monate dauern" werde: "Das heißt für die Bürger: kaltes Wasser und, wenn die Heizperiode kommt, auch kalte Wohnung", sagte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom.

Verkehrswege: Massive Schäden an Autobahnen und Bundesstraßen

Die Schäden an Verkehrswegen sind so massiv, dass sie die Bewohner der betroffenen Gebiete und Berufspendler noch sehr lange an die Unwetter-Katastrophe erinnern werden. Nach den Überflutungen sind noch immer Autobahnen und Bundesstraßen in NRW gesperrt.

Bahnverkehr: Zugausfälle und Verspätungen

Bahnfahrer müssen sich nach der Unwetterkatastrophe für längere Zeit auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Ein erstes Lagebild ergab nach Angaben der Deutschen Bahn "massive Beschädigungen an mehr als 80 Stationen und Haltepunkten, Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, Weichen, Signaltechnik, Stellwerken, Brücken sowie Fahrzeugen des Regional-, S-Bahnverkehr- und Güterverkehrs".

So ist der Zugbetrieb in der Eifel nach wie vor weitgehend eingestellt. Die wichtige Strecke Köln - Wuppertal - Hagen - Dortmund ist seit Montagmorgen wieder frei.

Mobilnetz: Viele Funkstationen beschädigt oder zerstört

Ein großes Problem der vergangenen Tage stellten die Ausfälle im Mobilfunknetz dar. Allmählich entspannt sich die Lage: Der größte deutsche Mobilfunkanbieter Vodafone erklärte, dass nach den Unwettern im Südwesten Deutschlands noch ein Sechstel der Funkstationen vom Netz abgeschnitten sei. Viele Standorte seien stark beschädigt oder völlig zerstört worden. Eine Grundversorgung solle im gesamten Katastrophengebiet noch in der laufenden Woche wiederhergestellt werden.

Der zweitgrößte Mobilfunkanbieter Telefónica als Betreiber des O2-Mobilfunknetzes teilte mit, dass zwar alle Telefónica-Funkanlagen technisch intakt seien, vielerorts jedoch die Stromversorgung fehle. Insgesamt seien mehr als zwei Drittel der Standorte in den betroffenen Gebieten wieder ans Netz gegangen, die Zahl wachse "stündlich weiter an".

Die Deutsche Telekom teilt mit, dass inzwischen mehr als 80 Prozent ihrer zunächst ausgefallenen Mobilfunk-Standorte wieder am Netz seien. "In vielen Orten ist eine Grundversorgung mit Mobilfunk wieder gewährleistet", heißt es. Insgesamt seien im Telekom-Mobilfunknetz durch die Unwetter etwa 130 Standorte in den Krisenregionen in NRW und Rheinland-Pfalz ausgefallen. Im Festnetz sei die Lage noch nicht genau zu beziffern. "Es gibt Orte, in denen eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut werden muss."

Stand: 23.07.2021, 08:57

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