"Die Stadt säuft ab": Volle Keller und überflutete Straßen in NRW

"Die Stadt säuft ab": Volle Keller und überflutete Straßen in NRW

Starkregen, Gewitter und Hagel - in Teilen von NRW haben erneut Unwetter gewütet. Nicht nur im Ruhrgebiet und am Niederrhein musste die Feuerwehr wegen vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäume ausrücken.

Von seiner sommerlichen Seite hat sich das Wetter in NRW am Dienstagabend nicht präsentiert. Im Gegenteil: Immer wieder gab es in weiten Teilen des Landes Niederschlag sowie starke Gewitter. Eine amtliche Unwetterwarnung jagte die nächste.

Es entluden sich teils schwere Gewitter mit Starkregen. Teilweise fielen mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter und Stunde. Am intensivsten waren die Wolkenbrüche in Nettersheim in der Eifel mit 35 Litern in 60 Minuten am frühen Abend (17 bis 18 Uhr) und in Dortmund mit 39 Litern zwischen 22 und 23 Uhr.

Unwetter in NRW - Bilder aus den betroffenen Orten

Am Dienstagabend sind erneut Unwetter über NRW gezogen. Die Folge waren überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller.

Einige Fahrradfahrer fahren in Krefeld durch teilweise kniehohes Wasser.

Fahrradfahrer in Krefeld kamen bei den Fluten an ihre Grenzen.

Fahrradfahrer in Krefeld kamen bei den Fluten an ihre Grenzen.

Während des Unwetters liefen der Innenhof und die Sanitäranlagen der Kulturfabrik in Krefeld voll Wasser.

Eine überflutete Straße in Mönchengladbach.

Dieses Auto musste in Mönchengladbach von einem Abschleppdienst aus dem Wasser geborgen werden.

Allein in Krefeld gab es 2.000 Notrufe. 600 Mal rückte die Feuerwehr aus.

Ein Autofahrer kämpft in Krefeld mit den Wassermassen.

Eine weitere überschwemmte Straße in Krefeld.

Eine Unterführung in Düsseldorf-Rath stand unter Wasser und sorgte für eine Sperrung der Bahnstrecke.

Die Feuerwehr pumpt Wasser aus einem vollgelaufenen Keller ab.

Ein Mann in Essen kommt seinem Nachbarn im Neopren-Anzug zu Hilfe.

Im Kreis Euskirchen musste die Feuerwehr unzählige Male wegen vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäume ausrücken. Auch in Eschweiler bei Aachen liefen ein paar Keller voll. Im Köln-Düsseldorfer Raum war es im Freien ebenfalls teils nass und ungemütlich.

Notruf teilweise überlastet

Die Bochumer Feuerwehr sagte am Abend: Die Stadt säuft ab! Über zwei Stunden war der Notruf so überlastet , dass er kaum erreichbar war. Insgesamt gab es allein in Bochum fast 200 Einsätze. Aber auch in den benachbarten Städten Dortmund, Essen und Hattingen. Da floss das Wasser nicht mehr ab, stand einfach nur noch, floss in Keller und Tiefgaragen. Die Dortmunder Feuerwehr vermeldete mehr als 365 Einsätze, 380 Feuerwehrleute waren aktiv.

Auch in Düsseldorf gab es 160 Starkregeneinsätze. In Mönchengladbach meldete der Niersverband am späten Abend das Erreichen der Hochwasserstufe 1 für die Niers. Daraufhin wurden ein spezieller Einsatzplan aktiviert und Maßnahmen vorbereitet. Die A40 bei Essen war am Abend zeitweise gesperrt, weil das Wasser zu hoch stand.

Überflutungen in Krefeld

In Krefeld führte der Starkregen ebenfalls dazu, dass Keller, Straßen und Tiefgaragen geflutet worden, wie die Feuerwehr am Mittwochmorgen mitteilte. Dort habe eine Person zudem durch einen Sturz aufgrund der Wassermassen einen Knochenbruch erlitten. Bis 2 Uhr in der Nacht seien bereits mehr als 2.000 Anrufe in der Leitstelle der Feuerwehr Krefeld eingegangen, davon mehr als 800 Notrufe. Mehrere Anrufer meldeten, dass sie mit ihren Fahrzeugen in überfluteten Unterführungen, aber auch auf der offenen Straße in den Wassermassen stecken geblieben waren und sich nicht mehr aus eigener Kraft aus den Fahrzeugen befreien konnten.

Und auch für die Schülerinnen und Schüler in Krefeld blieb das Unwetter nicht ohne Folgen. Ein Gymnasium wurde in Teilen überflutet, der Unterricht fällt bis zu den Sommerferien aus. Auch an einer Förderschule gibt es einen Wasserschaden, weshalb sie nach Angaben der Stadt bis mindestens Donnerstag ebenfalls nicht benutzbar ist.

Vollgelaufene Keller und Straßen sorgten gestern Abend auch in Siegen-Wittgenstein für viele Feuerwehreinsätze. Im nördlichen Siegerland hatten die Einsatzkräfte besonders viel zu tun, zum Beispiel in Kreuztal-Ferndorf. Gullydeckel hielten den Wassermassen nicht mehr stand und überfluteten Straßen. In einem ehemaligen Krankenhaus in Kreuztal-Kredenbach lief das Wasser von außen durchs Treppenhaus in den Keller. Bis zu einem Meter hoch stand es in einem Heizungskeller eines Kreuztaler Lokals.

Verkehr massiv beeinträchtigt

In Eitorf verursachte der Dauerregen einen Hangrutsch an der Siegtalstrecke. Laut Feuerwehr lösten sich dabei auch etwa zehn knapp 400 Kilogramm schwere Felsbrocken, die auf die Fahrbahn der L 333 stürzten - zum Glück ohne Folgen für Menschen oder Fahrzeuge. Die Strecke von Hennef nach Windeck bleibt bis auf weiteres gesperrt.

Bei der Bahn sind die Hauptstrecken frei. Allerdings ist eine Nebenstrecke bei Herzogenrath wegen des Unwetters aktuell gesperrt. Dort können die RE18 und RB33 nicht wie gewohnt fahren.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Gewitterwolken über Münster

Schon am Montag hatte sich das schwül-warme Wetter in NRW mit Temperaturen von bis zu 30 Grad in schwere Gewitter entladen. Nach Angaben des WDR-Wetterexperten Jürgen Weiß blitzte und donnerte es am Montagnachmittag vom Ruhrgebiet bis nach Ostwestfalen, außerdem in der Region Sauerland und Siegerland sowie in Teilen des Münsterlandes und am Niederrhein.

Die Gewitter gingen teils mit Starkregen, Hagel und Sturmböen einher. In Borken kamen nach Angaben von Jürgen Weiß 35 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, in Bocholt waren es 31 Liter pro Quadratmeter.

Wetter-Aussicht für NRW: Keine Unwetter, aber Regen

In Nordrhein-Westfalen bleibt es auch in den kommenden Tagen grau und nass. Nach den starken Unwettern kommt es auch am Mittwoch bei vielen Wolken am Himmel gebietsweise zu Schauern. Am Mittag und Nachmittag werden die Schauer häufiger, bevorzugt in der Nähe zu Hessen und Rheinland-Pfalz kann es auch noch Gewitter geben. Die Temperaturen liegen bei 16 bis 20 Grad.

Auch am Donnerstag und Freitag werden weiterhin dichte Wolken über Nordrhein-Westfalen erwartet. Bei Temperaturen bis zu 19 Grad kann es stellenweise regnen. Am Freitag komme es dann erneut zu einzelnen Gewittern. 

So verhalten Sie sich richtig bei Unwettern

Schließen Sie bei Unwettern alle Fenster und Türen. Sichern Sie Gegenstände im Freien. Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien. Verlassen Sie nicht das Haus und suchen Sie sichere Räume auf. Stellen Sie Fahrzeuge nach Möglichkeit in die Garage.

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Bei Blitzschlag besteht Lebensgefahr. Es sind unter anderem verbreitet schwere Schäden an Gebäuden möglich. Bäume können entwurzelt werden und Dachziegel, Äste oder Gegenstände herabstürzen.

Stand: 30.06.2021, 20:31

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