Neue Vorwürfe im Corona-Skandal um Tönnies

Neue Vorwürfe im Corona-Skandal um Tönnies

  • Neue Vorwürfe um Tönnies
  • Fahrer in Quarantäne lieferten Waren aus
  • Konzern verstrickt sich in Widersprüche

Im Corona-Skandal um den Fleischkonzern Tönnies gibt es neue Vorwürfe: Fahrer einer Spedition sollen nach WDR-Recherchen am 20. Juni 2020, einem Samstag, per SMS Tourenaufträge erhalten haben, die am Sonntag (21.06.2020) starteten.

Das Brisante: Diese Fahrer am Standort Rheda-Wiedenbrück standen eigentlich - wie alle anderen - unter Quarantäne. Sie wurden indes doch losgeschickt, um Waren auszuliefern.

Ein Tönnies-Sprecher sagte dazu, dass an besagtem Sonntag 14 Touren von außerhalb des Betriebsgeländes gestartet sind. Die Fahrer seien noch am selben Tag aufgefordert worden, ihre Tour zu beenden.

Über die Tourdaten, Kunden und Zielorte wollte der Sprecher keine Auskunft geben. Dass die Fahrer überhaupt losgeschickt wurden, erklärt das Unternehmen in einer Email mit Unklarheiten über den Status der Fahrer am Wochenende.

Corona-Hotspot Fleischindustrie

WDR 5 Presseclub 28.06.2020 57:18 Min. Verfügbar bis 28.06.2021 WDR 5

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Kreis Gütersloh will der Sache nachgehen

"Nachdem geklärt werden konnte, dass hier eine Quarantäne vorliegt, wurden die Touren gestoppt", sagte ein Tönnies-Sprecher. Damit widerspricht sich das Unternehmen selbst, denn zuvor hatte ein Sprecher dem WDR geschrieben, dass die Quarantäne bereits am Samstag (20. Juni) geklärt gewesen sei.

Der Kreis Gütersloh will der Sache nun nachgehen. "Wenn das so ist, wird es eine Ordnungsverfügung geben, ein Bußgeld oder sonst etwas", sagte Landrat Georg Adenauer (CDU) dem WDR.

Lkw sorgten in den Niederlanden für Aufsehen

Am gleichen Wochenende hatten Tönnies beziehungsweise Lkw der zum Konzern gehörenden Spedition Tevex in den Niederlanden für ein gewisses Aufsehen gesorgt. Auf einem Umschlagplatz für Obst und Gemüse in Venlo tauchten am Samstag zuerst vereinzelt, dann über die Tage bis zu 80 Lkw mit Aufliegern von Tönnies und Tevex auf.

Fahrer des Spediteurs Matthias Weiße machen Fotos und Videos. Sie stellen sich Fragen: Corona-Alarm in Gütersloh und hier sitzen Fahrer vor ihren Tönnies-Anhängern?

Der WDR fragte nach: Die Tönnies-Anhänger waren zu einem Geschäftspartner in die Niederlande gebracht worden. Der hatte die Ware umgepackt und für die Kunden zusammengestellt. Wer aber sind die Fahrer? Wegen der Quarantäne schreibt Tönnies: "... haben dritte Logistikunternehmen die Fahrten für uns ausgeführt. […] Die Fahrer stehen bei diesen Aufgaben in keinem persönlichen Kontakt, da lediglich die Auflieger angedockt und abgedockt werden.

Gewerkschafter: Regelmäßige Zusammenarbeit mit externen Logistikpartnern

Externe Logistikpartner - mit solchen arbeitet Tönnies regelmäßig zusammen. Das weiß Gewerkschafter Michael Wahl, der speziell Arbeitskräfte in der Logistikbranche betreut. Er sagte, die externen Fahrer hielten sich auf dem Werksgelände auf, seien mit anderen Mitarbeitern in Kontakt.

Gegenüber dem WDR betonte Wahl: "So wie wir die Fahrer immer wieder sprechen, erzählen sie uns, dass sie in die Betriebsabläufe genauso eingebunden sind, wie die Fahrer von Tevex-Deutschland." Die Anstellungsbedingungen bei den Subunternehmen seien einfach schlechter. Man entledige sich einem Teil der Verantwortung. "Und das ist ein System, das wir in der ganzen Logistik kennen, das sich sehr stark dem ähnelt, was wir aus der Fleischindustrie kennen", so Wahl.

Corona-Entwicklung in den Kreisen Warendorf und Gütersloh

WDR 5 Westblick - aktuell 29.06.2020 04:55 Min. Verfügbar bis 29.06.2021 WDR 5

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Stand: 30.06.2020, 18:35

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