Unicef warnt vor Masern - auch viele Fälle in NRW

Das Bild zeigt eine Impfspritze und Masern-Schriftzug.

Unicef warnt vor Masern - auch viele Fälle in NRW

Von Claudia Wiggenbröker / Sabine Meuter

  • Unicef: Masern ansteckender als Ebola
  • Ziel der Elimination bisher verfehlt
  • Impfverzögerungen globale Gesundheitsbedrohung

Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef warnt vor einer deutlichen Zunahme von Masernfällen, wie aus einem Bericht von Freitag (01.03.2019) hervorgeht. Weltweit seien im vergangenen Jahr in 98 Ländern mehr Erkrankungen registriert worden als noch 2017.

Nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen hat es in den ersten sieben Wochen des Jahres 2019 insgesamt 63 Masern-Fälle in NRW gegeben. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres gab es lediglich drei Fälle.

Eigentlich hatte sich Deutschland das Ziel gesetzt, Masern bis 2015 zu eliminieren. Das ist dann der Fall, wenn im Jahr weniger als eine Person pro eine Million Einwohner erkrankt. Sprich: In Deutschland dürften weniger als 82 Fälle auftreten. Allerdings haben sich 2018 schon allein in NRW mehr als 200 Personen mit Masern infiziert.

Unicef spricht von Weckruf

Laut Unicef-Direktorin Henrietta Fore ist die steigende Anzahl von Fällen "ein Weckruf". Masern seien ansteckender als Ebola, Tuberkulose oder Virusgrippe. Wenn heute keine Maßnahmen ergriffen würden, würde dies "Folgen für die Kinder von morgen haben".

Fore betont, dass es wirksame Impfmaßnahmen gegen das Virus gebe. Insbesondere für Kinder könne der Schutz lebensrettend sein. Mehr Fälle sind laut Unicef vor allem in der Ukraine, auf den Philippinen und in Brasilien aufgetreten.

Mitte Februar hatte bereits die Weltgesundheitsorganisation WHO Alarm geschlagen: Sie geht davon aus, dass 2018 weltweit mehr als zwei Millionen Menschen an Masern erkrankt sind. Viele Fälle würden allerdings nicht gemeldet.

Köln und Duisburg Masern-Hochburgen

In NRW gab es vor allem in Köln und Duisburg Infizierte. 107 Personen erkrankten in der Domstadt, 36 in Duisburg. Insgesamt schlug die Viruserkrankung bei 209 Personen zu.

Die positive Nachricht: Das waren 60 Prozent weniger Fälle als noch im Jahr 2017, als 520 Erkrankte gemeldet wurden. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) folgen auf stärkere Jahre aber oft schwächere: Nach großen Ausbrüchen steigt die Immunität, somit können sich die Viren weniger gut verbreiten.

Impfgegner oder -vergesser "Gesundheitsbedrohung"

Die Zahl der Masernfälle ist laut RKI immer wieder hohen Schwankungen unterworfen. Grund dafür sind auch Impflücken: Häufig erkranken junge Erwachsene, die in ihrer Kindheit keinen Impfschutz erhalten haben. Die WHO wertet die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen mittlerweile sogar als eine von zehn globalen Gesundheitsbedrohungen.

Masernviren können tödlich sein: Im schlimmsten Fall kann es zu Lungen- und Hirnentzündungen kommen. Erste Symptome sind Fieber, Schnupfen und Husten sowie ein rötlicher Ausschlag.

Kita-Träger in Essen führt Impfpflicht ein

WDR 2 15.02.2019 03:03 Min. WDR 2

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Stand: 01.03.2019, 17:50

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