Unfälle durch illegale Rennen in NRW fast verdoppelt

Unfälle durch illegale Rennen in NRW fast verdoppelt

Von Sabine Tenta

  • Bis Ende September bereits 59 Unfälle
  • Im gesamten Jahr 2017 gab es 31 Unfälle
  • Ein Blick auf die Raser- und Tuner-Szene in NRW

In den ersten drei Quartalen 2018 hat die Polizei in NRW 329 illegale Autorennen dokumentiert und 59 daraus resultierende Unfälle. Zum Vergleich: Für das ganze Jahr 2017 waren es 304 illegale Rennen und 31 Unfälle. Damit hat sich die Unfall-Zahl in der ersten neun Monaten fast verdoppelt.

Und das, obwohl im Oktober 2017 das Gesetz verschärft und aus einer Ordnungswidrigkeit eine Straftat wurde. Bis Ende September 2018 wurden in NRW 327 Strafanzeigen wegen des neuen Paragrafen erstattet. Die vorläufige Bilanz teilte die Polizei dem WDR auf Anfrage mit.

Wie ist der Anstieg zu erklären?

Eine abschließende Auswertung dieser vorläufigen Jahresbilanz gibt es noch nicht. Aber denkbar und durchaus plausibel ist die Erklärung, dass die Polizei durch den neuen Paragrafen für die Straftat sensibilisiert wurde und nach einem Unfall mit erhöhter Geschwindigkeit verstärkt in diese Richtung ermittelt.

Wie ist der Anstieg der Zahl der Unfälle durch illegale Autorennen zu erklären?

WDR 3 30.11.2018 02:07 Min. Verfügbar bis 30.11.2019 WDR 3

Sondereinheiten der Polizei

Die Polizei hat zudem die Kontrollen erhöht. Sie schätzt, dass es 2018 in ganz NRW rund 100 Kontroll-Einsätze sein werden. Und es gibt in Köln und Düsseldorf Sondereinheiten der Polizei mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

In Düsseldorf ist vor allen Dingen die Poser-Szene aktiv. Sie ist im Visier der "AG Tuning" der Polizei. In Köln gibt es die "Ermittlungsgruppe Rennen". Sie war die erste Sondereinheit dieser Art in Deutschland.

In Köln sind die illegalen Rennen ein besonderes Problem. Mehrere Menschen sind hier durch Raser-Unfälle gestorben.

Unterschiede zwischen Raser- und Tuner-Szene

Nach Auskunft der Polizei (LZPD NRW) ist die Raser-Szene vorwiegend städtisch geprägt und besonders in der Rhein- und Ruhrregion aktiv. Die Tuner-Szene sei hingegen auf dem Land und in der Stadt anzutreffen.

Die Raser-Szene sei ganzjährig aktiv, während das Posen mit aufgemotzten Autos eher ein "Schönwetter-Phänomen" sei. Hauptsaison sind hier das Frühjahr und der Sommer. Traditioneller Auftakt der Szene ist Ostern mit dem "Car-Freitag".

Zwischen beiden Gruppen gibt es eine Schnittmenge.

Kampf gegen Raser - Was wirkt?

WDR 5 Leonardo Top Themen 22.06.2018 07:16 Min. Verfügbar bis 21.06.2023 WDR 5

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Jung, männlich, nachtaktiv

Laut LZPD gibt es folgende Täter-Typologie: Meist Männer zwischen 18 und 27 Jahren, die sich innerorts Rennen liefern über das ganze Jahr verteilt. Der Schwerpunkt ist am Wochenende, vorwiegend zwischen 19 und 2 Uhr. Dabei liegt "in den seltensten Fällen Alkohol- und/oder Drogenkonsum vor."

Präventionsarbeit der Polizei

Neben Kontrollen setzt die Polizei auf Prävention: In "Crashkursen" berichten Angehörige von Unfallopfern in Schulen über ihr Leid.

Stand: 30.11.2018, 11:51

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Berufspendler 01.12.2018, 07:14 Uhr

    Und Abends werden auch die Autobahnen im Ruhrgebiet zur Rennstrecke. Und das waren am Donnerstag Abend tiefgelegte Sportflitzer, die mit 200 über eine A40 oder A42 fliegen. Da sollte man bei Gelegenheit auch hinschauen und gut aufpassen....

  • 3 Eric Leyden 30.11.2018, 19:50 Uhr

    Dass sind doch in erster Linie Leute mit einem Macho-Ego und die sonst nichts in der Birne haben. Wenn sie erwischt werden, Führerschein und Auto wegnehmen. Außerdem sollten diese Idioten den Idiotentest machen.

    Antworten (1)
    • Thomas HausE 30.11.2018, 22:43 Uhr

      Das mit dem Auto wegnehmen ist oft so eine Sache, denn das Tatwerkzeug stammt oftmals von einem Autoverleiher. Solche hochmotorisierten Fahrzeuge dürften nur an Personen über 30 verliehen werden, die gehören meist nicht mehr zur Raserscene.

  • 2 Anton 30.11.2018, 19:23 Uhr

    Rennen fahren im Straßenverkehr muß nicht sein. Aber ich freue mich immer, wenn hier die schönen Autos vorbeikommen. Und was die Poser betrifft: Am liebsten Motorradfahrer. An der Ampel kräftig aufdrehen und den Auspuff knallen lassen - geil!

  • 1 die Mitmenschen 30.11.2018, 15:19 Uhr

    Dem einen ebenso wie dem anderen fehlt die Rücksicht. Die Raser bringen andere um, die Poser sorgen durch Lärmbelästigung und Umherschleichen für Verkehrschaos, Schlaflosigkeit und Umweltschäden. Wer intellektuell nicht in der Lage ist, sich einen heilen Auspuff einzubauen, kurze Wege zu Fuß zu gehen und einen zügigen Verkehrsfluss zu gewährleisten, sollte auf Rollator zwangsumgeschult werden.

    Antworten (2)
    • Sf 30.11.2018, 17:49 Uhr

      Das muss differenziert betrachtet werden. Ich erlebe jeden Tag, wie rücksichtslos die meisten fahren, bspw auf meinem Weg zur Arbeit und zurück. Die wenigsten halten bspw den Sicherheitsabstand ein und scheinen sich der Gefahren auch nicht bewusst zu sein. Diese Leute scheinen zu denken, sie hätten es im Griff. Das eint sie mit Rasern, die innerorts die Regeln brechen und Menschen gefährden. Tuner hingegen lassen ihre Fahrzeuge wahrscheinlich weitestgehend vom TÜV abnehmen. Und ja, es gibt eine Schnittmenge. Jeder sollte sich fragen, ob er sich jederzeit an die Regeln hält, gelbe /rote Ampel, Abstand, blinken, Rechtsafahrgebot. Schon alleine das letzte... Wie oft brechen Sie das?

    • rechtsfahrgebot 01.12.2018, 12:40 Uhr

      Wie oft ich das Rechtsfahrgebot breche? Kann ich Ihnen sagen: gar nicht. Und glücklicherweise die meisten anderen auch nicht, mit wenigen Ausnahmen. Aber sonst gibt es dafür ja die Lichthupe oder die restlichen Fahrstreifen. Im Übrigen : bei den Minderbemittelten mit kaputten Auspuff muss ich gar nicht differenzieren. Schlaue Leute lassen das Auto reparieren, statt endlos um den Block zu dröhnen. Un es lässt sich auch nicht rechtfertigen durch andere Verkehrsteilnehmer, die eine mangelnden Überblick haben. Ich sage ja auch nicht: da vorne hat jemand ein Bonbonpapier fallen gelassen, also kack ich auf die Straße und raube die Sparkasse aus!

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