Der umweltfreundlichste Klimagipfel aller Zeiten?

Die Zeltstadt auf dem Gelände der Klimakonferenz.

Der umweltfreundlichste Klimagipfel aller Zeiten?

  • Bundesregierung will umweltfreundlichsten Gipfel ausrichten
  • Umweltschützer kritisieren Dieselgeneratoren und Ölheizungen
  • Forderung nach geringerer Teilnehmerzahl

Der Weltklimagipfel in Bonn geht in die zweite Woche. Busse mit Elektroantrieb bringen die Delegierten vom Hotel zum Tagungszentrum am Rhein. Dort können sie auf eines von hunderten Leihfahrrädern umsteigen. "Wir haben uns vorgenommen, die umweltfreundlichste Klimakonferenz auszurichten, die es jemals gegeben hat", sagt der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth.

"Ein umweltneutraler Gipfel ist nicht möglich"

Doch wie umweltfreundlich kann eine Klimakonferenz überhaupt sein, zu der rund 27.000 Delegierte und Akkreditierte aus mehr als 190 Ländern anreisen? "Bei solchen Gipfeln stößt man immer an seine Grenzen", sagte der NABU-Klimaschützer Sebastian Scholz am Montag (13.11.2017) dem WDR. Einen umweltneutralen Gipfel zu veranstalten, sei gar nicht möglich.

Pavillion

Die Zelte stehen in der Kritik

In Bonn kritisiert Scholz vor allem die aufgebaute Stadt aus Zelten. Diese seien nicht gut isoliert. Für Wärme sorgen Dieselgeneratoren und Ölheizungen. "Bonn hat als Konferenzstandort sicher Charme durch seine staatstragende Wirkung", gibt Scholz zu. Das World Conference Center Bonn und die umliegenden Gebäude seien für die hohe Zahl der mehr als 27.000 Konferenzteilnehmer aber zu klein. "Ein Messegelände wäre hier besser geeignet."

Kaffee aus Pappbecher

Als weitere "Umweltsünden" des Gipfels führt Klimaexperte Scholz mobile Laternen, die ebenfalls über Dieselgeneratoren betrieben werden, und Einwegkaffeebecher an, die an die Konferenzteilnehmer ausgegeben würden.

Dabei hatte das Bundesumweltministerium auf dem Weg zum umweltfreundlichsten Gipfel aller Zeiten bereits viele Punkte beachtet. Dazu hatte man EMAS, ein System für nachhaltiges Umweltmanagement miteinbezogen, das alle wichtigen Umweltaspekte der Konferenz beachten soll.

So haben die Konferenzteilnehmer gelbe und blaue Mehrwegflaschen erhalten, die sie an Wasserstationen unbegrenzt auffüllen können.

Die meisten Dokumente und Berichte gibt es nicht mehr per Ausdruck, sondern oft nur noch online. Selbst beim Catering haben die Veranstalter auf den ökologischen Fußabdruck geachtet. Überwiegend vegetarisch, ökologisch und regional sind die Angebote.

Konferenz zu aufgeblasen?

Die größte Umweltsünde stellt - wie bei jedem Gipfel - die Anreise der Delegierten dar. Bei nicht zu verhindernden Emissionen setzt man auf Kompensationszahlungen, etwa Fördermittel für nachhaltige Umweltschutzprojekte. Bei 27.000 Delegierten dürfte hier einiges zusammenkommen.

Für NABU-Klimaschützer Scholz könnten die Delegationen deutlich kleiner sein. "15.000 Teilnehmer sind mehr als genug", sagt Scholz. Dabei müssten sie immer noch ausreichend groß sein, um bei den vielen verschiedenen Verhandlungssträngen mit Expertise mitreden zu können. "Man kann nur gut mitverhandeln, wenn man genug Kenntnisse in den Bereichen hat."

Stand: 13.11.2017, 16:14