Fahren wir weniger Auto? Tankstellen-Umsatz gesunken

Stand: 05.05.2022, 06:00 Uhr

Die Tankstellen vermelden weniger Umsatz. Fahren die Deutschen also wegen der gestiegenen Kraftstoffpreise doch weniger Auto? Einige Zahlen sprechen dafür.

Die stark gestiegenen Benzinpreise haben offenbar Wirkung auf die deutschen Autofahrer. Der Umsatz an den Tankstellen ist laut einer Meldung des Statistischen Bundesamtes deutlich zurückgegangen: "Im Zuge der enormen Steigerungen der Kraftstoffpreise im März 2022 verzeichneten die Tankstellen im Vergleich zum Vormonat einen realen Umsatzrückgang von 11,5 Prozent", schreiben die Statistiker.

11,5 Prozent, das ist durchaus markant. Fahren die Deutschen also doch weniger Auto, weil die Preise so stark gestiegen sind? Es sieht tatsächlich danach aus. Das WDR-Verkehrsstudio registriert beispielsweise einen Rückgang der Staus in NRW, seit die Benzinpreise so stark gestiegen sind.

Weniger Staus auch in NRW

Dabei hatte sich nach der pandemiebedingten Ruhe auf den Autobahnen der Verkehr gerade wieder auf das Niveau vor Corona eingepegelt. "Seit der Sprit so teuer ist, gehen die Staus wieder zurück", sagte Frank Schewe vom WDR-Verkehrsstudio. "Es gibt sicher viele, denen der Sprit derzeit zu teuer ist und die nach Alternativen suchen."

Oster-Reiseverkehr weit unter dem Niveau von 2019

So wurden in Nordrhein-Westfalen über Ostern 2022 zwar wieder deutlich mehr und längere Staus registriert als vor einem Jahr. An die Länge der Staus vor der Pandemie kam Ostern 2022 aber bei weitem nicht heran.

2019 zählte der ADAC in NRW über Ostern fast 3.800 Staukilometer. In diesem Jahr waren es nur 1.551 Staukilometer. Und das, obwohl die klassischen Urlaubsländer wie die Niederlande, Frankreich und Östereich mit ihren Stränden und Skipisten wieder frei zugänglich waren.

Autofahrer geben weiter Gas

Sprit und damit Kosten könnten Autofahrer, indem sie weniger stark aufs Gas drücken. Einfach langsamer fahren, scheint aber aber für viele trotz des Ärgers über die Benzinpreise keine Option zu sein. Das legen auf jeden Fall die Verkehrsdaten von Navi-Anbietern nahe.

Bahn vermeldet steigende Fahrgastzahlen

Viele Menschen steigen offenbar auch auf die Bahn um - die vermeldet nämlich hohe Fahrgastzahlen. Rund 1,8 Millionen Reisende haben am Osterwochenende die Fernzüge der Deutschen Bahn genutzt. Damit übertraf die Bahn nach eigenen Angaben die Zahlen von Ostern 2019 - also vor der Pandemie - um 20 Prozent.

Weniger Autofahrer bedeutet weniger Belastung für das Klima. Es gibt aber Millionen Deutsche, die wegen ihrer Wohnlage auf ein Auto angewiesen sind. Und die stellen sich natürlich die Frage: Wie kann ich die Mehrkosten beim Tanken in Grenzen halten?

Viele Möglichkeiten, Benzin zu sparen

Einen Teil der gestiegenen Kraftstoffpreise können Autofahrer durch veränderte Verhaltensregeln tatsächlich wieder reinholen. Mit dem richtigen Reifendruck wird weniger Benzin verbraucht, vorausschauendes Fahren hilft auch. Dabei sollte die Motorbremse so lange wie möglich genutzt werden - frühzeitig vom Gas gehen und nicht abrupt abbremsen.

Wer voraussichtlich länger als 20 Sekunden still steht, sollte den Motor abschalten. Zudem kann das Abschalten der elektronischen Geräte im Auto Sprit sparen, denn auch Klimaanlage und Standheizung verbrauchen Kraftstoff. Kurze Strecken sollten sowieso nicht mit dem Auto zurückgelegt werden. Beim Tanken hilft es, morgens anstatt abends zu tanken. Auch eine Spritpreis-App hilft, eine günstigere Zapfsäule zu finden.

Eine Hoffnung bietet auch das Bundeskartellamt, das vor drei Wochen eine Sektoruntersuchung gegen Raffinerie-Betreiber und Großhändler einleitete. Es geht dabei um mögliche Preisabsprachen. Die Ergebnisse stehen aber noch aus. Ab Juni will die Bundesregierung mit einer Steuersenkung die Spritpreise drücken. Diese Senkung soll dann für drei Monate bis Ende August gelten.

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