Russlands Präsident Wladimir Putin sitzt allein an einem weißen Tisch

Ihre Fragen zum Krieg in der Ukraine: Was treibt Putin an?

Stand: 04.03.2022, 06:00 Uhr

Wir beantworten Ihre Fragen zur Lage in der Ukraine. Dieses Mal: Was treibt Wladimir Putin an? Und wie weit wird der russische Präsident noch gehen?

Von Elisa Sobkowiak

Aus unmittelbarer Nähe sieht im Moment wohl kaum jemand den russischen Präsidenten. Hielt sich in den vergangenen Tagen und Wochen jemand mit ihm in einem Raum auf, stand meist ein meterlanger Tisch zwischen Wladimir Putin und seinem Gegenüber.

Befragt man die Menschen hierzulande zum Ukraine-Krieg, ist es nicht nur räumliche, sondern vor allem moralische Distanz zu Putin, die sie umtreibt:

"Wieso macht der Putin das?" Malwina Dudek
Ihre Fragen zum Krieg in der Ukraine: Malwina Dudek

Malwina Dudek

Mit "das" sind die Angriffe auf die Ukraine gemeint. Die Waffen-Drohungen in seinen Video-Botschaften. Gemeint ist der Krieg.

Was treibt Putin an?

Thomas Roth hat beinahe zehn Jahre in Russland gelebt, war Korrespondent und ARD-Studioleiter in Moskau – und hat ebenfalls keine Antwort auf die Frage, was Putin antreibt. "Wenn ich das wüsste – leider bin ich kein Psychologe." Roths These: Putins Antrieb sei es vor allem, die Ukraine nicht als eigenen Staat fortbestehen zu lassen.

Das ist unter anderem historisch begründet. Der Zerfall der Sowjetunion war in den Augen Putins eine "geopolitische Katastrophe" - so hat er es in seiner "Rede zur Lage der Nation" im Jahr 2005 benannt. Daher rührt vermutlich sein Plan, Russlands Rolle in der Welt wieder zu stärken. Von der Osterweiterung der NATO fühle er sich provoziert, von der Ukraine sogar unmittelbar bedroht, so Roth.

Was will Putin eigentlich?

Putin will die Ukraine nach eigenen Angaben "entnazifizieren" und "entmilitarisieren". Dahinter dürfte in Wahrheit der Wunsch stehen, das Führungspersonal in Kiew auszutauschen – und zu verhindern, dass die Ukraine der NATO beitritt.

Thomas Roth

Roth erklärt das so: "Was er will, ist, den Großmachtraum wiederherzustellen – also den Raum, von dem er denkt, dass er Russland historisch oder politisch zusteht." Dies versuche Putin mit einer Brutalität, die sich Roth bislang nicht vorstellen konnte.

Wie weit wird Putin noch gehen?

Für Thomas Roth ist es nicht ausgeschlossen, dass Russland nach der Ukraine auch weitere osteuropäische Länder angreifen könnte. Prädestiniert dafür seien etwa Moldawien, ein Nachbarland der Ukraine, oder die baltischen Staaten (die der NATO angehören). Darüber hinaus "alle, die nicht unter dem Schutzschirm der NATO stehen", so Roth.

Dass Putin vor wenig zurückschreckt, habe er bereits in der Vergangenheit bewiesen – das machte Ex-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf Twitter deutlich.

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Ist Putin noch zu stoppen?

Es klingt paradox - aber die aktuelle Aggression könnte Putin letztlich zu Fall bringen, sagt der frühere Korrespondent Roth. "Was wir sehen, ist der Anfang vom Ende des Regimes. Das zweitgrößte Land Europas auf Dauer besetzt zu halten, halte ich für wenig aussichtsreich."

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, in der Kulisse einer Talkshow

Norbert Röttgen

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte im WDR, Putins Strategie bestehe darin, Angst zu schüren - und dem müsse der Westen entgegentreten. "Er möchte die Menschen ängstigen, damit wir es uns nochmal überlegen. Wollen wir wirklich der Ukraine, die Putin gerade überfallen hat, helfen, oder glauben wir nicht, wir sollten unsere eigene Haut retten und die Ukraine im Stich lassen?" Es sei außerdem wichtig, dass auch die Russinnen und Russen erfahren, was wirklich in der Ukraine geschehe.

Auch wenn es aktuell noch keine Anzeichen dafür gibt, dass die russische Armee, der Inlandsgeheimdienst oder einflussreiche Wirtschaftsführer gegen den Präsidenten aufbegehren - der ehemalige Korrespondent Roth hat zumindest ein wenig Hoffnung auf ein Ende des Leids in der Ukraine: "Ich glaube fest daran, dass Putin scheitern wird. Es ist nur die Frage, wann."

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