der ukrainische Präsident Selenskyj und Papst Franziskus stehen nebeneinander und unterhalten sich

Papst und Woelki: Umstrittenes Gebet für Russland und Ukraine

Stand: 25.03.2022, 18:13 Uhr

Papst Franziskus hat ein seltenes und umstrittenes Kirchenritual durchgeführt: Er hat in Rom "Russland und die Ukraine dem Unbefleckten Herzen Mariens" geweiht - eine alte Tradition zum Teil mit antirussischen Klischees.

Papst Franziskus wollte am Freitag mit diesem alten Ritual ein Zeichen im Ukraine-Krieg setzen. Zuvor hat der Papst alle Bischöfe der Welt eingeladen, sich ebenfalls daran zu beteiligen. In Deutschland hat Kardinal Rainer Maria das Weihegebet am Freitag um 17 Uhr im Kölner Dom gesprochen.

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Umstrittenes Ritual

Das Ritual ist auch innerhalb der katholischen Kirche umstritten. "Die Vorstellung, dass man Russland dem Unbefleckten Herz Mariens weihen müsse, hat eine längere Tradition", sagte der Dogmenhistoriker Michael Seewald von der Uni Münster. Sie gehe im Ursprung auf Berichte über Marienerscheinungen in Fatima in Portugal im Juli 1917 zurück.

Eine Anweisung der sogenannten "Seherkinder" von Fatima lautete, Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. "Unbefleckt" bezieht sich auf die katholische Lehre, dass Maria, die Mutter von Jesus, frei von Sünde gewesen sei.

Neu ist die Einbeziehung der Ukraine

"Dahinter steckte, dass der russische Zar kurz zuvor in der Februarrevolution von 1917 abgesetzt worden war", sagte Seewald. "Damals gab es in Westeuropa die Befürchtung, dass Russland vom christlichen Glauben abfallen könnte." Das Gebet sei später im Kalten Krieg noch mehrfach wiederholt worden. "Dabei spielten auch antirussische Klischees eine Rolle."

Neu sei jetzt, dass sowohl Russland als auch die Ukraine dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden sollten. Aber auch das sei nicht unproblematisch: "Man verfügt ja gleichsam über jemand anderen und übereignet diesen zwangsweise einer himmlischen Gestalt."

Am Mittwoch hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Papst Franziskus als Vermittler vorgeschlagen. In einer Videobotschaft erklärte er, er habe das Oberhaupt der katholischen Kirche "gebeten, in diesem sehr wichtigen Moment in unser Land zu kommen". Er glaube, "dass wir diesen wichtigen Besuch organisieren können, der jedem von uns, jedem Ukrainer, eine bedeutende Unterstützung bietet".

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