Zwei Frauen ziehen ihre Koffer, im Hintergrund Männer mit orangefarbenen Westen

Ihre Fragen zum Krieg in der Ukraine: Was wird aus den Flüchtlingen?

Stand: 05.03.2022, 06:00 Uhr

Wir beantworten Ihre Fragen zur Lage in der Ukraine. Dieses Mal: Was wird aus den Flüchtlingen? Und wie will die EU Geflüchtete aus der Ukraine schützen?

Von Borhan Akid

Lange und laut haben Politikerinnen und Politiker hierzulande und in der EU betont, dass sich der "Flüchtlingssommer" von 2015 nicht wiederholen dürfe. Nun ist er wieder da, nur diesmal ist es Winter.

"Was wird aus den Geflüchteten?" Renate Adach
Renate Adach, Frau mit blauem Schal, weißer Maske und Kurzhaar-Frisur.

Renate Adach

Nach Angaben der Uno sind bereits mehr als eine Million Menschen vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. Vor allem nach Polen, aber auch nach Litauen, Rumänien, in die Slowakei und einige nach Deutschland.

Wie ist die Situation an den Grenzen zur Ukraine?

Allein in Polen sind nach Angaben des polnischen Grenzschutzes über 670.000 Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. "Immer mehr und mehr Frauen mit Kindern kommen, Frauen, die gar nicht ihre eigenen Kinder dabeihaben, sondern vielleicht die Kinder der Schwester und der Nachbarin", sagt Isabel Schayani. Die WDR-Korrespondentin berichtet zurzeit von der polnisch-ukrainischen Grenze.

Moldau, Rumänien, Ungarn und die Slowakei haben bislang gemeinsam knapp über 400.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Nun hoffen die Länder auf finanzielle Unterstützung der EU.

Wie will die EU Geflüchtete schützen?

Ukrainische Flüchtlinge steigen in einen Bus, nachdem sie die Grenze zu Polen überquert haben

EU verspricht Schutz

Anders als im Sommer 2015 ist die EU dieses Mal schnell und zeigt sich handlungsfähig. Die Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, Kriegsflüchtlinge schnell und unkompliziert in die EU aufzunehmen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach anschließend von einem historischen Moment. "Es ist heute gelungen, dass wir uns in einer wichtigen Frage geeinigt haben."

Nun sollen alle Geflüchteten aus der Ukraine mindestens ein Jahr Schutz der EU bekommen – ohne Asylverfahren. Sie erhalten eine Arbeitserlaubnis, Krankenversicherung und Zugang zu Bildung und Sozialhilfe. Wie die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, auf Twitter mitteilte, wird Deutschland allen Geflüchteten aus der Ukraine einen schnellen Schutz gewährleisten.

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Kommen die Geflüchteten jetzt alle nach Deutschland?

Isabel Schayani an der polnisch-ukrainischen Grenze

Viele bleiben erst einmal in Grenznähe

Das ist noch nicht klar - jedenfalls ist der Druck nicht so hoch wie bei den direkten Nachbarländern der Ukraine. "Wir haben gestern mit zwei oder drei Menschen gesprochen, die auch nach Deutschland weiterwollten, weil sie jemanden kennen", so die Journalistin Schayani.

Nach Erkenntnissen der Bundespolizei sind in Deutschland etwas mehr als 18.000 Geflüchtete aus der Ukraine eingetroffen. Allerdings könnte die tatsächliche Zahl höher liegen, weil aktuell keine Grenzkontrollen stattfinden.

Wo kommen die Leute jetzt in NRW unter?

Bislang kamen die meisten Flüchtenden aus der Ukraine in NRW vor allem privat unter. Auch in NRW-Städten haben sich erste Flüchtlinge aus der Ukraine gemeldet. Die Städte erwarten einen Anstieg. "Wir hoffen sehr, dass diese Familien hier Ruhe finden", sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) beim Besuch einer Unterkunft in Unna-Massen. Die Kinder könnten hier wieder Kinder sein.

NRW bietet in Einrichtungen im Moment 4.000 Plätze an. Anders als andere Asylsuchende müssen die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht zuerst in die Landeseinrichtungen gehen – sie dürfen in den Kommunen also sofort nach eigenen Wohnungen suchen.

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