Liana Demchenko aus Bielefeld

Ukrainer in NRW sind geschockt: "Man kann nur weinen!"

Stand: 25.02.2022, 09:06 Uhr

Russland hat mit dem Angriff auf die Ukraine begonnen - und schockt damit die Welt. In NRW leben 30.000 Menschen mit ukrainischem Pass. Diejenigen, mit denen wir gesprochen haben, sind fassungslos.

Von Sabine Meuter

Die Gefühlswelt ist völlig durcheinander bei den hierzulande lebenden Deutsch-Ukrainern. Als wir mit Liana Demchenko sprechen, ist es nur wenige Stunden her, dass Russland ihr Heimatland attackiert hat. "Man kann nur weinen", sagt die Bielefelderin dem WDR.

André Radyk geht es nicht viel anders. "Das war am Anfang ein Schock", so der Deutsch-Ukrainer. Erst fühlte er sich nach eigenen Angaben hilflos. Dann habe er versucht, seine Familie in der Ukraine telefonisch zu erreichen. Als er kurz mit ihnen gesprochen und sie auch über Smartphone gesehen habe, sei es ihm leichter ums Herz geworden. "Da konnte ich den Tag anfangen."

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Beim Anruf: "Man hört Schüsse"

Linda Mai

Für die Deutsch-Ukrainerin Linda Mai begann dieser Donnerstag "mit Entsetzen, mit Schmerzen", wie sie dem WDR sagt. Auch für sie ist der Angriff Russlands auf die Ukraine nur schwer zu ertragen. Die in Köln lebende Frau versuchte umgehend, Verwandte und Freunde in der Heimat zu erreichen. Und sie kennt Menschen, denen genau dieses nicht gelang.

Liana Demchenko war die Kontaktaufnahme via Smartphone gelungen. "Das schrecklichste ist: Die Menschen schreiben, dass man Bomben hört. Man hört Schüsse." Aber man könne nichts tun.

Demokratie am Sterben

Und man selbst fühle sich so unglaublich hilflos, erzählt Demchenko dem WDR. Man möchte Verwandte und Bekannte aus der Ukraine herausbringen. Man möchte es irgendwie stoppen, sagt sie. "Man möchte, dass alle Menschen verstehen, dass es jetzt heute passiert."

Auch Linda Mai geht es darum, Verständnis zu wecken. Über WhatsApp steht sie in Kontakt mit anderen Deutsch-Ukrainern. "Wir unterhalten uns, tauschen uns aus, und versuchen auch, jeden Putin-Versteher zu überzeugen, dass es Zeit ist, für Demokratie zu kämpfen“, sagt sie. Die Ukraine sei ein demokratisches Land und dort sei die "Demokratie gerade dabei, zu sterben".

"Bitte unterstützt uns!"

Das gelte es zu stoppen. "Wir brauchen jede Unterstützung", betont Linda Mai und fordert Menschen auf, zu den von den Deutsch-Ukrainern in NRW organisierten Demonstrationen gegen die russische Militäraktionen zu kommen.

"Wir bitten auch Menschen anderer Nationen: Bitte kommt dazu! Bitte unterstützt uns!" so Linda Mai. Meistens seien die Deutsch-Ukrainer auf Demos alleine. Das müsse sich ändern. Nahezu flehentlich sagt die Deutsch-Ukrainerin: "Wir brauchen Euch jetzt." Vielleicht gebe es eine Möglichkeit, dass die ganze Welt – nicht nur Politiker – sondern auch "die ganz normale Bevölkerung" gegen diesen Krieg Front macht. "Unterstützt uns“, bittet sie.

"Der einzige Schatz, der da ist, sind die Menschen"

Von der deutschen Bundesregierung fordert sie "maximale Sanktionen". Und Unterstützung in humanitäre Aktionen. Die Ukraine brauche aber auch Waffen, sagt Linda Mai und ringt mit den Tränen. Aus ihrer Sicht will Russlands Präsident Wladimir Putin nicht das Land als Fläche erobern. Die Fläche sei nicht wertvoll, da gebe es keine Bodenschätze.

"Der einzige Schatz, der da ist, sind die Menschen“, so Linda Mai. Menschen, die Demokratie in ihren Herzen trügen. Die Demokratie müsse man verteidigen. "Wir müssen alle zusammen aufstehen und irgendwas tun, nicht da sitzen und beobachten", betont auch Liana Demchenko.

Die Ukrainer selbst verteidigten nicht nur sich. "Sie verteidigen demokratische Werte und sterben sogar dafür." Das sei jede Unterstützung wert.

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