Ihre Fragen zum Russland-Ukraine-Konflikt: Droht in Europa ein Krieg?

Stand: 22.02.2022, 21:10 Uhr

Wir beantworten Ihre Fragen zum Russland-Ukraine-Konflikt. Hier: Müssen unsere Soldaten an die Front? Droht in Europa ein Krieg? Welche Gefahren könnte ein möglicher Krieg für unseren Alltag bedeuten?

Von Nina Magoley

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag ist entstanden, bevor Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Informationen zu aktuellen Entwicklungen gibt es hier:

Die Krise zwischen der Ukraine und Russland spitzt sich gewaltig zu. Das Oberhaus des russischen Parlaments gab am Dienstag grünes Licht dafür, Truppen in die umstrittenen ukrainischen Gebiete zu entsenden. Ein Schritt, den viele gefürchtet hatten - und der eine klare Eskalation der Lage bedeutet.

Als Reaktion einigte sich die EU auf erste Sanktionen gegen Russland. Zunächst sollen das vor allem wirtschaftliche Sanktionen sein. Viele Menschen fragen sich aber, ob man schließlich doch auch mit militärischen Einsätzen der westeuropäischen Armeen rechnen muss.

Müssen unsere Soldaten an die Front in die Ukraine? Hiltrud Niehoff
Hiltrud Niehoff steht in einer Kölner Fußgängerzone

Hat Angst um die Bundeswehrsoldaten: Hiltrud Niehoff

Diese Sorge treibt Hiltrud Niehoff um. Schulfreunde ihrer Tochter hätten sich bei der Bundeswehr verpflichtet, berichtet die 59-Jährige. "Werden sie jetzt in die Ukraine zum Einsatz geschickt?", fragt sie den WDR. "Das macht mir Angst."

Das sei "ausgeschlossen", erklärt der ehemalige ARD-Moskau-Korrespondent Stephan Laack: Die Ukraine ist kein NATO-Mitglied, daher drohe Deutschland auch nicht der "Bündnisfall". Die Bundesregierung werde sich auf wirtschaftliche Sanktionen beschränken - wie dem jetzigen Stopp des Pipelineprojekts Nord Stream 2.

Droht in Europa ein Krieg?

Der Westen habe heutzutage "überhaupt keine Bereitschaft, sich auf Kriege klassischen Typs einzulassen", sagte der Politikwissenschaftler Herfried Münkler am Dienstag der "Rheinischen Post". Wenn überhaupt, werde der Westen Auseinandersetzungen als "Wirtschaftskriege" führen: "Durch Desinformation oder Angriffe auf Steuerungssysteme", Angriffe aufs Internet. "Schießkriege gibt es eher in Regionen ohne größere Akteure, im Sudan, in der Sahelzone."

Was hat es mit dem "Bündnisfall" auf sich?

In ihrem Nordatlantikvertrag haben sich die Mitglieder der NATO 1949 auf 14 Punkte geeinigt. Darunter auch Artikel 5, der besagt, dass "ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird". Jedes Bündnisland müsse dann helfen und die Maßnahmen ergreifen, "einschließlich der Anwendung von Waffengewalt", die es für erforderlich erachte.

Aber - ganz wichtig: Die Ukraine ist kein Mitglied der NATO.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich der Konflikt im Osten noch ausweitet?

Putins bedrohliche Rede am Montagabend drehe sich in Wahrheit um die ganze Ukraine, der er das Recht auf Staatlichkeit abspreche, meint ARD-Moskau-Korrespondentin Ina Ruck. "Das lässt nichts Gutes hoffen. Möglicherweise reicht ihm der Donbas nicht."

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Es sei nicht auszuschließen, dass der Kreml "auf starken ukrainischen Widerstand" hoffe, meint Sabine Fischer, Russland-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, die die Bundesregierung berät. Um daraus "eine perfekte 'Entschuldigung' für weitere militärische Aktionen gegen die Ukraine" abzuleiten, "beispielsweise Luftangriffe auf Kiew".

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Hätte der Westen früher reagieren müssen?

Zum Beispiel mit härteren Sanktionen - oder mit mehr Rücksicht auf die Sicherheitsinteressen Russlands? Wohl kaum, meint der ehemalige Russland-Korrespondent Stephan Laack. "Deutschland und Frankreich versuchen seit vielen Jahren, den Konflikt zu entschärfen." Immer wieder habe die Ex-Bundeskanzlerin Merkel deswegen mit Putin telefoniert.

Auch bei der von Putin so beklagten NATO-Osterweiterung liege der letzte Beitritt eines Landes 18 Jahre zurück. Eventuell hätte man Russland "stärker in eine europäische Sicherheitsarchitektur mit einbinden müssen", mein Laack. Doch das rechtfertige keinesfalls das "völkerrechtswidrige Verhalten" Russlands, das schon 2014 mit der Annexion der Krim begann.

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