"Frieren für die Freiheit": Kann Deutschland so der Ukraine helfen?

Stand: 10.03.2022, 19:49 Uhr

Mit dem Appell "Frieren für die Freiheit" hat Alt-Bundespräsident Joachim Gauck eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Aber: Kann Energiesparen wirklich der Ukraine helfen - und Russland schaden?

Für seine Aussage, man könne "für die Freiheit auch einmal frieren", erntet Alt-Bundespräsident Joachim Gauck derzeit vor allem in sozialen Netzwerken viel Kritik. Mit dem Satz hatte Gauck am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Maischberger" für Solidarität mit der Ukraine geworben.

Seine Aussage tätigte er im Zusammenhang mit der Frage nach einem möglichen Importstopp für russische Energie nach Deutschland.

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Doch Gaucks Worte gingen offenbar nach hinten los. Auf Twitter, Facebook und Co. werfen ihm die User unter anderem Scheinheiligkeit vor. "Keiner von denen, die von 'wir können' und 'wir müssen' sprechen, hat wirklich ernsthafte Konsequenzen und Einbußen zu erwarten. Diejenigen, die von allen Bürgern erwarten, jetzt 'für die Freiheit zu frieren' sind meistens auch diejenigen, die niemals frieren müssen", schreibt beispielsweise ein User auf Twitter.

"Zynisch" und "sehr vermessen"

Ähnlich sieht es Armutsforscher Heinrich Butterwegge. Die Äußerung Gaucks mit "seinen Bezügen bis zum Lebensende" findet er "zynisch", wie er dem WDR sagte. Denn andere Menschen treffe jede Preissteigerung hart. "Von denen zu erwarten, dass sie für die Freiheit in einer so idealisierten Vorstellung Opfer bringen - das halte ich für sehr vermessen."

Auch von der Leyen und Habeck werben fürs Energiesparen

Vielleicht geht es ja auch nicht unbedingt ums Frieren. Sondern darum, den Energieverbrauch zu mäßigen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) hält das für machbar. "Jeder und jede an seinem Platz" könne das, hatte von der Leyen am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin" gesagt. Wenn man dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin ein bisschen schaden wolle, dann spare man Energie, ließ unlängst auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verlauten. Denn durch das Geld, das Russland für die Energielieferungen bekommt, fülle sich Putins Kriegskasse - und die soll bald möglichst leer sein. So ließe sich der Ukraine helfen.

Energieökonomin Kemfert für weniger Autofahrten

Die Energieökonomin Claudia Kemfert befürwortet ebenfalls den Grundsatz "Energiesparen für die Freiheit". Allein die Heizung um ein Grad runterzudrehen spart bis zu fünf Prozent des Öl- und Gasverbrauchs, sagte Kemfert dem WDR.

Abgesehen vom Heizen sei jegliches Energiesparen sinnvoll. Durch weniger Autofahrten mit Verbrennermotoren könnten Benzin und Diesel eingespart werden, so Kemfert. Sie leitet beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Abteilung Energie. Meistens sitze nur eine Person im Auto, gemeinsame Fahrten wären sinnvoll. Ein Viertel der Pkw-Fahrleistung ist auf Freizeitfahrten zurückzuführen - auch hier ließen sich Alternativen finden, beispielsweise Elektrofahrräder oder die Bahn.

Tempolimit auf den Straßen und autofreie Sonntage

Ein Tempolimit auf den Straßen sei sinnvoll, betont Energieökonomin Claudia Kemfert, da damit ebenso Öl und Benzin gespart werden kann. Auch autofreie Sonntage seien eine gute Idee. Also: Alles, was getan werden kann, um den Energieverbrauch zu senken, bedeute weniger Geld für Putins Militäraktionen.

Über dieses Thema berichtet auch das WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18:45 Uhr.

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