Das Bild zeigt ein Containerschiff mit Kränen im Hintergrund

Krieg in der Ukraine: Warum die Preise fast überall steigen

Stand: 08.03.2022, 19:47 Uhr

Der Krieg in der Ukraine hat viele Auswirkungen - auch auf unser tägliches Leben. Bestimmte Rohstoffe werden knapp und Energie teuer, Lieferketten reißen ab. Ein Überblick über die Folgen.

Der Krieg in der Ukraine verändert die Welt - und auch unser tägliches Leben. Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, der Ukraine und Russland liegen auf Eis. Was dazu führt, dass viele Produkte, aber vor allem auch Rohstoffe, die zur Herstellung ganz selbstverständlicher Dinge gebraucht werden, nicht mehr zur Verfügung stehen.

Und dabei geht es nicht nur darum, dass beispielsweise Ikea keine Produkte mehr in Russland kauft, oder Supermärkte wie Rewe, Edeka, Penny oder Aldi Produkte aus dem Regal nehmen, die in Russland hergestellt wurden.

Auch Lieferketten sind unterbrochen: Reedereien wie das dänische Unternehmen Maersk oder Hapag Lloyd haben ihre Container-Schifffahrten von und nach Russland oder die Ukraine ausgesetzt. Der Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel fährt keine Transporte mehr aus Russland - ausgenommen Medikamente oder humanitäre Artikel.

Das hat weitreichende Folgen, einige Beispiele:

Benzin- und Heizpreise

Strom und Gas war ohnehin schon zu Beginn des Jahres deutlich teurer geworden. Wenn Deutschland, wie jetzt diskutiert wird, Lieferungen von Gas und Öl aus Russland stoppen sollte, dürften die Preise weiter explodieren. Ein Drittel des in Deutschland gebrauchten Öls kommt aus Russland, außerdem etwa die Hälfte des Erdgases.

Steigende Energiepreise haben zudem auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche, in denen Energie zur Produktion gebraucht wird, sagt Torsten Schmidt vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. "Wenn die Energiepreise langfristig hoch bleiben, werden Unternehmen, die viel davon brauchen, ihre Kosten an die Verbraucher weitergeben."

Weizenpreise steigen

Ein Beispiel: die chemische Industrie. Hier werden viele Stoffe hergestellt, die in Dingen unseres täglichen Lebens landen - von Kunststoffen bis zu Düngemitteln für die Landwirtschaft. So könnten Elektrogeräte teurer werden, Autos ohnehin, aber auch viele Lebensmittel. "Das zieht sich durch viele Bereiche", sagt Ökonomieprofessor Schmidt.

Backwaren liegen in der Auslage einer Bäckerei

Brot könnte teurer werden

Schon jetzt sei der Preis für Weizen auf dem Weltmarkt stark gestiegen - in den USA habe er sich bereits verdoppelt. Große Mengen des in Europa verbrauchten Weizens kamen bislang aus der Ukraine. Jetzt sind die Lieferketten unterbrochen, auch die Ernte im Sommer steht in den Sternen. Die Folge: Ob Brot, Nudeln oder der Kuchen beim Bäcker - auch hier werden die Preise unvermeidlich steigen.

Auch Papier - Druckerpapier, Bücher, und am Ende auch Zeitungen - werde in absehbarer Zeit teurer, sagt Schmidt - ebenfalls eine energieintensive Produktion.

Autobauer stoppen Produktion

Starke Auswirkungen hat der Krieg auch auf den Autobau. Viele Teile, die hier gebraucht werden, kamen bislang aus Russland oder der Ukraine. Weil diese Lieferketten - normalerweise per Zug, Schiff oder Flugzeug - jetzt unterbrochen sind, müssen Käufer länger auf ihr neues Auto warten.

Auch die Autoreparatur kann schwieriger werden. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) fehlen vor allem Kabelbäume, die bisher hauptsächlich aus der Ukraine geliefert wurden.

Fabrikationsstraße in einer Autofabrik

Autoteile fehlen, Bänder stehen still

Vor allem aber fehle es im Autobau an Rohmaterialien: Neongas, das zur Herstellung von Halbleitern gebraucht wird, bezieht Deutschland hauptsächlich aus der Ukraine. Das Edelmetall Palladium und das für den Bau von Elektroautos wichtige Nickel kam meist aus Russland.

Wie stark der Krieg die Autoproduktion beeinträchtigen wird, sei noch nicht genau abzuschätzen, meldet der VDA. Hersteller und Zulieferer arbeiteten mit Hochdruck daran, die Ausfälle zu kompensieren "und Alternativen hochzufahren".

Bei Porsche standen aber bereits die Bänder in Leipzig still, VW musste die Produktion in Wolfsburg drosseln, ebenso BMW in den Werken in München, Dingolfing und Steyr.

Was kann man gegen steigende Preise tun?

"Schwierig", sagt Ökonomieexperte Schmidt. "Wenn die Preise auf breiter Front steigen, gibt es wenig Ausweichmöglichkeiten." Immerhin könne jeder prüfen, welche Wege sich statt mit dem Auto auch mit dem Fahrrad bewältigen lassen. "Oder tatsächlich schauen, wo man seinen Konsum reduzieren kann." Wobei, das räumt Schmidt direkt ein, "Menschen mit geringem Einkommen da wenig Spielraum haben".

Eins aber könne den Verteuerungseffekt vielleicht vorerst etwas abfedern, sagt Torsten Schmidt vom RWI: Ökonomen haben festgestellt, dass viele Menschen während der Pandemie Ersparnisse angesammelt haben. "Die Menschen haben weniger ausgegeben, die Banken melden volle Girokonten." Manch einer habe da erstmal einen gewissen Puffer. Aber auch hier sei klar: "Arme Menschen sind da gekniffen."

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