Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und hält ein Smartphone in der Hand.

Doomscrolling: Wenn man nonstop schlechte Nachrichten checkt

Stand: 10.03.2022, 09:34 Uhr

Regelrecht zermürbt: So fühlen sich viele angesichts all der schlechten Nachrichten. Manche können gar nicht mehr aufhören, ins Smartphone zu schauen. Doomscrolling nennt sich das - und harmlos ist es nicht.

In den Nachrichten ist ständig von Krieg und Katastrophen die Rede. Und manche können einfach nicht mehr damit aufhören, ins Smartphone zu schauen und sich zu informieren. "Doomscrolling" ist der exzessive Konsum schlechter Nachrichten im Netz - was man mit "Untergangs-Scrollen" übersetzen könnte. Ein Phänomen, das in Zeiten von Corona und Ukraine-Krieg um sich greift. Aber warum?

WDR-Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori erklärt es so: Manche hofften, dass Russlands Präsident Wladimir Putin endlich den Krieg stoppe, dass China Putin ausbremse oder etwa, dass die Ukraine gewinne. "So etwas will man hören oder lesen", so Sartori. Und weil es eine solche Nachricht bislang nicht gab, warteten viele auf die ersehnte Eilmeldung und aktualisierten alle zehn Minuten etwa die Nachrichten-App auf ihrem Smartphone.

Wenn schlechte Nachrichten eine gewisse Faszination haben

Ein anderer psychologischer Erklärungsansatz: Auf manche Menschen üben schlechte Nachrichten oder Unglücke - das englische Wort "doom" heißt übersetzt "Verhängnis, Unglück oder Verdammnis" - eine gewisse Faszination aus. Keine Freude, kein Genuss, aber eben eine Faszination. Man "wechselt ständig zwischen Anspannung, weil man Schlimmes liest, und Entspannung, wenn man nichts Schlimmes findet", erläutert Sartori.

Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sei es, der fasziniere. Das kann bei manchen regelrecht zur Sucht werden - nicht unbedingt im medizinischen Sinne, aber es ist doch ein starkes Verlangen, dem man alles andere im Alltag unterordnet. Und das ist nicht gut. Vor allem nicht für die Seele.

Ausklinken und sich zurückziehen: Gut für die Psyche

Was also tun? "Psychologen sagen: Kein Doomscrolling", so Sartori. Natürlich ist es in Ordnung, Nachrichten zu checken. Aber nicht ständig, sondern dosiert. "Und es ist auch völlig okay, mal zu sagen: Ich klinke mich aus, ziehe mich zurück, mache was anderes - sonst wird mir das zuviel."

Wichtig ist auch, für Stabilität im Leben zu sorgen, raten Expertinnen und Experten. Gerade, wenn man Kinder habe. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, den Frühling und die wiedererwachende Natur zu genießen. Oder auch: Demonstrieren gegen den Krieg, den Geflüchteten aus der Ukraine helfen. Dann fühlt man sich auch nicht mehr der aktuellen Lage hilflos ausgeliefert, sagt Sartori.

Über dieses Thema berichtet der WDR auch im Hörfunk bei Quarks und Cosmo.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen