Teurer Sprit: Kostet Benzin bald drei Euro pro Liter?

Stand: 08.03.2022, 20:09 Uhr

An Deutschlands Tankstellen sind die Preise mit um die zwei Euro pro Liter Benzin und Diesel so hoch wie nie zuvor. Es könnte aber bald noch teurer werden - glaubt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Von Jörg Marksteiner und Sabine Meuter

Was für Preise an den Tankstellen! Um die zwei Euro pro Liter Benzin und Diesel müssen Autofahrerinnen und Autofahrer derzeit zahlen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schließt angesichts des Kriegs in der Ukraine sogar Benzinpreise von drei Euro pro Liter nicht aus, wie er im Nachrichtensender ntv sagte.

Schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine war Benzin in Deutschland deutlich teurer geworden: Im ersten Corona-Jahr 2020 kostete der Liter Superbenzin laut dem Portal Statista im Jahresschnitt 1,29 Euro. 2022 waren es schon 1,72 Euro. Der Anstieg liegt an der weltweit höheren Nachfrage und auch an der aus Klimaschutzgründen eingeführten CO2-Steuer. Diese macht bis heute rund 10 Cent pro Liter aus – erklärt also nicht die gewaltigen Sprünge, die gerade zu beobachten sind.

Ein Drittel des Diesels kommt aus Russland

Hauptgrund für die aktuelle Entwicklung ist der gerade steil steigende Preis für Rohöl. Das ist eine Kriegsfolge: Russland ist zweitgrößter Öl-Exporteur weltweit – allein ein Drittel unseres Diesels kommt aus Russland, sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Inzwischen wurde bekannt, dass die US-Regierung einen Importstopp für russisches Öl verhängen will. Das teilte US-Präsident Joe Biden mit.

Baerbock sieht Importstopp für russisches Öl kritisch

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) begrüßte den US-Importstopp für russisches Öl, sieht einen solchen Schritt für Deutschland aber kritisch. "Für uns stellt sich immer die Frage, wenn wir Sanktionen ergreifen: Wie lange können wir das durchhalten?", sagte sie bei "Bild Live". "Ein Drittel unserer Ölimporte kommt aus Russland. Wenn wir die sofort einstellen würden, dann werden wir in den nächsten Tagen uns in Deutschland nicht mehr fortbewegen können."

Noch keine Versorgungsknappheit

Noch gibt es keine Versorgungsknappheit, betont Steffen Bukold vom Fachdienst Energycomment. Allerdings verzichten viele westliche Konzerne schon jetzt darauf, russisches Öl zu kaufen oder zu handeln – aus Angst, gegen Sanktionen zu verstoßen oder weil sie keine Finanzierung, Schiffe oder Versicherungen dafür finden.

Ukrainekrieg, Spritkosten und Spekulation

WDR 5 Profit - aktuell 07.03.2022 08:04 Min. Verfügbar bis 07.03.2023 WDR 5


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Andere Ölförderländer haben aber angekündigt, dass sie ihre Produktion nicht kurzfristig hochfahren wollen oder können. Russland liefert weltweit 12 Prozent des Rohöls und 15 Prozent der Ölprodukte.

Forderung nach einer Spritpreisbremse

Diesel teurer als Benzin - auch das hat es an den Tankstellen lange nicht gegeben. Grund ist die höhere Abhängigkeit von Russland und die Angst vor einem Importstopp. Inzwischen fordern in Deutschland führende Unionspolitiker eine Spritpreisbremse.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)plädiert für eine Senkung der Mehrwertsteuer für Kraftstoffe wie Benzin. Der Satz müsse "so schnell wie möglich" von 19 auf sieben Prozent reduziert werden, sagte Söder in München. Insgesamt sei wegen der Situation in Deutschland eine "sofortige Energiepreisbremse" nötig, insbesondere im Bereich von Kraftstoffen.

Der saarländische Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat für die kommende Landtagswahl, Tobias Hans, wirbt ebenfalls für eine Spritpreisbremse. Aus seiner Sicht bereichere sich "im Moment der Staat" an den hohen Preisen, und das müsse gestoppt werden.

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Die Aussage von Hans sorgte für Diskussionen. "Als MP müsste er wissen, dass #Steuern unsere Demokratie finanzieren", antwortete die saarländische Grünen-Spitzenkandidatin Lisa Becker auf Twitter.

Viele kaufen Heizöl vor unsicherem nächsten Winter

Dazu kommt eine hohe Nachfrage nach Heizöl, das ähnliche Vorprodukte hat: „Das ist eigentlich saisonuntypisch. Aber offenbar kaufen die Leute derzeit Heizöl, weil sie nicht wissen, wie es im kommenden Winter wird“, erklärte ein Sprecher des ADAC den Preisunterschied.

EU will russische Gasimporte in einem Jahr um zwei Drittel reduzieren

Wegen der schweren Spannungen mit Russland will die EU so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden. Die EU-Kommission legte einen Plan mit Maßnahmen vor, um russische Gasimporte innerhalb von einem Jahr um zwei Drittel zu reduzieren. Es geht demnach darum, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, neue Quellen für Gaslieferungen zu erschließen und den Energieverbrauch zu senken.

Über dieses Thema berichteten wir im WDR auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18:45 Uhr, und im Hörfunk: WDR 5 Profit 18:05 Uhr.

Kommentare zum Thema

116 Kommentare

  • 116 Achim 10.03.2022, 19:21 Uhr

    Ich habe gar kein Auto. Aber mal im Ernst, bezahlen dürfen das wieder die Geringverdiener, welche sich auch keine neuen Autos leisten können. Viele sagen, ja klar bezahlen wir für die Sanktionen höhere Spritpreise, sind aber die, die es sich auch leisten können. Die soziale Gerechtigkeit in Deutschland bleibt mal wieder auf der Strecke.

  • 115 M.R. 10.03.2022, 19:15 Uhr

    *Ironiemodus ein* Es wäre doch eine tolle Idee noch ein paar Steuern zu erfinden, damit das Benzin 50€ pro Liter kostet. Fünfmal volltanken im Monat ist Pflicht. Vielleicht eine Tankstellenbenutzungssteuer. Darüber hinaus könnten noch Arbeitsplätze geschaffen werden. Und zwar für Mitarbeiter, die jeden der tankt noch mit einem dicken Knüppel verprügeln. Das kostet natürlich extra und wird selbstverständlich auch saftig besteuert. *Ironiemodus aus* Ich bin nur gespannt wie viele Leute ihre Arbeitsstelle aufgeben müssen, weil sie sich die Fahrt zur Arbeitsstelle nicht mehr leisten können. Die Löhne steigen selbstverständlich nicht so rasant wie die Lebenshaltungskosten. Mit üppigen Diäten und Dienstwagen ist es natürlich wurscht was z. B. der Liter Benzin kostet bzw. wie viel Steuern drauf sind.

  • 114 Eduard Kraft 10.03.2022, 17:28 Uhr

    Warum ist Benzin nur in Deutschland so teuer?

  • 113 Mathias Piehl 10.03.2022, 17:25 Uhr

    Man erntet das was man gesät hat.

  • 112 Mitsh 10.03.2022, 17:07 Uhr

    Komisch das die Preise in der gesamten EU kaum ansteigen, aber in Deutschland explodieren

  • 111 N.A 10.03.2022, 17:05 Uhr

    Man wird nur noch verarscht von den i.... da oben. Die sollen mal on unserem Gehalt jeden Tag Kilometerweit zur Arbeit fahren. Dieser Staat kotzt einen einfach nur noch an

  • 110 David 10.03.2022, 16:53 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 109 Michi 10.03.2022, 16:11 Uhr

    Ich finde es reicht .Alles wird Teurer ob Benzin, Gas, Strom, Lebensmittel wir können es uns bald alles nicht mehr leisten, es sei denn mann Arbeitet in der Politik denn denen geht es gut , Hauptsache wir Bürger müssen für alles gerade stehen . Ich vertraue der Politik nicht. Andere verursachen die Katastrophen und wir müssen die Hand hinhalten.

  • 108 Bianca 10.03.2022, 14:59 Uhr

    Hier in den Kommentaren finden sich wieder Kommentare... die bisherige Regierung hat bisher noch nicht allzu viel beschlossen und wenig mit den Spritpreisen zu tun. Ich pendle auch 70km pro Strecke zur Arbeit und zurück und benötige mein Auto und auch mir als "Normalverdiener" tun die Spritpreise weh. Wenn man sich die Benzinpreise international ansieht, sieht man, dass die Preise gestiegen sind, jedoch bei Weitem nicht so stark wie in Deutschland. Woran liegt das? Zum einen ist Sprit in Deutschland unglaublich stark besteuert. Hieran könnte unsere Regierung was ändern, wenn sie uns denn entlasten wollte. Zum anderen liegen die Preise aber auch nicht daran, dass kein Öl oder Gas mehr geliefert werden, sondern daran, dass es Menschen gibt, die an Börsen auf die Preisentwicklung zocken. Diese Menschen sind so abartig vermögend, dass es Ihnen selbst völlig egal ist, was sie für Strom, Gas und Benzin bezahlen. Und "zocken" auf Gas, Öl und Benzin, was jeder braucht, gehört verboten!

  • 107 Leider arm 10.03.2022, 13:40 Uhr

    na Super, der Diesel bei mir um die Ecke kostet 2,49 Euro/Liter sei 13:00 uhr. Hmm, und ich wollte bei 2,- Euro/Liter mein Auto abschaffen, soll doch das Amt den Sprit bezahlen, das man zur Arbeit kommt. Einfach nur noch unverschämt. In anderen Ländern wird man nicht so abgezockt. Was läuft da bei uns nicht richtig? Ah, Krieg und kaltes Wetter und gleich ist das Öl knapp, na hoffentlich scheint in Zukunft immer die Sonne, sonst wird es mit dieser Energieversorgung auch nichts....

  • 106 Nadine 10.03.2022, 13:14 Uhr

    An dieser Stelle würde ich sehr gerne hämisch sein. Autofahrer sind schon lange ein Dorn im Auge gewisser Parteien. Wie bestellt so geliefert. Vielleicht kommt die Erhöhung der Benzinpreise nun gerade recht. Es ist traurig, dass Fleiß in der heutigen Gesellschaft nicht mehr honoriert wird. Ich wäre nicht für die Mehrwertsteuersenkung der Benzinpreise - ich bin für die komplette Abschaffung!

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