"Das Leid vergessen" - Integration von Kindern aus der Ukraine

Stand: 16.03.2022, 18:40 Uhr

Jeden Tag kommen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland. Gerade für die Kinder und Jugendlichen geht es jetzt darum, dass sie möglichst schnell integriert werden, sagt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Die Integration in Schulen aber auch im Sport hat schon begonnen.

Der sechsjährige Kyrill ist mit seinen zwei Brüdern und seiner Mutter schon vor gut zwei Wochen in Bad Honnef angekommen. Inzwischen geht er dort in eine Grundschule. Seine Klassenlehrerin Carmen Otto sagt, er sei vom ersten Tag an integriert gewesen: "Wir haben auch wirklich den Eindruck, dass er auch ein bisschen vergessen kann. Dass er einfach sehr fröhlich ist sich total wohlfühlt.“

Möglichst integrativer Unterricht geplant

So wie bei Kyrill soll es möglichst im ganzen Land sein, wünscht man sich im NRW-Schulministerium. Keine speziellen Klassen für ukrainische Kinder, sondern integrativer Unterricht zusammen mit ihren deutschen Altersgenossen. Die Lage im Land ist allerdings bisher noch sehr unterschiedlich.

In Münster zum Beispiel hat die dortige Sozialdezernentin in dieser Woche noch erklärt, dass es für Kinder, die meist mit einem Touristenvisum eingereist seien, erst mal noch gar keine Schulpflicht gebe. Und viele Angekommene hätten momentan auch andere Dinge als den Schulbesuch im Kopf.

Herausforderung für die Schulen

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag

Wenn die Familien allerdings offiziell einer Kommune zugewiesen sind, dann besteht für die Kinder auch Schulpflicht, sagt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Das allerdings stellt viele Schulen, die spätestens nach den vergangenen zwei Corona-Jahren am Limit sind, vor große Herausforderungen. Deshalb hat Gebauer im Schulausschuss des Landtags angekündigt, dass es mehr Personal geben soll.

Zum Beispiel durch Lehramtsstudenten als Lernbegleiter. Und auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer sollen reaktiviert werden. Außerdem könnten auch Lehrkräfte unter den ukrainischen Geflüchteten miteinbezogen werden. Dafür soll ein zentrales Portal zur Registrierung aufgebaut werden. Am Donnerstag will sich die Ministerin mit den kommunalen Spitzenverbänden beraten, wie es zum Beispiel mit zusätzlichen Schulräumen aussieht.

Integration im Sport

Die Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen läuft aber nicht nur in der Schule an. Auch im Sport haben einige Vereine in NRW schon erste Angebote gemacht. Zum Beispiel die Fußballer des Düsseldorfer Vereins DJK Sparta Bilk, die sieben- bis 17-jährige aus der Ukraine Trainingsmöglichkeiten anbieten wollen.

Und beim Landessportbund NRW melden sich ebenfalls weitere Angebote. Bei Vorstand Martin Wonik hat sich gerade erst die Sportjugend Bochum gemeldet, die mit mehreren Übungsleitern in verschiedene Flüchtlingsunterkünfte gehen wollen. Dort wollen sie als ersten Schritt verschiedene Spiele und Bewegungsangebote machen.

Erfahrungen aus 2015/2016 helfen

Die Erfahrungen, die viele Beteiligte mit den Geflüchteten gemacht haben, die in den Jahren 2015/2016 nach Deutschland gekommen sind, können bei der Integration eine große Hilfe sein. Das bestätigt der Aachener Grundschulleiter Kai Völlink. Auch damals sind viele Kinder gekommen, die erst mal kein Wort Deutsch können: "Ein Konzept dafür haben wir“, sagt Völlink.

Das sieht man auch beim Landessportbund ähnlich. Man habe gelernt, mit Händen und Füßen zu erklären, schmunzelt Martin Wonik. Der Sport habe aber auch einen großen Vorteil: "Dann legen die los, dann müssen sie nicht mehr viel erklären.“ In den Vereinen sei jetzt aber auch die Hemmschwelle geringer, auf fremde Menschen zuzugehen und ihnen Angebote zu machen.

Das ist auch möglich, denn die Versicherungsfrage ist geklärt. Sportvereine, die im Landessportbund Mitglied sind, haben automatisch eine Versicherung, durch die ausdrücklich auch Kinder aus der Ukraine mitversichert sind. Auch wenn diese noch keine Vereinsmitglieder sind.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen