Ein Sicherheitsbeamter steht neben dem Schiff «Navi-Star», das seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine mit Getreide beladen ist und darauf wartet, den Hafen von Odessa zu verlassen.

Erstes Schiff mit ukrainischem Getreide hat Odessa verlassen

Stand: 01.08.2022, 09:03 Uhr

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat ein Getreide-Frachtschiff mit Mais an Bord den Hafen von Odessa verlassen.

Das mit Mais beladene Frachtschiff "Razoni" sei am Montagmorgen in Richtung Libanon aufgebrochen, meldete der Sender CNN Türk unter Berufung auf das türkische Verteidigungsministerium. Weitere Schiffen sollen folgen. Die "Razoni" fährt unter der Flagge des westafrikanischen Staates Sierra Leone.

Mit dem Export aus der Ukraine sollen Millionen Tonnen Getreide wieder für den Weltmarkt verfügbar werden. Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren der Welt. Für sie geht es um Milliardeneinnahmen aus dem Verkauf unter anderem von Weizen und Mais.

20 Millionen Tonnen Getreide warten auf Ausfuhr

Die Kriegsgegner Ukraine und Russland hatten unter Vermittlung der Vereinten Nationen jeweils getrennt mit der Türkei ein Abkommen in Istanbul unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen.

Von der Vorjahresernte warten ukrainischen Angaben zufolge noch über 20 Millionen Tonnen Getreide auf die Ausfuhr. Die Silos müssen wegen der neuen Ernte dringend freigemacht werden.

Der Hafenbetrieb war nach der russischen Invasion Ende Februar aus Sicherheitsgründen eingestellt worden. Moskau wurde eine Blockade der ukrainischen Getreideausfuhren vorgeworfen. Russland sicherte in dem Abkommen nun zu, Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und diese sowie beteiligte Häfen nicht anzugreifen.

Die Exporte werden von einem Kontrollzentrum in Istanbul überwacht, das mit Vertretern Russlands, der Ukraine, der Vereinten Nationen und der Türkei besetzt ist. Die durch Istanbul verlaufende Meerenge Bosporus ist der einzige Seeweg vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer. Die Türkei hat die Hoheit über den Bosporus.

Schiffe werden auf Waffen inspiziert

Schiffe sollen bei der Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer inspiziert werden. So auf Verlangen Russland sichergestellt werden, dass die Schiffe keine Waffen oder Ähnliches an Bord haben. Russland befürchtet, dass die Ukraine aus dem Erlös des Getreideverkaufs Waffen beschafft.

Für die Ukraine bleiben die Exporte riskant: durch nicht kalkulierbare russische Raketenangriffe, russische Kriegsschiffe, losgelöste Treibminen und die gesamte Kriegssituation. "Wir haben keine andere Wahl", hatte der ukrainische Landwirtschaftsminister Mykola Solsky am Sonntag konstatiert.

Nahrungsmittel werden dringend benötigt

Das Abkommen umfasst die ukrainischen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschny (Piwdennyj). Nur einen Tag nach der Vereinbarung hatte Russland den Hafen von Odessa beschossen und damit zwischenzeitlich die Besorgnis ausgelöst, dass der Getreidedeal platzen könne.

Die Nahrungsmittel aus der Ukraine werden auf dem Weltmarkt - vor allem in Asien und Afrika - dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten. Vor allem ost- und nordafrikanische Länder wie Somalia, Ägypten oder Libyen waren vor dem Krieg von Lieferungen aus den beiden Ländern abhängig.

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