Ein Hinweisschild weist den ankommenden ukrainischen Geflüchteten am Kölner Hauptbahnhof den Weg zur Erstversorgung.

Ukraine-Hilfe direkt: Mein Einsatz als Übersetzer für Geflüchtete in Köln

Stand: 27.03.2022, 14:58 Uhr

In Köln kommen täglich etwa 500 Geflüchtete aus der Ukraine an. Die Stadt unterstützt sie bei ihrer Ankunft oder Weiterreise. Dabei spielt die Hilfe von Ehrenamtlern und Freiwilligen eine große Rolle – ein persönlicher Bericht eines freiwilligen Helfers.

Von Alexej Getmann

Am Breslauer Platz in Köln, direkt am Hauptbahnhof, stehen Zelte, in denen Geflüchtete mit Broten, Tee und Kaffee versorgt werden, es gibt eine Kleiderkammer und eine Corona-Teststation. Viele Hilfsorganisationen sind vor Ort, um medizinische Hilfe zu leisten und den Transport in Erstaufnahmeeinrichtungen zu übernehmen.

Immer wieder kommen Züge mit Menschen an, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. Sie freuen sich vor allem, wenn sie jemanden treffen, der sie versteht und ihre zahlreichen Fragen beantwortet.

Viele Menschen wollen helfen, aber es gibt auch Engpässe

Als russlanddeutscher Aussiedler, spreche ich Russisch und habe meine Hilfe als Übersetzer angeboten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie froh meine Familie nach der Ankunft war, wenn uns jemand verstehen konnte. Positiv überrascht war ich, als man mich wieder wegschickte, weil es genügend Helfer gab. Allerdings erzählte mir der zuständige Koordinator vom Blau-Gelben Kreuz von den Engpässen in der Nacht und bat mich, sich als Helfer auf der Webseite des Blau-Gelben Kreuzes zu registrieren. Man würde sich bei mir melden, sobald Hilfe gebraucht wird.

Hilfe für ukrainische Geflüchtete - ein Helferbericht

Alexej Getmann

Gesagt, getan und es dauerte nicht lange, bis Übersetzer für mehrere Nachtschichten am Wochenende gesucht wurden. Wer Zeit hat, kann sich in eine Liste eintragen, und so kam ich zu meiner ersten Nachtschicht als Übersetzer.

Corona-Test gehört dazu

Meine Schicht beginnt um vier Uhr morgens und zu dieser Zeit ist es noch ruhig. Genug Zeit, um sich über die Abläufe zu informieren und sich einen Überblick zu verschaffen. Die Helfer begrüßen die Ankömmlinge in dem Bereich am Breslauer Platz und nehmen ihre persönlichen Daten auf. Hier wird schon gefragt, ob sie weiterreisen wollen oder einen Transport zu einer der nächsten Unterkünfte brauchen.

Nach der Erfassung der Personalien geht es nebenan zum Corona-Test und wenn dieser negativ ist, können die Geflüchteten in das Gästezelt, wo sie sich ausruhen und etwas essen können. Positiv getestete Menschen werden getrennt versorgt.

Sprachliche Barrieren – Ukrainisch- oder Russischkenntnisse sind sehr gefragt

Hilfe für ukrainische Geflüchtete

Polina Prokofeva weist andere Helfer ein

Polina Prokofeva koordiniert die Arbeitsabläufe in dieser Nacht. Sie weist Helfer ein und sorgt für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Die 22-jährige Russin ist vor drei Jahren für ein Logistik-Studium aus St. Petersburg nach Köln gezogen. Den Krieg in der Ukraine verurteilt sie aufs Schärfste und schämt sich für die Politik ihres Heimatlandes.

Über die Solidarität vieler ihrer Landsleute hingegen, freut sie sich sehr: "Egal ob in Russland oder hier – niemand aus meinem persönlichen Umfeld ist für die Politik Putins. Diese Frage stelle sich gar nicht. Wenn ich mit meinen Freunden spreche, dann geht es nur darum, wie wir den Ukrainern helfen können" erzählt Polina. Von einer Russin herzlich begrüßt zu werden und Hilfe zu erhalten, ist für manche Ankömmlinge ein seltsames Gefühl. "Viele verstummen kurz, wenn sie merken, dass sie es mit einer echten Russin zu tun haben. Ich sehe, wie sich ihre Blicke ändern, aber sie tauen schnell auf, weil sie merken, dass ich ihnen wirklich helfen will und dann erkennt man auch Dankbarkeit" sagt Polina. Anfeindungen oder unschöne Bemerkungen hat sie wegen ihrer Herkunft bisher nicht erlebt.

Polina reicht mir ein kleines Stück Schokolade und sagt: "Gleich kommt der nächste Zug, dann wird es stressig". Es werden noch zwei weitere Züge in den nächsten Stunden erwartet. Die Deutsche Bahn informiert die Helfer darüber, in welchem Zug Geflüchtete ankommen, sobald sie sich ein Ticket nach Köln holen. So weiß Polina, wann und wie viele Menschen kommen und kann verschiedene Teams zusammenstellen.

Ich gehe mit drei anderen Helfern zum Bahngleis, um die Geflüchteten zu empfangen und zu übersetzen. Viele sind auf der Durchreise und müssen sich dafür Tickets am Schalter holen – eine echte Herausforderung, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Andere Helfer bleiben am Breslauer Platz, um die Ankömmlinge zu registrieren. Auch hier sind Ukrainisch- oder Russisch-Kenntnisse unabdingbar.

Trotz Fortschritten bei der Stadt, werden weitere Helfer benötigt

Mittlerweile hat die Stadt Köln reagiert und Übersetzer eingestellt. In drei Schichten sind täglich jeweils zwei Übersetzer vor Ort. Auch an der angespannten Unterbringungslage arbeitet die Stadt Köln, laut einer Sprecherin: "Wir konnten bereits für das Wochenende mehrere hundert Hotelzimmer gewinnen. Außerdem werden sehr intensiv Flächen geprüft, auf denen auch Leichtbauhallen kurzfristig für weitere Notunterkünfte aufgebaut werden können."

Trotz einiger verwaltungstechnischer Fortschritte sind freiwillige Helfer gern gesehen: Übersetzungshilfen, Organisatorisches, Unterstützung bei der Erstversorgung oder auch Fahrten an die ukrainische Grenze, um Geflüchteten Hilfslieferungen zu bringen und auf dem Rückweg eine Mitfahrgelegenheit anzubieten. Helfen können im Grunde alle und das nicht nur in Köln. Wer sich auf der Seite des Blau-Gelben Kreuzes registriert, kann auch seine Stadt wählen und angeben, welche Art von Hilfe geleistet werden kann.

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