Ukrainerinnen auf der Flucht: Polizei warnt vor Menschenhändlern

Stand: 20.03.2022, 09:54 Uhr

Zu Tausenden flüchten Frauen vor dem Krieg in der Ukraine. Viele Menschen wollen helfen - aber es gibt auch jene, die die Not ausnutzen. Polizei und Menschenrechtsorganisationen warnen vor Menschenhändlern.

Es beginnt schon an der Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Viele Privatpersonen bieten dort Geflüchteten ihre Hilfe an. Doch leider nicht alle meinen es auch so gut. Für junge Frauen kann es mitunter gefährlich werden - vor allem wenn sich Menschenhändler unter die echten Helfer mischen.

Franziska Vilmar

Franziska Vilmar von Amnesty

Hilfsorganisationen vor Ort berichten von Schleppern, die gezielt junge Frauen und Kinder ansprechen. Das Chaos und die Hilflosigkeit nutzten Menschenhändler derzeit aus, sagt auch Franziska Vilmer, Expertin für Asylpolitik bei Amnesty International. Frauen könnten die Pässe abgenommen werden. Schlimmstenfalls könnten sie zur Prostitution gezwungen werden.

Kriminelle an deutschen Bahnhöfen unterwegs

Auch in Deutschland gibt es offenbar schon solche Fälle. So seien Frauen am Berliner Hauptbahnhof von Kriminellen, die ukrainisch oder russisch sprechen, angesprochen worden. Männer würden gezielt auf einzelne Frauen zugehen oder ihnen Geld für Unterkünfte bieten, obwohl diese kostenlos seien, berichtet die Bundespolizei gegenüber dem WDR. Das Problem: Die Frauen würden sich oft eher an Menschen wenden, die ihre Sprache sprechen.

Die Beamten warnen mittlerweile am Bahnhof per Lautsprecher und im Netz vor auffälligen Übernachtungsangeboten und raten den Frauen, sich nur an offizielle Stellen zu wenden. Auch auf Russisch und Ukrainisch. Viel mehr könne die Polizei nicht tun, da die Ansprache von Frauen keine Straftat sei.

Diana Henniges von der Organisation "Moabit hilft" sagt, Aufklärung ist alles. Sie setzt aber auch auf die Wachsamkeit der Allgemeinheit. "Wir müssen als Gesamtgesellschaft oder auch als Nachbar künftig ein Auge darauf haben, wie es den Menschen geht."

Innenministerin will Frauen schützen

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat nun ebenfalls reagiert. Sie will Ukrainerinnen mit einer hohen Polizeipräsenz auf Bahnhöfen vor Menschenhändlern und Sexualstraftätern schützen. "Jeder, der es versucht, die Not der Geflüchteten auszunutzen, sollte wissen: Auf solche Taten reagieren wir mit aller Härte des Gesetzes", sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag".

Amnesty International warnt hingegen, dass bei Geflüchteten nicht länger so viel auf private Hilfe gesetzt werden dürfe. Auch eine bessere oder verpflichtendere Form der Registrierung wäre denkbar.

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