Eltern in NRW nutzen 24-Stunden-Kita nicht

Zwei Kindertische mit hochgestellten Kinderstühlen in leerem Raum einer Kita

Eltern in NRW nutzen 24-Stunden-Kita nicht

Von Jörn Kießler

  • Neun von 14 Kitas stellen Übernachtungsangebote ein
  • Eltern nehmen Angebot kaum wahr
  • Angst vor gesellschaftlicher Verurteilung

Die sogenannten 24-Stunden-Kitas sind in NRW kein Erfolgsmodell. Von den 14 Einrichtungen, die in den vergangenen drei Jahren auch Übernachtungen anboten, haben nach Informationen des Bundesfamilienministeriums neun Kitas das Angebot wieder eingestellt.

Alle 14 Kitas waren von 2016 bis 2018 im Rahmen des Förderprogramms "Kita plus" mit 200.000 Euro pro Jahr unterstützt worden. Nur fünf haben laut einem Sprecher des Bundesfamilienministeriums Folgeanträge für das Jahr 2019 gestellt.

Keine Übernachtung in drei Jahren

Zwei der Einrichtungen, die seit Anfang des Jahres keine Übernachtungen mehr anbieten, sind Häuser des Kita Zweckverbands des Bistums Essen. In der Bochumer Kita Liebfrauen ließen in den vergangenen drei Jahren nur zwei Familien ihre Kinder gelegentlich übernachten. In Essen wurde das Angebot sogar kein einziges Mal wahrgenommen.

Für das Scheitern gibt es nach Meinung von Barbara Wagner, Bochumer Gebietsleiterin des Zweckverbands, vor allem einen Grund: "Viele Eltern befürchteten, von der Gesellschaft verurteilt zu werden", sagt sie. Wer seine Kinder über Nacht abgebe, werde schnell etwas schief angeschaut.

Nachfrage könnte steigen

Genau das will man im Kinderhaus Murkel I in Siegburg ändern. "Wir denken, dass es Zeit braucht, bis sich der Blick auf die Familie ändert", sagt Ramona Booth, Leiterin der Kita, die von einer Elterninitiative betrieben wird. "Deshalb werden wir auch weiterhin Übernachtungen anbieten."

Obwohl in der Kita seit März 2018 im Schnitt auch nur einmal im Monat Kinder übernachteten, hat die Elterninitiative einen Folgeantrag für das Förderprogramm "Kita plus" gestellt. Aber auch die Kitas, bei denen das Angebot nicht angenommen wurde, müssen nicht befürchten, das Geld zurückzahlen zu müssen.

Kitas dürfen Fördergeld behalten

Ziel des Programms "war die modellhafte Erprobung von Betreuungsangeboten", erklärt ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums. "Da das auch darin resultieren kann, dass das Angebot letztlich nicht angenommen wird, erwächst aus diesem Umstand keine generelle Rückzahlungspflicht."

Ohnehin bezieht sich die Förderung nicht nur auf das Übernachtungsangebot, sondern auf die Erweiterung der Öffnungszeit auf mehr als 50 Stunden pro Woche. Auch im Fall der Kitas in Bochum und Essen ist dies weiterhin der Fall.

In Bochum können bis zu zehn Kinder schon um 6.30 Uhr gebracht werden, in Essen sogar noch eine halbe Stunde früher. Beide Einrichtungen bieten zudem die Betreuung für jeweils zehn Kinder bis 19 Uhr an.

Stand: 22.04.2019, 06:00

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