Große Füße Waage

Dickes NRW: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen hat Übergewicht

Stand: 18.05.2022, 19:30 Uhr

Manche haben nur ein paar Kilos zu viel, andere sind adipös: Über die Hälfte der Erwachsenen in NRW gilt als übergewichtig. Doch das muss nicht so bleiben. Es gibt Möglichkeiten, etwas zu tun.

Von Christian Wolf

Während der Corona-Lockdowns dürfte es der ein oder andere am eigenen Leib gespürt haben: Der Bauch ist etwas dicker geworden, die Waage zeigt ein paar Kilos mehr an. Die geschlossenen Fitnessstudios, die fehlende Bewegung und das nicht immer gesunde Essen machten sich bemerkbar.

53,4 Prozent Übergewichtige

Hand kneift in Fettpolster am Bauch

Wer sich nun angesprochen fühlt, kann immerhin froh sein, nicht alleine mit dem Problem dazustehen. Denn aktuelle Zahlen zeigen, dass viele Menschen in NRW mit dem Gewicht zu kämpfen haben. So galten 2021 mehr als die Hälfte der Erwachsenen in NRW als übergewichtig. Konkret waren es 53,4 Prozent.

Das hat das Statistische Landesamt am Mittwoch bekannt gegeben. Besonders groß war der Anteil bei den 45- bis 64-Jährigen. Dort galten über 60 Prozent als übergewichtig. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es "nur" knapp 35 Prozent. Vergleiche zu früheren Jahren sind laut dem Landesamt wegen anderer Methoden bei der Erhebung nicht möglich.

BMI hilft bei der Einteilung

Doch was heißt eigentlich übergewichtig? Manch einer fühlt sich beim Blick in den Spiegel schließlich dick, obwohl jeder Beobachter widersprechen würde. Und andersrum gibt es diejenigen, die ganz offenkundig ein Problem mit dem Gewicht haben, es aber nicht einsehen wollen.

Um festzustellen, ob man selbst zu den 53,4 Prozent Übergewichtigen zählt, reicht eine simple Rechnung. Denn als Grundlage dient der so genannte Body-Mass-Index, kurz BMI. Er setzt das Körpergewicht eines Menschen in Relation zur Körpergröße. Dafür wird das Gewicht in Kilo geteilt durch die Größe in Metern zum Quadrat. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann mit einem Gewicht von 80 Kilogramm kommt auf einen BMI von 24,69.

Ist das nun viel oder wenig? In diesem Fall noch knapp unter dem Schwellenwert von übergewichtig. Denn laut Einstufung der Weltgesundheitsorganisation gelten erwachsene Frauen und Männer ab einem BMI von 25 als übergewichtig. Ab 30 ist von Adipositas, also starkem Übergewicht die Rede.

Keine perfekte Berechnung

Natürlich hat der BMI auch Schwächen. So weist die Techniker Krankenkassen darauf hin, dass weder das Alter noch das Geschlecht berücksichtigt werden. Zudem werde nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterschieden. Lediglich die Körpermasse entscheide darüber, ob man als übergewichtig gilt oder nicht.

Das bedeutet: Wer zum Beispiel viel Sport macht und dadurch viel schwere Muskelmasse besitzt, kann beim BMI fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft werden. "Dennoch ist der BMI eine schnelle und einfache Methode, das eigene Körpergewicht einzuordnen", heißt es von der Techniker Krankenkasse.

Dunkelziffer liegt wohl noch höher

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) geht davon aus, dass Werte wie die für NRW mit 53,4 Prozent Übergewichtigen nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Denn sie beruhen auf Selbstauskünften der Betroffenen. Und so manch einer gebe dabei gern ein paar Kilos weniger an. Repräsentative Messungen zeigten, dass die tatsächlichen Werte noch höher lägen.

"Wir gehen davon aus, dass in Deutschland 60 Prozent der Erwachsenen von Übergewicht betroffen sind", sagt Oliver Huizinga von der DAG. Und es sei zu erwarten, dass sich das Problem durch Corona noch verschärft habe. Erste Befragungen deuteten darauf hin.

Zuckersteuer und Werbeverbote sollen helfen

Doch was kann getan werden? Nicht bei jedem reicht es mit dem Rat nach gesunder Ernährung und regelmäßigem Sport. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft fordert deshalb zum Beispiel ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel für Kinder und eine spezielle Steuer auf zuckerhaltige Getränke. All das soll verhindern, dass es erst gar nicht zu schwerem Übergewicht kommt. Denn: "Dadurch sinkt die Lebenserwartung und es steigt die Gefahr für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und mehrere Krebsarten", so Huizinga.

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