Udo Lindenberg wird 75: Fünf Dinge, die den "Panikrocker" und NRW verbinden

Udo Lindenberg wird 75: Fünf Dinge, die den "Panikrocker" und NRW verbinden

Von Susanne Schnabel

Udo Lindenberg, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, lebt zwar in Hamburg, aber in Nordrhein-Westfalen ist er tief verwurzelt: Liebe und Musik, Ruhm und Ehre.

Lieber Udo Lindenberg, herzliche Glückwünsche zum 75. Geburtstag aus Nordrhein-Westfalen! Hier stand die Wiege des Sängers, hier wird er verehrt und geliebt. Fünf Dinge, warum der Panikrocker für immer mit NRW verbunden ist.

Glückwunsch, Udo Lindenberg

WDR 4 Glückwunsch 17.05.2021 02:06 Min. Verfügbar bis 17.05.2022 WDR 4 Von Thomas Steinberg


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1. Udo Lindenberg wurde in Gronau in Westfalen geboren

Udo Lindenberg während seiner Deutschland-Gastspielreise mit seiner "Rock-Revue '79".

Udo Lindenberg wird am 17. Mai 1946 in Gronau geboren

"Auch wenn meine Füße immer mal weitermüssen, mein Herz wohnt in Gronau", sagt Udo Lindenberg. In der kleinen Stadt im westlichen Münsterland lebte er bis zu seinem 15. Lebensjahr an der Gartenstraße 3 mit seinen drei Geschwistern und seinen Eltern Hermine und Gustav, einem Installateur. Eine Plakette ziert das Geburtshaus und der Song "Panikvirus" ist eine Hommage an das Haus und seine Heimatstadt.

2. NRWs Museen und Galerien zeigen Lindenbergs Werke

Udo Lindenberg und Erich Honecker

Udo Lindenberg reicht Erich Honecker seine Gitarre

Namhafte Häuser zeigen Lindenbergs Likörelle. Das sind Bilder auf Leinwand, in Acryl und Likör. Beispiele: Schloß Moyland in Kleve, Galerie Hans Mayer in Düsseldorf oder das Bonner Haus der Geschichte, das dem Rocker 2005 eine große Ausstellung widmete mit Likörellen und rund 200 Exponaten aus seinem Besitz. Aktuell wird dort die Gitarre ausgestellt, die Lindenberg Honecker geschenkt hatte.

3. Die "Liebe seines Lebens" ist aus NRW

Udo Lindenberg zwischen Portraits seiner Eltern

Hermine und Gustav - die Eltern von Udo Lindenberg

Udo Lindenberg hatte filmreife Liebesgeschichten: Manu, das von ihm besungene "Mädchen aus Ostberlin", mit Popstar Nena hatte er eine Affäre, mit Rosa, einer Schönheitskönigin aus Rio, war er verlobt. Doch die größte Liebe seines Lebens war seine Mutter Hermine, gebürtig aus Gronau. 1988 widmete der Musiker ihr die gleichnamige Platte, auf der er Chansons singt.

4. Musikalisch startete seine Karriere in NRW

Der deutsche Sänger Udo Lindenberg und sein Panikorchester in der TV Sendung "Lieder mit anderen Worten"

Udo Lindenberg und sein Panikorchester in den 1970ern

"Die Lindenbergs werden Klempner und sonst nix!", sagte einst Gustav Lindenberg zum kleinen Udo. "Nix da", sagte Udo und trommelte los - auf Töpfen und Tischen. Bereits mit 15 Jahren spielte er in Düsseldorfer Altstadtkneipen Schlagzeug. Der große Bruder Erich versorgte ihn mit Platten, mit Freund Steffi Stephan aus Münster gründete er das legendäre Panikorchester. Er hat übrigens mit Lindenbergs Schwester Inge einen Sohn.

Keine Panik - Udo Lindenberg wird 75

WDR 2 17.05.2021 03:37 Min. Verfügbar bis 17.05.2022 WDR 2 Von Sabine Heinrich, WDR 2 Morgenmagazin


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5. NRW verehrt Lindenberg mit Preisen, Plätzen und Statuen

Udo Lindenberg, umringt von Fans, reckt vor seiner Statue in Gronau das Mikro in die Luft

Udo Lindenberg vor seiner Statue im Kreisverkehr

Die Fans von Udo Lindenberg haben ihrem Helden ein Denkmal in Gronau gesetzt - eine überlebensgroße Statue in einem Kreisverkehr an der alten Bundesstraße 54. Die Stadt Gronau hat ihn zum Ehrenbürger ernannt und ihm einen Platz gewidmet. Dort steht das Rock-Popmuseum, in dem einige Devotionalien von Lindenberg zu bestaunen sind. Zudem ist Lindenberg Düsseldorfer des Jahres (2016), erhielt die Einslive Krone (2006) und den Verdienstorden des Landes NRW (2010).

Udo Lindenberg: Eine pompöse Karriere

Von Ingo Neumayer

Udo Lindenberg während seiner Deutschland-Gastspielreise mit seiner "Rock-Revue '79".

Keine 50.000 Einwohner und ganz an den westlichsten Rand der Republik geklebt: Gronau ist ein ziemliches Kaff. Das findet auch Udo Gerhard Lindenberg, der schon als Kind auf allem rumtrommelt, was ihm in die Quere kommt. Musiker werden, das wäre toll. Aber raus aus Gronau ist auch schon mal nicht schlecht, also geht er mit 15 nach Düsseldorf und macht eine Ausbildung in einem Hotel. Und nebenbei tingelt er durch die Kneipen und Bars der Stadt.

Keine 50.000 Einwohner und ganz an den westlichsten Rand der Republik geklebt: Gronau ist ein ziemliches Kaff. Das findet auch Udo Gerhard Lindenberg, der schon als Kind auf allem rumtrommelt, was ihm in die Quere kommt. Musiker werden, das wäre toll. Aber raus aus Gronau ist auch schon mal nicht schlecht, also geht er mit 15 nach Düsseldorf und macht eine Ausbildung in einem Hotel. Und nebenbei tingelt er durch die Kneipen und Bars der Stadt.

Frankreich, Libyen, Westfalen: Der junge Udo kommt viel rum in der Welt und spielt überall, wo es eine Bühne gibt. Ende der 60er landet er in Hamburg. Er spielt Schlagzeug, Saxophon, singt. Was eben gerade anfällt. Er lernt den Jazzmusiker Klaus Doldinger kennen, und als dieser den Auftrag bekommt, für eine neue ARD-Krimireihe namens "Tatort" die Titelmelodie einzuspielen, setzt sich Udo kurzerhand an die Drums. Doch eigentlich zieht es ihn nach vorne auf die Bühne, ins Rampenlicht.

1971 erscheint das erste Lindenberg-Album: Er singt englisch, die Stücke klingen mal nach Krautrock, mal nach den bunten Beatles der "Sgt. Peppers"-Phase. Das Album floppt, also versucht es Udo auf deutsch. Ein Jahr später erscheint "Daumen im Wind". Vom "Panikrocker" ist noch nichts zu spüren, stattdessen passen sein Sound und Aussehen eher zur damals angesagten Schlagerszene.

Es dauert ein weiteres Jahr, bis Lindenberg seine künstlerische Identität gefunden hat: Mit dem Album "Alles klar auf der Andrea Doria" legt er das Fundament für seine weitere künstlerische Laufbahn. Hier ist schon alles angelegt: Songs wie das Titellied oder "Cello" sind ungezwungen und mitreißend, spontan und witzig. Das liegt natürlich auch an Udos Schnoddertexten voller Assoziationen und Alliterationen.

Es läuft bei Udo. Als erster deutscher Rocksänger unterschreibt er einen millionenschweren Plattenvertrag. Und das Geld lässt er nicht nur in Bars, Luxushotels und auf Rennstrecken ...

... auch der Entertainment-Faktor seiner Auftritte wird aufgemotzt: Mit großer Begleitband, Tänzerinnen und Tänzern sowie einem aufwändigen Bühnenbild werden seine Konzerte immer mehr zu Revue-Vorstellungen.

Gerhard Gösebrecht, Jonny Controlletti, Rudi Ratlos, Wotan Wahnwitz: Im Lindenberg-Kosmos tummeln sich allerhand skurrile Figuren. Doch obwohl er in angesagten Sendungen wie der "Plattenküche" (hier mit Helga Feddersen) auftritt, sinkt sein Stern gegen Ende der 70er ein bisschen.

Dass in Udo mehr steckt als ein rockender Likörliebhaber, zeigt sich in seinem gesellschaftlichen Engagement. Er schreibt Songs gegen Rechtsradikale und engagiert sich in der Umwelt- und Friedensbewegung. Hier sieht man ihn an der Seite von Joseph Beuys bei einer Veranstaltung der Grünen.

Als die Neue Deutsche Welle über das Land schwappt, bekommt auch Udo neuen Schwung mit. Mit Nena (rechts) hat er sogar ein Liebesverhältnis. Davon erfährt die Öffentlichkeit allerdings erst ein Jahr später.

Ein seltener Anblick: Udo ohne Hut und ohne Brille.

Udos großer Wunsch ist eine Tour durch die DDR. Doch mehr als ein Kurzauftritt im Palast der Republik im Herbst 1983 ist nicht drin. Der findet vor SED-Parteifunktionären statt, die wahren Fans stehen vor der Tür. Der Auftritt, der im DDR-Fernsehen gezeigt wird, sorgt dafür, dass Udo auch jenseits der Mauer zu einer wichtigen kulturellen Größe wird.

1987 trifft er sogar den damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Doch selbst die Lederjacke und die Gitarre, die Lindenberg ihm schenkt, können den "sturen Schrat" (Zitat aus "Sonderzug nach Pankow") nicht erweichen. Die erste Tour durch Ostdeutschland macht Udo erst nach dem Fall der Mauer.

Kippe, Hut, cooler Blick: In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wird Udo immer mehr zum Gesamtkunstwerk. Hits schreibt er kaum noch, aber im Gespräch bleibt er trotzdem.

So finden seine Exzesse und sein wildes Leben ein Ventil in Udos Kunst. Mit den "Likörellen", für die er Malfarben mit Hochprozentigem mischt, sorgt er für Aufsehen. Er lässt sich diese Maltechnik sogar patentieren.

Im neuen Jahrtausend erlebt Udo dann seinen dritten Frühling. Zu den Konzerten kommen ganze Familienverbände mit Oma, Kindern und Enkeln. Und auch die neue Generation von Popstars tut sich gerne mit ihm zusammen: Clueso, Jan Delay oder Silbermond schauen bei ihm im Studio oder auf der Bühne vorbei. Die Alben "Stark wie zwei" (2008) und "Stärker als die Zeit" (2016) werden zu den erfolgreichsten in Udos langer Karriere.

Auch live ist Udo wieder eine ganz große Nummer. Er macht Hallen, Arenen, selbst Stadien voll und liefert Auftritte ab, die im Gedächtnis bleiben.

Nach einer Karriere mit vielen Höhe- und Tiefpunkten ist Udo wieder ganz obenauf. 2020 wird sein Leben sogar verfilmt. In "Lindenberg! Mach dein Ding" spielt Jan Bülow (Mi.) den jungen Udo, der sich und der Welt beweisen will, dass er das Zeug zum Star hat.

Eigentlich wollte Udo den Sommer 2020 auf Tournee verbringen. Die meisten Shows waren ausverkauft, Zusatzkonzerte wurden gebucht. Doch die Corona-Pandemie hat das verhindert - wenn auch nur vorläufig. Lindenberg will die Termine so bald wie möglich nachholen. Doch vorher steht noch ein besonderer Tag an: Am 17. Mai 2021 feiert er seinen 75. Geburtstag.

Stand: 17.05.2021, 11:57

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