Kurdenkonflikt in NRW spitzt sich zu

Menschen demonstieren mit zahlreichen Flaggen

Kurdenkonflikt in NRW spitzt sich zu

  • Einmarsch in Nordsyrien wirkt sich auf NRW aus
  • Kurdendemo in Herne eskaliert
  • Anfeindungen in den sozialen Medien

Der Konflikt in Nordsyrien lässt Spannungen zwischen Menschen mit türkischen und kurdischen Wurzeln auch in Deutschland ausbrechen. Am Montagabend (14.10.2019) eskalierte eine erdogankritische Demo in Herne. Ein Kiosk und ein türkisches Café wurden dabei angegriffen - fünf Menschen wurden verletzt.

Dem Angriff sollen laut Polizei Provokationen der türkischen Seite vorangegangen sein. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise: Bürger können Fotos und Videos auf einem Hinweisportal hochgeladen werden.

Reul: "Unerträglich"

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bezeichnete den Vorfall am Dienstag als "unerträglich". "Da gibt es auch keine Entschuldigung für."

Auch in Bielefeld kam es laut Polizeiangaben nach Provokationen von Passanten zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit 20 Personen.

Demonstrationen seit mehreren Tagen

Bereits am Samstag hatte es bei einer Kurden-Demo in Stuttgart Ausschreitungen gegeben. Rund 20 Beamte wurden laut Polizeibericht verletzt - unter anderem durch Böllerwürfe. Am Donnerstagabend hatte es Gewalt am Rande eines Demonstrationszugs in Berlin gegeben. Laut Polizeibericht hatten kurdische Teilnehmer mehrmals Passanten angegriffen, die den "Wolfsgruß" gezeigt hatten - ein Erkennungszeichen ultranationalistischer Türken.

Viele Demonstrationen am Wochenende blieben aber auch weitgehend friedlich, wie am Samstag in Köln mit etwa 10.000 Teilnehmern.

Militärischer Gruß der Nationalmannschaft

Der Konflikt sorgt auch für Unruhe bei der UEFA: Am Montagabend feierte die Mehrzahl der türkischen Fußball-Nationalspieler beim Länderspiel gegen Frankreich den Ausgleichstreffer zum 1:1 mit einem militärischen Gruß an die türkischen Fans. Schon beim Freitagsspiel gegen Albanien hatten die Spieler mit dem Salut das türkische Militär gefeiert. Die beiden Spieler von Fortuna Düsseldorf, Kaan Ayhan und Kenan Karaman, beteiligten sich in Paris nicht an der Geste.

"Kurdenkonflikt ist schon mitten in Deutschland"

Geschätzt leben 1,2 Millionen Kurden in Deutschland, viele davon im Ruhrgebiet. Der Politikwissenschaftler Burak Çopur befürchtet im WDR-Interview, dass die Lage noch weiter eskalieren könnte. "Viele Kurden haben Familie und Verwandte in Syrien. Sie bangen um ihre Familie und Freunde vor Ort. Die emotionale Bindung ist bei diesen Menschen mit Blick auf die Kriegsereignisse sehr groß. Und deshalb sind viele Kurden auch aufgebracht und gehen derzeit auf die Straße."

Anfeindungen in den sozialen Medien nehmen zu

Auch die Auseinandersetzungen zwischen kurdischstämmigen und türkischstämmigen Menschen in den sozialen Medien haben in den vergangenen Tagen stark zugenommen. In den Online-Angeboten des WDR entspannen sich teils hasserfüllte Diskussionen zwischen den Nutzern.

Unter anderem posteten Nutzer Symbole der vom Verfassungsschutz beobachteten ultra-nationalistischen Organisation "Graue Wölfe".

Stand: 16.10.2019, 10:21

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