Ruhrgebiet und OWL: Trockenheit lässt Buchen sterben

Gefällte Buchen in Velbert

Ruhrgebiet und OWL: Trockenheit lässt Buchen sterben

  • Buchen verlieren Blätter im Ruhrgebiet
  • Ganze Baumbestände auch in Ostwestfalen in Gefahr
  • Kritik an "Lethargie der Poliker"

Wegen Trockenheit sterben im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen immer mehr Buchen ab. "Die Bäume leiden sehr stark unter der aktuellen Hitze", sagte der Leiter des Regionalforstamts Ruhrgebiet, Reinhart Hassel am Samstag (29.06.2019). "Überall verlieren die Buchen ihre Blätter, es gibt signifikante Absterbeerscheinungen im gesamten Ruhrgebiet."

Anders als Eichen könnten Buchen keine zweite Generation an grünen Blättern bilden. Ursache sei ein relativ trockener Winter. Im Frühjahr hätten viele Buchen ausgetrieben, ihre Blätter aber sofort wieder eingerollt wegen zu wenig Wasser. 

Alte Bäume leiden besonders

Rund fünf Prozent der Buchen zeigten solche Trockenphänomene. Vor allem Bäume, die 100 Jahre und älter sind, seien betroffen. Jüngere Bäume stünden oft im Schatten der älteren und seien der Sonneneinstrahlung nicht so ausgesetzt.

"Das macht uns Förstern ganz, ganz große Sorgen", so der Experte. Noch dramatischer sei die Lage in Ostwestfalen. "Dort sterben ganze Buchenbestände ab."

Klimafolgeschäden werden schlimmer

Reinhart Hassel hält die Trockenheit für eine direkte Folge des Klimawandels. "Ich bin betroffen darüber, dass wir mit Klimafolgeschäden zu tun haben, die monatlich schlimmer werden", sagte er.

Der Amtsleiter nannte in diesem Zusammenhang den Befall durch Raupen des Eichenprozessionsspinners, die Rußrindenkrankheit beim Ahorn oder den Borkenkäfer bei der Fichte. "Was mich ärgert, ist die Lethargie, mit der manche Politiker an die Frage des Klimawandels herangehen. Es ist fünf vor zwölf, aber Sekunden."

Gestresste Bäume werden schneller krank

Von Katja Goebel

Der trockene Sommer hat die Bäume in NRW gestresst. Borkenkäfer und eingeschleppte Pilze machen ihnen zu schaffen. Unter den Bäumen gibt es längst Dauerpatienten.

Das mit einer Drohne fotografierte Bild zeigt einen Wald im bunten Herbstkleid.

Erst kamen die Stürme, dann folgte im Sommer 2018 der Hitzestress für die Bäume. Der Wald müsse klimafit und weniger anfällig angebaut werden, sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. "Entscheidend ist dabei die richtige Mischung klimaangepasster Arten." Ein Blick auf die Dauerpatienten in NRW-Wäldern.

Erst kamen die Stürme, dann folgte im Sommer 2018 der Hitzestress für die Bäume. Der Wald müsse klimafit und weniger anfällig angebaut werden, sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. "Entscheidend ist dabei die richtige Mischung klimaangepasster Arten." Ein Blick auf die Dauerpatienten in NRW-Wäldern.

Fichten: Zwei Millionen Fichten hat allein der Borkenkäfer 2018 in NRW vernichtet. Die Schädlinge hatten in diesem trockenen Jahrhundertsommer optimale Vermehrungsbedingungen und befallen immer mehr Bäume. Durch den Monate anhaltenden Wassermangel hatten die Bäume nicht mehr genügend Abwehrkräfte, um sich vor einem Angriff schützen zu können.

Trotz der prekären Situation sind nicht alle Fachleute unglücklich mit der Borkenkäfer-Invasion. Im Nationalpark Eifel verstehen sie die Insekten sogar als Helfer: Denn noch besteht etwa die Hälfte des Schutzgebietes aus Nadelbäumen. Ziel ist aber die Entwicklung zum Buchenwald.

Mancher Revierförster denkt längst daran, Baumsorten zu pflanzen, die die Trockenheit besser verkraften - wie Douglasien, Küstentannen oder Elsbeeren.

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland hat vier Jahre lang an Maßnahmen zur Stärkung der Wälder gearbeitet. Das Projekt nennt sich "Fit für den Klimawandel". Besonders wichtig sei der Boden - der müsse feucht sein. Nur dann bleibe der Wald gesund. Auch könnten viele Fichtensorten mit ihren flachen Wurzeln bei Stürmen schnell umkippen. Besser seien Eichen.

Der Pilz nistet sich in den Bäumen ein und kappt die Versorgung, der Baum verdurstet und verhungert. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Der Einsatz von Giften hilft nicht. Die Forstbehörden setzen auf Zeit: Kranke Bäume sollen gefällt und der Bestand weiter beobachtet werden. Wissenschaftler und Forstökologen sind bereits auf der Suche nach einzelnen resistenten Bäumen aus anderen Eschenarten - wie der amerikanischen Esche.

Kastanien: Bei vielen Kastanien im Land wütet ebenfalls seit einigen Jahren das aggressive Bakterium "Pseudomonas syringae". Ist der Befall einmal da, kann das weitreichende Folgen haben. Erkennen kann man den Befall durch dunkel ausblutende Stellen an der Rinde des Baumes. Die Triebe sterben ab und der Baum wird mit der Zeit schütter. Laut Landwirtschaftskammer ist noch völlig unklar, woher der Krankheitserreger kommt. Ein Gegenmittel gibt es nicht.

Heißhunger auf Kastanien hat aber auch noch ein anderer Schädling: die Miniermotte. Die Larven dieser fünf Millimeter kleinen Schmetterlinge fressen sich durch das Laub der Rosskastanie und sorgen dafür, dass die Blätter braun werden und schließlich früh abfallen. Ist ein Baum befallen, sollte das herabgefallene Laub so schnell wie möglich verschwinden. Die Landwirtschaftskammer rät, das Laub entweder über zentrale Kompostieranlagen zu vernichten oder zu verbrennen. Nur so kann man verhindern, dass sich aus bereits gelegten Motteneiern wieder gefräßige Larven entwickeln.

Mammutbaum: Langfristig müssen die Waldbauern möglicherweise umdenken und zum Beispiel Bäume aus wärmeren Gegenden ansiedeln. In einem Waldstück in der Nähe des lippischen Bad Meinbergs hat Förster Frank Sundermann kalifornische Mammutbäume gesetzt. Zusammen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW testet der Landesverband Lippe elf nicht-heimische Baumarten. Das Projekt wird vom Bund gefördert.

Stand: 29.06.2019, 10:16

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