Organspenden sollen zunehmen - aber wie?

Nierentransplantation. OP-Saal im Klinikum Bremen-Mitte

Organspenden sollen zunehmen - aber wie?

  • 9.400 Patienten in Deutschland warten auf Spendeorgan
  • In NRW gab es im Vorjahr 163 Organspender
  • Gesundheitsminister Spahn will Widerspruchslösung

Wie viele Organe werden in NRW transplantiert?

2018 gab es in NRW laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 163 Organspender, deutschlandweit waren es 955 Spender und 3113 Organentnahmen. Allerdings warten laut DSO derzeit 9.400 Patienten in Deutschland auf ein Organ. Deutschlandweit gibt es pro eine Million Einwohner 11,5 Spender. Zum Vergleich: In Spanien, wo eine Widerspruchslösung gitt, liegt die Quote bei 46,9.

Organspende: "Ein Körper gehört nicht der Öffentlichkeit"

WDR 5 Morgenecho - Interview 01.04.2019 06:07 Min. Verfügbar bis 31.03.2020 WDR 5

Download

An welchen Kliniken in NRW werden Organe transplantiert?

Es gibt neun Transplantationszentren in NRW, die für die Übertragung von Spenderorganen zugelassen sind: In Aachen, Bad Oeynhausen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Münster sowie zwei in Kölner Kliniken. Allerdings haben sich die Kliniken spezialisiert; nicht jedes Zentrum transplantiert alle Organe. Lungentransplantationen gibt es beispielsweise nur in Bad Oeynhausen, Essen und Münster.

Was passiert mit Spendern in eher ländlichen Gegenden wie Eifel, Sauerland, Niederrhein? Ist die teils große Entfernung zum Transplantationszentrum ein Problem?

Organe wie Herz und Lunge werden oft durch Operateure aus dem Empfängerklinikum entnommen. Diese kennen den Empfänger am besten. Da Anreise und Vorbereitung geplant werden müssen, werden Organspender oft mehrere Tage bis zur OP künstlich am Leben erhalten. Das bedeutet gerade für kleinere Kliniken eine hohe personelle und finanzielle Belastung.

Am Montag (01.04.2019) tritt das „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ in Kraft. Welche Neuerungen bringt das Gesetz?

Damit Transplantationen nicht an finanziellen Engpässen scheitern, sollen Entnahmekliniken besser entlohnt werden, um ihre tatsächlichen Kosten zu decken. Zudem soll die Rolle des Transplantationsbeauftragten gestärkt werden. Dieser soll von anderen Aufgaben im Klinikbetrieb freigestellt werden. "Die Transplantationsbeauftragten sollen mögliche Spender auf der Station erkennen und dann die entsprechenden Schritte einleiten", so Nadine Körner von der DSO zum WDR.

Gibt es zu wenig Organspender?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) meint Ja und will daher die Widerspruchslösung einführen. Die erklärt jeden automatisch zum Spender – es sei denn, er lehnt das schriftlich ab. Der Gegenvorschlag, den unter anderem Grünen-Chefin Annalena Baerbock präferiert, baut auf aktive Zustimmung. So soll jeder Bürger von den Ämtern befragt werden, ob er Organspender werden will, etwa bei der Ausstellung eines Ausweises. Transplantationsexperten sehen allerdings die Struktur im Gesundheitswesen als Ursache und nicht die zu niedrige Spendenbereitschaft. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind über 70 Prozent der Bevölkerung bereit, ihre Organe nach ihrem Tod zu spenden.

Stand: 01.04.2019, 13:19

Kommentare zum Thema

18 Kommentare

  • 18 Toto 02.04.2019, 12:47 Uhr

    Nicht alles was möglich ist, ist gut oder notwendig. Hier wird die nätürliche Selektion einfach umgangen. Noch mehr Menschen sterben nicht mehr.und später werden die reichen ewig leben (wollen). Das ist für mich untragbar. Wir können noch nicht einmal vernünftig mit unserer Natur umgehen. Und dann wollen wir unsere Organe kommerzialisieren? Finde ich nicht vernünftig!

  • 17 Sabine Steffen 02.04.2019, 12:44 Uhr

    Ich werde keine Organe spenden. Der Sterbeprozess wird unterbrochen. Die Angehörigen können nicht bis zum letzten Atemzug beim Sterbenden dabei sein. Menschen werden als Ersatzteillager missbraucht. Es wird auch viel Geld damit verdient Auch nach der Transplantation. Bei der Organvergabe wurde schon viel GESCHUMMELT. Wer bestimmt, WANN man tot ist!!! Ich bin nicht nur GEHIRN! Menschenwürde im Sterben ist WICHTIG. HOSPIZE SOLLTEN MEHR unterstützt werden. Die Zustimmung beim Abholen des Personalausweis finde ich deplaziert. Es fehlt die vollkommene Aufklärung. LG

  • 16 Faxen richtig dicke! 02.04.2019, 12:43 Uhr

    Meiner Meinung nach würde das gegen die Grundrechte der menschlichen Freiheit und auch gegen die unantastbarkeit der menschlichen Würde verstoßen. Aber das scheint den Herrschaften der Regierung ja ohnehin völlig wurscht zu sein - die haben ihre Würde ja schon längst über Bord geschmissen! Von mir gibt es da jedenfalls ein klares NEIN. Jetzt erst Recht nicht. Niemand ausser mir bestimmt was mit meinen Organen passiert. Jedem Spender rate ich im Testament festzulegen, wer ein Organ haben darf, sonst wird es womöglich an den gerade Meistbietenden verschachert - wäre ja nicht das erste Mal. Als jemand, der Respekt vor der Natur hat und daran glaubt, dass alles seine Zeit und seinen Sinn hat, widerspricht dieses Verhalten meiner Überzeugung zutiefst. Schon deshalb würde ich das nicht tun und auch nicht für mich erwarten. Zudem finde ich es schon schlimm genug, dass uns im Umgang mit (Nutz-) Tieren bereits jegliche Ethik abhanden gekommen ist.

  • 15 Ralf Langheim 02.04.2019, 12:36 Uhr

    Willst Blasenschwäche du kurieren, klau vom andern dir die Nieren. Und es liegt mir auf der Zunge gegenRauchen eine Lunge und dazu, ganz ohne Scherzen, nehmen wir auch noch vom Herzen. Freddy Krueger einst im Wahn-heute macht es der Herr Spahn.

  • 14 Oskar L. 02.04.2019, 12:20 Uhr

    Der Mensch ist kein Ersatzteillager. Wo sitzt die Seele? Im Herz, im Gehirn, im Magen, woanders? Irgendwo wird sie wohl sein. Wann verlässt die Seele den sterbenden oder toten Menschen? Nach einer Stunde, nach einem Tag? Nach einer Woche? Weiss das etwa jemand? Dann möchte er mir bitte Bescheid geben. Dann denke ich noch einmal neu nach über die Organspende. Bis dahin halte ich es für nicht vertretbar Organe anderen Menschen zu spenden oder von anderen zu erhalten.

  • 13 Heribert 02.04.2019, 12:19 Uhr

    Es fand im Fernsehen gestern jemand bedauerlich, dass 3000 Verkehrstote, nicht verwertet werden. Ich finde es traurig, dass überhaupt ein Mensch im Verkehr stirbt. Gegen den Tod durch Verkehr! ist überflüssig und nicht hinnehmbar!

  • 12 Hein Blöd 02.04.2019, 12:16 Uhr

    Tjaja - Herr Spahn und seine seltsamen Anwandlungen... Meiner Meinung nach verstößt das gegen die Grundrechte eines Menschen. Wie war das noch... die Würde des Menschen ist Unantastbar! Nun, zu meiner Würde zählt es ganz klar selbst zu entscheiden, was wann und wie mit meinem Körper passiert. Da lasse ich mich ganz bestimmt nicht auch noch Fremdbestimmen! Zuerst wird man steuerlich ausgeweidet und später dann auch noch körperlich oder wie? Papier ist geduldig und wenn's dann heißt, wir finden ihren Widerspruch nicht werde ich zum Zwangsspender oder was? GEHT'S NOCH??? Mir reicht es völlig, dass wir im Umgang mit Tieren überwiegend fast jegliche Art von Ethik verloren haben - muss das jetzt auch noch auf Menschen angewandt werden? Klar sollte eigentlich sein, dass es so etwas wie Organspende NUR auf freiwilliger Basis geben KANN. Spenden laufen immer nur auf freiwilliger Basis, sonst wären es keine. Oder erfindet man jetzt für diese fragwürdige Aktion extra ein neues Wort?

  • 11 Heribert 02.04.2019, 12:15 Uhr

    In welchem Zusttand befindet sicher der Spender, wenn dessen Organe entnommen werden? Der Spender darf nicht richtig tot sein, um dessen Organe zu verwerten. Einen Lebenden darf man nicht ausschlachten. Deshalb wurde der Zustand Hirntod definiert.

  • 10 Anonym 02.04.2019, 09:55 Uhr

    Habe heute gehört, wie einfach, dass in den USA POSITIV gelöst ist. Bei einer Behörde, die regelmäßig besucht werden muss (Führerschein) wird gefragt und bei Antwort Organabgabe "JA", wird ein Vermerk (ein Herzchen) in den Führerschein eingetragen oder eingeklebt und FERTIG. Heißt für mich: die Positivlösung wird bei Pass- oder Meldeangelegenheit dokumentiert und im Pass oder einem Register eingetragen und FERTIG. Wenn mir dann noch eine Anfrage mit meinen Personaldaten erlaubt ist, kann ich kontrollieren, ob meinen Daten nicht missbraucht wurden oder eben doch, dann ist doch alles ordentlich gelöst. Die Widerspruchsregelung kann zu meiner Stigmatisierung benutzt werden, oder ohne dass ich Kontrollmöglichkeiten habe, manipuliert werden.Und weil wir alle erfahren mussten sind gerade bei Transplantationen bereits genügend Manipulationen vorgekommen. Bei einer Widerspruchlösung werde ich in keinem Falle einer Organentnahme zustimmen!

  • 9 Horst 02.04.2019, 07:10 Uhr

    Wenn Herr Spahn sich seine sexuelle Orientierung nicht vorschreiben lassen möchte, und das möchte er sicherlich nicht, sollte er seinen Mitmenschen auch nicht derarti gravierende Massnahmen vorschreiben. Sollte er nicht!

  • 8 Organhandel 02.04.2019, 00:15 Uhr

    Der eigene Körper ist das einzige unveräußerliche Eigentum das der Mensch besitzt. Und an diesem Besitzt und Eigentum möchten sich unsere Politiker zum angeblichen Volkswohl jetzt gerne bedienen. Kein Wunder, denn ein Milliardengeschäft für Mediziner, Krankenhäuser und die Pharmaindustrie winkt. Aus einem Pool von Millionen von Organen kann man dann aus dem Vollen schöpfen und u.a. Hornhaut (Augen) ... profitabel verwerten. Das hohle Versprechen der angebliche doppelten Widerspruchslösung ist eine doppelte Mogelpackung. Die Angehörigen können nicht widersprechen, dürfen allenfalls den Willen des „noch nicht Verstorbenen“ äußern (bestätigen). Datenbanken können bekanntlich jederzeit manipuliert /gehackt werden. Wie wollen /sollenTrauernde jemals nachweisen, dass ein Flag in der Datenbank (vorsätzlich) irgendwann anders gesetzt wurde. Wer Organe spenden möchte, der möge es (auschließlich!) für sich entscheiden. Mein Körper und meine Ersatzteile gehören mir ohne jedes wenn und aber!

Aktuelle TV-Sendungen