"Langsam reicht's": Reaktionen auf den Fall Tönnies

Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück.

"Langsam reicht's": Reaktionen auf den Fall Tönnies

  • Kritik an Schlachtbetrieb Tönnies nach Corona-Fällen
  • Karl Lauterbach (SPD): offenbar Mangel bei Hygiene
  • Mitinhaber Robert Tönnies fordert Rücktritt seines Onkels

Nach der Corona-Masseninfektion im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wächst die Kritik an dem Unternehmen. Mehr als 650 Mitarbeiter waren bis Mittwochabend (17.06.2020) positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Alle rund 7.000 Mitarbeiter werden nun unter Quarantäne gestellt. Der Kreis Gütersloh hat vorsorglich alle Schulen und Kitas auf Notbetreuung runtergefahren.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)

Auf die Frage, was die Masseninfektion bei Tönnies über die bisherigen Lockerungen der Corona-Maßnahmen aussage, antwortete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwoch (17.06.2020): "Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt. Das wird überall passieren."

"Das hat nichts mit Lockerungen zu tun, sondern mit der Unterbringung von Menschen in Unterkünften und Arbeitsbedingungen in Betrieben", so Laschet weiter.

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU)

"Die Mitarbeiter von Tönnnies sind in aller Regel nicht in Sammelunterkünften untergebracht", sagte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU) am Donnerstag (18.06.2020) dem WDR. "Ich glaube nicht, dass hier das Problem liegt."

Seines Erachtens liegt das Problem eher daran, dass viele ausländische Mitarbeiter nach dem Lockdown im Heimaturlaub bei ihren Familien waren "und sich dort angesteckt haben und hier was mit in den Kreis Gütersloh gebracht haben. Aber da gibt’s verschiedene Theorien".

Corona-Ausbruch Kreis Gütersloh: "Haben sofort geschlossen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.06.2020 06:36 Min. Verfügbar bis 18.06.2021 WDR 5


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Lauterbach: "Geschäftsmodell endlich beenden"

Das Problem sei mangelhafte Hygiene, glaubt der Kölner Bundestagsabgeordnete und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Das Hygiene-Konzept muss komplett versagt haben", sagte er der Funke-Mediengruppe. Offenbar hätten viele Mitarbeiter keinen Mund-Nasen-Schutzmasken getragen.

"Billigfleisch bringt niemandem Vorteile", schrieb Lauterbach bei Twitter. "Dieses Geschäftsmodell sollte endlich beendet werden."

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NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Die Art und Weise, wie die Schlachtindustrie Werkverträge für Mitarbeiter nutze, zeige, "dass sich die Besitzer von Schlachthöfen nicht mehr verantwortlich fühlen für große Teile der Belegschaft", sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag (18.06.2020) bei WDR 2. Seine Forderung: "eine restriktive Gesetzesüberarbeitung".

Anton Hofreiter (Grüne)

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, nannte die Zustände unhaltbar: "Die Gesundheit der Beschäftigten wird für die Profite der Fleischbarone aufs Spiel gesetzt."

Sarah Wagenknecht (Linke)

"Langsam reicht's!", schreibt die Linken-Bundestagsabgeordenete Sarah Wagenknrecht bei Twitter. "Wer sich wie #Tönnies um den Schutz seiner Beschäftigten einen Dreck schert, sollte für entstehende Schäden haften!"

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Stand: 18.06.2020, 13:30

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