Tiny Houses sind in NRW keine echte Wohn-Alternative

Tiny Houses sind in NRW keine echte Wohn-Alternative

Von Katja Goebel

  • Tiny Houses sind noch eine schöne Vision in NRW
  • Knapper Baugrund, kaum legale Stellplätze
  • Stadtplaner: "Das eigentliche Problem: Alle bauen immer größer"

Ein Minihaus auf Rädern, nur wenige Quadratmeter groß - am liebsten mitten im Grünen. Tiny Houses sorgen seit Jahren für Gesprächsstoff - nicht nur bei Aussteigern. Doch der Traum vom eigenen Minihäuschen ist gar nicht so leicht zu verwirklichen.

Leben auf 20 Quadratmetern

Ein Tiny House ist schon ab 30.000 Euro zu haben. Für Menschen, die ihr Hab und Gut mühelos auf rund 20 Quadratmetern unterbringen können, klingt das verlockend. Außerdem passt das Häuschen auf einen Anhänger und könnte - theoretisch - an jedem Ort aufgestellt werden.

Strenge Bauvorschriften

Doch die Sache hat einen Haken. In NRW braucht man einen legalen Stellplatz für das Wohnhaus und das bedeutet meist Baugrund - angeschlossen an Strom und Kanalisation. Geeignete Flächen sind äußerst selten. Meistens scheitert der Traum vom Tiny House an Bauvorschriften. Selbst wenn ein guter Freund mit großem Grundstück helfen will: Die NRW-Bauordnung lässt in der Regel das Tiny House auch im Garten nicht zu.

Selbst dort, wo es keinen Bebauungsplan gibt, zum Beispiel in einer Baulücke, müsse das Minihaus von der Kommune erlaubt werden. "Wenn links und rechts dreigeschossige Häuser sind, kriegen sie ihr Tiny-House nicht genehmigt", erklärt Gerald Kampert, Stadtplaner in Dortmund.

Screenshot aus dem Film "Mit den Kindern ins Tiny House"

Tiny-House im Garten: Meist nicht erlaubt

Und das schnuckelige Holzhäuschen am Waldrand oder See? Das gäbe es nur in Hochglanzzeitschriften. "Im Außenbereich herrscht Bauverbot." Selbst auf dem Campingplatz darf man nicht dauerhaft im Tiny House wohnen. Hier wäre das Minihaus nur als Zweitwohnsitz erlaubt.

Erste Tiny House-Siedlung in Dortmund

Dennoch ist die Idee vom Wohnen auf kleiner Fläche nicht ganz vom Tisch. Dortmund zum Beispiel plant die erste Siedlung für 50-Quadratmeter-Häuser. In frühestens drei Jahren könnte die städtische Fläche - ein ehemaliger Sportplatz - erschlossen sein, so der Stadtplaner. Dort könnte man auch ein Tiny House hinstellen. Auch in Warendorf und Nordkirchen gibt es ähnliche Pläne.

Mittel gegen Flächenfraß: Kleiner denken

"Wir brauchen Geduld", sagt Kampert. Das Tiny House sei eine schöne alternative Wohnform, halte aber den Flächenfraß nicht auf. "Wir haben in Dortmund so viele Einwohner wie 1965, aber wir haben doppelt so viele Wohnungen. Wir werden nicht mehr, aber wir bauen uns dumm und dusselig."

Ein Grund: Der Wohnraum des Einzelnen werde schlicht immer größer. "Sie sehen heute in Katalogen Küchen, die sind 100 Quadratmeter groß, und dann kommen noch mal die 100 Quadratmeter für die Couchlandschaft dazu. Und so bauen die Leute dann auch."

Stand: 08.06.2019, 06:00

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