Gefährliche Tiktok-Challenges: Wie rede ich mit meinem Kind?

TikTok ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt

Gefährliche Tiktok-Challenges: Wie rede ich mit meinem Kind?

Von Oliver Scheel

Vor einigen Tagen ist in Italien ein zehnjähriges Mädchen gestorben, das an einer Tiktok-Challenge teilnahm. Warum machen Kinder bei diesen Spielen mit - und was können Eltern tun?

"Tiktok - Normal ist langweilig." Mit diesem Slogan wirbt das chinesische Videoportal um Nutzer. Der Slogan scheint zu wirken, denn Millionen Teenager in aller Welt haben sich die App auf ihr Handy geladen und stellen kurze Videoclips von sich ins Netz. Meist sind die völlig harmlos. Es wird getanzt, es wird mit Spezialeffekten und Filtern gearbeitet, es werden witzige Tonspuren unter die Videos gelegt. Aber leider birgt die App auch echte Gefahren - durch sogenannte Challenges.

Immer wieder gehen Kinder und Teenager auf der Suche nach mehr Likes im Netz über ihre Grenzen, landen dabei im Krankenhaus oder kommen sogar zu Tode. Wie vor wenigen Tagen das zehnjährige italienische Mädchen Antonella aus Palermo, das an einer sogenannten "Blackout Challenge" teilnahm, bei der man sich stranguliert und dabei filmt. Antonella starb im Badezimmer ihres Elternhauses.

Es kommt immer wieder zu Todesfällen

Es ist nicht die erste gefährliche Challenge, die die Runde im Netz macht. Bei der "Kulikitaka-Challenge" tanzten die Teilnehmer vor Kühen und rannten dann auf die Tiere los, um sie zu erschrecken. Bei der "Skullbreaker-Challenge" hüpft man hoch, und während man in der Luft ist, treten danebenstehende Freunde den Protagonisten die Beine weg. Etliche Teilnehmer landeten im Krankenhaus.

Zu Todesfällen kam es bereits durch die Benadryl-Challenge, bei der die App-Nutzer eine große Menge des Anti-Allergie-Medikaments Benadryl zu sich nahmen, bis sie halluzinierten. Dann filmten sich die meist jugendlichen User, wie sie verwirrt umherliefen.

"Suchterzeugende Sogwirkung"

Kinderpsychologe Georg Romer

Psychologe Romer: Auch Firmen und der Gesetzgeber können etwas tun

Was aber bringt Kinder und Jugendliche dazu, sich völlig ohne Not in solche Gefahren zu begeben? - "Die Portale sind mit aller Raffinesse so gestaltet, dass sie auf Kinder und Jugendliche eine suchterzeugende Sogwirkung ausüben", sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Münster, Georg Romer, dem WDR.

Und was können die Eltern tun, wenn sie merken, dass das Kind in den Tiefen des Mobiltelefons verschwindet? - "In Kontakt mit dem Kind sein, ohne nebenbei das eigene Smartphone zu checken", rät der Experte: "Grundsätzlich würde ich Eltern immer dazu raten, ein Kind unter zwölf Jahren nicht unbeaufsichtigt dem Sog der Onlinemedien zu überlassen."

Unternehmen müssen auf die Altersgrenze achten

Der Kinder- und Jugendpsychiater nimmt auch die Unternehmen in die Pflicht: "Selbstverständlich sind die Unternehmen in der Verantwortung, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen, insbesondere was die Altersgrenzen von Kindern angeht, die bei einem solchen Portal einsteigen." Auch der Gesetzgeber könne etwas tun: "Dass man grundsätzlich in einer solchen Situation das Rad zurückdrehen kann, hat die Einführung und Durchsetzung des Rauchverbots für unter 18-Jährige bewiesen."

"Was bleibt?": TikTok auf dem Vormarsch

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Beiträge 02.01.2021 04:08 Min. Verfügbar bis 22.12.2021 WDR 5 Von Annika Schneider


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Stand: 28.01.2021, 06:00

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