Tierwohllabel "Neuland" will Zusammenarbeit mit Tönnies überprüfen

Schweine drängen sich in einem Transporter

Tierwohllabel "Neuland" will Zusammenarbeit mit Tönnies überprüfen

  • BUND und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft arbeiten mit Tönnies zusammen
  • „Neuland“-Produkte von Tönnies werden an Aldi geliefert
  • Verträge sollen nach Corona-Ausbruch überprüft werden

Aldi verkauft seit 2018 Schweinefleisch mit dem Tierwohl-Siegel ,,Neuland''. Produziert wird das Fleisch bei Tönnies. Das wirft Fragen auf. Denn zum Neuland-Verein gehören zwei bekannte Tönnies-Kritiker: Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Naturschutzbund BUND.

AbL: "System Billigfleisch muss beendet werden"

Das Neuland-Label

Das Neuland-Label

AbL-Bundesgeschäftsführer Georg Janßen kommentierte die Corona-Fälle bei Tönnies und in anderen Schlachtunternehmen so: ''Das System Billigfleisch hat viele Verlierer, es muss beendet werden.'' Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sagte: "Der Fall Tönnies ist nur die Spitze des Eisbergs. Er steht für ein menschenunwürdiges und Tierleid erzeugendes Agrarsystem.''

"Neuland"-Verein: Produktion bei Tönnies auf dem neusten Stand

Dass man dennoch mit Tönnies zusammenarbeitet, erklären der Neuland-Verein und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft mit den Forderungen von Aldi. 2018 wollte Neuland mit seinem Siegel im Lebensmitteleinzelhandel Fuß fassen: bei Aldi.

Der Discounter habe einen hohen Hygienestandard und bei Tönnies sei die Produktion auf dem neuesten Stand, heißt es von Neuland. ''Alternativen sind geprüft worden'',sagte AbL-Geschäftsführer Janßen dem WDR. Aber Aldi habe mit Tönnies zusammenarbeiten wollen.

Es habe ''kontroverse'' Diskussionen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gegeben, so Janßen. Schließlich haben aber laut Neuland-Verein alle Trägerverbände für eine Zusammenarbeit mit Aldi und damit auch mit Tönnies gestimmt: Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der BUND und der Deutsche Tierschutzbund.

Vertrag mit Aldi soll überprüft werden

Die Bedingungen bei Tönnies würden einmal im Jahr kontrolliert, versichert Neuland. Da habe es bisher nichts zu beanstanden gegeben. Trotzdem habe der Corona-Ausbruch im Werk in Rheda-Wiedenbrück ''zu tieferem Nachdenken'' geführt, so Neuland-Vorstandssprecher Jochen Dettmer. Und auch AbL-Geschäftsführer Janßen sagt: ''Wir machen uns schon Gedanken.'' Jetzt soll der Vertrag mit Aldi geprüft werden.

Aber es sei nicht so einfach, aus den Vereinbarungen herauszukommen: Die liefen noch bis 2023. Es werde auch Gespräche mit Tönnies geben, so Janßen. Der Vertrag ist attraktiv für Neuland: Eine Laufzeit über fünf Jahre und ein vereinbarter Festpreis seien ungewöhnlich für die Branche.

Stand: 20.07.2020, 15:45

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