Neue Beweise über Tierleid in Mastställen

Lokalzeit Münsterland 21.09.2022 03:10 Min. Verfügbar bis 21.09.2023 WDR Von Antje Kley

Tierquälerei in Schweinemastbetrieben in Westfalen - Staatsanwaltschaften ermitteln

Stand: 22.09.2022, 14:06 Uhr

In sechs Schweinemastbetrieben im Münsterland und Ostwestfalen-Lippe soll es Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben haben. Tierschützer haben in den Ställen Filmaufnahmen gemacht.

Ein totes Ferkel liegt zwischen anderen Schweinen auf dem Boden.

Die Bilder sind erschreckend: Man sieht kranke Tiere mit Nabelbrüchen und offenen Wunden, Tiere, die abgemagert sind, die zum Teil nicht mehr laufen können. In einigen Buchten liegen auch tote Tiere. Teilweise stehen die Schweine dick im eigenen Kot.

Betroffene Höfe sind Lieferanten von Westfleisch

Das Deutsche Tierschutzbüro hat die Aufnahmen unter anderem den zuständigen Kreisveterinärämtern zukommen lassen. Die haben nach eigener Aussage sofort Kontrollen durchgeführt und die Verstöße gegen den Tierschutz bestätigt.

Jan Peifer, Sprecher des Deutschen Tierschutzbüro, im Gespräch.

Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro

Passiert ist das zum Beispiel in den Kreisen Steinfurt und Warendorf. "Die Bilder zeigen eklatante Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, es ist in allen Betrieben Tierquälerei vorgefunden worden und das wirft ein extrem schlechtes Bild auf die Firma Westfleisch ," sagte Jan Peifer vom Tierschutzbüros Deutschland. Dort bewerbe man nämlich die Höfe als beispielhafte Fleischlieferanten. Westfleisch mit Sitz in Coesfeld teilt auf Anfrage schriftlich mit, man nehme die Vorwürfe ernst und gehe ihnen mit aller Entschiedenheit nach. Transportunfähige und schlachtunfähige Tiere nehme man nicht zur Schlachtung an.

Landwirt versucht Bilder zu erklären

"Mich hat das getroffen", sagt einer der kritisierten Landwirte beim ZDF-Magazin "Frontal" über die Berichte. Die Tierschützer hätten in seinem Stall gefilmt, als es den Schweinen nicht gut ging. Das könne auch mal der Fall sein, "aber das liegt nicht unbedingt am Verschulden des Landwirts alleine."

Zu jener Zeit seien in seinem Stall Infektionen grassiert, Ferkel hätten sich plötzlich massiv gegenseitig in die Schwänze gebissen, zitiert ihn "Frontal". Er habe deshalb alles auf den Kopf gestellt, ein Tierarzt sei von Anfang eingebunden gewesen. "Ja, die Bilder sind schockierend, aber man muss auch die Hintergründe kennen. Wir haben aus meiner Sicht alles getan, was ging und mehr konnte man einfach nicht tun." Als er schließlich seinen Ferkel-Lieferanten gewechselt habe und auf eine andere Rasse umgestiegen sei, habe sich die Situation gebessert.

Staatsanwaltschaften ermitteln

Die Tierschützer haben Anzeige erstattet. Inzwischen ermitteln die Staatsanwaltschaften in Münster, Bielefeld und Detmold. Die Betriebe selbst wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Inzwischen hat die Firma Westfleisch alle so genannte Hof-Portäts von ihrer Homepage gelöscht. In den Poträts waren die landwirtschaftlichen Betriebe näher vorgestellt worden, die Westfleisch zuliefern. Auf WDR-Anfrage hieß es seitens der Firma:

"Die Hofporträts wurden zum Schutz der Familien vorläufig von der Website genommen." Westfleisch

Demo vor Westfleisch-Zentrale in Münster

Am Donnerstag (22.09.) hatten rund ein dutzend Tierschützerinnen und Tierschützer vor der Konzernzentrale von Westfleisch in Münster demonstriert. Sie standen in einer Reihe und haben Protestplakate und Bilder von kranken und schwerverletzten Tieren hochgehalten. Ihre Forderungen: ein Ende der Tierquälerei und die Schließung von Schlachthöfen.

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