"Animal Hoarding" - wenn Tiere zur Sucht werden

Animal Hoarding

"Animal Hoarding" - wenn Tiere zur Sucht werden

Von Karin Bensch

  • Zehntausende Tiere in NRW aus Messie-Wohnungen befreit
  • Halter leiden unter einer psychischen Störung
  • Tierschützer fordern Zentralregister

Die Wohnung stinkt und ist dreckig. Hinter der Tür leben dutzende Katzen auf engem Raum. Die meisten von ihnen sind krank oder verwahrlost. Wenn sie entdeckt und befreit werden, sind sie oft schon tot. Oder sie befinden sich in einem so schlechten Zustand, dass sie vom Tierarzt eingeschläfert werden müssen.

Mäuse und Katzen am häufigsten

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen zehn Jahren 354 solcher Fälle registriert. Dabei wurden fast 10.000 Tiere sichergestellt. Am meisten Mäuse, Katzen und Hunde. Aber auch Fische, Kaninchen und Chinchillas.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Tierhalter haben oft Zwangsneurose

Das zwanghafte und unkontrollierte Sammeln von Tieren wird als "Animal Hoarding" bezeichnet. Psychologen stufen es als Sonderform des Messie-Syndroms ein.

Oftmals leiden die Tierhalter unter einer psychischen Störung, zum Beispiel einer Depression oder einer Zwangsneurose. Sie sind mit ihren vielen Tieren überfordert und können die notwendigen Hygiene- und Pflegestandards nicht erfüllen.

"Animal Hoarding" – Tieresammelsucht

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 11.12.2019 12:23 Min. Verfügbar bis 10.12.2020 WDR 5

Download

Register soll kommen

"Animal Hoarder" sind häufig Wiederholungstäter. Die Landesregierung befürwortet deshalb ein Tierhaltungsverbot für solche Menschen.

Animal Hoarding

"Animal Hoarder" sind meist Wiederholungstäter

Tierschützern reicht das nicht. Sie fordern die Einführung eines Zentralregisters, in dem Informationen zu auffällig gewordenen Privathaltern gesammelt werden. Veterinärämter sollen auf dieses Register zugreifen und somit – auch bei einem Umzug in eine andere Stadt – ein Tierhaltungsverbot durchsetzen können.

Gesetze sind da

Die Landesregierung hält ein solches Zentralregister für sinnvoll. Die Bundesregierung sei bereits gebeten worden, die datenschutzrechtliche Grundlage dafür zu schaffen. "Die Gesetze sind da, woran es mangelt ist die Durchsetzung", sagt Dr. Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW.

Er fordert einen Schwerpunkt-Staatsanwalt für Tierschutz in Nordrhein-Westfalen. Das würde seiner Ansicht nach die Strafverfolgung in Schwung bringen. 

Ordnungsamt hilft bei "Animal Hoarding"

Doch was tun, wenn man mitbekommt, dass Nachbarn massenhaft Tiere in ihrer Wohnung oder ihrem Haus halten? Solche Fälle sollte man dem Ordnungsamt melden, rät der Landestierschutzverband NRW.

Die Kontaktnummern sind in der Regeln auf den Online-Seiten der Städte zu finden.

Stand: 15.02.2020, 10:23

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen