Zu wenige Organspender: Sind Tier-Mensch-Mischwesen die Lösung?

Ein Rattenembryo, in dem menschliche Zellen eingepflanzt werden sollen

Zu wenige Organspender: Sind Tier-Mensch-Mischwesen die Lösung?

  • Japaner darf Mensch-Tier-Mischwesen züchten
  • Die Idee ist nicht neu und hoch umstritten
  • Langfristig sollen Spenderorgane gezüchtet werden

Trotz aller Bemühungen fehlen weltweit Organspender. Deshalb suchen Forscher immer wieder nach neuen Methoden, um Organe zu züchten. In Japan sollen deswegen nun Tier-Mensch-Mischwesen die fehlenden Organe liefern, sogenannte Chimären.

Wie sehen die Mischwesen aus?

Rein äußerlich wie gewöhnliche Mäuse, in die Forscher der Universität Tokio Stammzellen einpflanzen wollen. In den Mäusen sollen dann menschliche Bauchspeicheldrüsen entstehen. Die Zellen können vom Empfänger selbst stammen. Man entnimmt dem Empfänger etwas Haut und züchtet daraus Stammzellen.

Bisher ist das Problem, dass transplantierte Organe nicht selten von den Empfängern abgestoßen werden. Die Hoffnung: Wenn die Zellen vom Empfänger stammen und die gezüchteten Organe die gleichen Gene haben, werden sie nicht mehr abgestoßen. So die Theorie.

Ist das aus ethischer Sicht akzeptabel?

Der deutsche Ethikrat sprach bereits 2011 von einer Überschreitung der Mensch-Tier-Grenze, die nicht akzeptabel sei – auch wenn es keine Hinweise auf menschliche Eigenschaften dieser Chimären gibt.

Auch Jens Reich, Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin, kritisiert: "Es ist sehr heikel, solche Versuche zu machen. Die Gefahr ist immer bei solchen Sachen: Man gibt ja sehr potente menschliche Stammzellen in einen tierischen Embryo hinein und kann dann nicht mehr verhindern, dass die etwas machen, was nicht mehr kontrollierbar ist. Zum Beispiel in dem Versuchstier Hirnzellen, Nervenzellen bilden." Das sei ethisch nicht tolerierbar.

Wann gibt es die ersten Organ-Transplantationen?

Das dauert noch sehr lange. Jetzt werden erstmal die ersten Mäuse geboren. Und dabei kann immer noch viel schiefgehen: Krebszellen können entstehen, die menschlichen Zellen könnten zugrunde gehen. Selbst wenn es mit der Züchtung funktioniert, sind es ja immer noch Mäuse.

Diese sind alleine wegen der Größe nicht die Organspender für den Menschen. Es müssten größere Tiere wie Schweine sein. Mit großer Sicherheit ist es in den kommenden zehn Jahren nicht die Methode für Organspenden. Der Weg zu funktionsfähigen Organen ist jedenfalls noch weit.

Japan erlaubt Mischwesen aus Mensch und Tier

WDR 2 31.07.2019 03:31 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 WDR Online

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Stand: 31.07.2019, 17:26

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