DAX-Aus für Thyssenkrupp: Kerkhoff beruhigt Mitarbeiter

DAX-Aus für Thyssenkrupp: Kerkhoff beruhigt Mitarbeiter

Von Jörg Marksteiner, Jolien Wagner

  • Firmenwert zu niedrig für DAX
  • Aktienkurs hat sich in einem Jahr fast halbiert
  • Kerkhoff: "führt uns Realität vor Augen"

Nach dem herben DAX-Rückschlag für das Traditionsunternehmen Thyssenkrupp hat sich Firmenchef Guido Kerkhoff am Donnerstagmorgen (05.09.2019) in einem Podcast an seine Mitarbeiter gewandt. Die Finanzierung des Konzerns und der Mitarbeiter sei nicht gefährdet.

Trotzdem sei die Entscheidung enttäuschend. "Das zeigt, wo wir stehen und wie wir wahrgenommen werden - und wie die Lage des Konzerns ist. Aber: Es gilt jetzt, nicht auf Eitelkeiten zu schauen, sondern nach vorne zu schauen", so Kerkhoffs Reaktion.

Bei aller Tradition nur noch zweitklassig - genau das ist der mehr als 200 Jahre alte Essener Industrie-Riese Thyssenkrupp. Am Mittwochabend hatte die Deutsche Börse entschieden, dass der Konzern nicht mehr zum Leitindex DAX gehört. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum musste Thyssenkrupp den DAX verlassen?

Jedes Jahr im September entscheidet die Deutsche Börse, wer gehen muss. Um zum Top-30-Club zu gehören, sind zwei Kriterien entscheidend: Wie viele Aktien des Unternehmens wurden gekauft ("Börsenumsatz")? Wie wertvoll ist es? Thyssenkrupps Aktienkurs und damit die Firmenbewertung hat sich innerhalb eines Jahres ungefähr halbiert. Andere Unternehmen werden besser bewertet. Sie könnten aufrücken.

Was bedeutet das für das Essener Unternehmen?

Im Alltag werden die weltweit 160.000 Mitarbeiter davon nicht viel spüren. Mit 38.000 Arbeitsplätzen im Land, die meisten in der Stahlindustrie, bleibt Thyssenkrupp einer der großen Arbeitgeber in NRW. Am meisten leidet wohl das Prestige. Vorgänger Thyssen gehörte 1988 zu den DAX-Gründungsfirmen. Der Abstieg spiegelt damit auch die langjährige Krise wieder.

"Wenn man absteigt, ist das auf jeden Fall ein Imageschaden, keine Frage. Aber das hat auch handfeste Konsequenzen", sagt Diethard Simmert, Professor für Finanzen und Management an der International School of Management aus Dortmund: Große internationale Investoren und Staatsfonds konzentrierten sich häufig auf DAX-Firmen.

Dazu kommt: Alle passiven Fonds, die einen Index wie den DAX nur nachbilden, dürften ihre Thyssenkrupp-Aktien verkaufen. Die Finanzbranche schätzt, dass Indexfonds 5 bis 7 Prozent der Aktien von DAX-Firmen besitzen.

Welche Probleme hat Thyssenkrupp?

Die Finanzdecke ist dünn – eine Folge der milliardenschweren Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Aktuell kommen dazu schlechte Ergebnisse: Wichtige Abnehmer wie die Autoindustrie haben selbst Probleme. Die geplante Fusion des Stahlbereichs mit Tata wurde untersagt. Auch die geplante Aufteilung des Konzerns wurde wieder abgeblasen.

Luft verschaffen will sich das Unternehmen, in dem die wertvolle Aufzugsparte teilweise an die Börse gebracht wird. Gleichzeitig ist der Abbau von 6.000 Stellen geplant. Der Verkauf weiterer Firmenteile wird nicht mehr ausgeschlossen.

Welche NRW-Firmen bleiben jetzt im DAX?

Auch ohne Thyssenkrupp: Kein Bundesland beheimatet mehr DAX-Konzerne als NRW. Zehn waren es bislang, jetzt noch neun. Die meisten saßen bislang in Essen – neben Thyssenkrupp die Energiekonzerne Eon und RWE. Post und Telekom sitzen in Bonn. Die Chemiebranche stellt drei Konzerne mit Bayer, Covestro und Henkel. Jüngstes NRW-Mitglied im DAX ist seit 2018 der Immobilienkonzern Vonovia.

Stand: 05.09.2019, 10:21

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Anonym 05.09.2019, 16:09 Uhr

    Das sind die Folgen des Größenwahns. Das Debakel in Brasilien und Alabama hat nicht ausgereicht, um die Wirklichkeit in den Köpfen der Manager ankommen zu lassen. Stattdessen wurde eine zwielichtige Fusion mit einem der größten Konkurrenten angestrebt, Technologieausverkauf und Arbeitsplatzabbau inklusive. Und wer zahlt die Zeche? Die Mitarbeiter und letztlich der Steuerzahler. Weil denselben Managern ausser Stellenabbau mal wieder nichts einfällt. Vorreiter Deutschland? - Zum Lachen!

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